Windkraft in der Schutzzone?

Denklingen will Fläche für Windkraft ausweisen - in der Wasserschutzzone

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Oberhalb, westlich von Denklingen: die zwei Menhofer Windräder (vorn) und die vier Fuchstaler Anlagen (hinten). Beim Thema Windkraft im Staatsforst geht bei einigen Gemeinderäten die „rote Lampe“ an.

Denklingen – Dass die Gemeinde ausgerechnet in der äußeren Wasserschutzzone für den neuen Brunnen im Stubental eine Konzentrationsfläche für Windkraft ausweist und das Verfahren jetzt vorantreibt, geht den Räten der Dienhauser Liste mächtig gegen den Strich. Darum votierten Wortführer Martin Steger, aber auch Stefan Müller, Alexander Seelos und Wolfgang Martin mit Nein.

Doch die Mehrheit im Denk­linger Gemeinderat billigte den überarbeiteten Entwurf zum Teilflächennutzungsplan, mit dem der Bau von Windkraftan­lagen auf dem Gebiet der Lechraingemeinde gesteuert werden soll. Dieser Entwurf wird erneut ausgelegt. Freilich können Bürger beziehungsweise Träger öffentlicher Belange nur noch zu den geänderten oder ergänzten Abschnitten Stellung nehmen. Und dies muss auch innerhalb von 14 Tagen passieren. Die Frist ist kürzer als bei den ersten Auslegungen.

„Bauen wir doch nicht neben unsere Wasserversorgung sechs Windräder hin.“ Mit diesem Satz eröffnete Gemeinderat Martin Steger die kurze Aussprache zu dem Thema. Bei der neuen Wasserversorgung für die Stadtwerke Schongau im Staatsforst südlich von Denklingen seien in der äußeren Schutzzone III Windkraftanlagen doch auch ausgeschlossen.

Diese Aussage ist so nicht stimmig. In der äußeren Schutzzone III für die drei Brunnen der Stadtwerke gebe es kein Verbot für Windräder. Dies erklärte Anna Diem-Sickinger vom Landsberger Landratsamt auf Anfrage des KREISBOTEN. Die Bau- bzw. Umweltbehörde werde im Fall einer Genehmigung zwar gründlich hinschauen wegen der Materialien für die Fundamente. Aber von einem generellen Verbot für Windkraft in der äußeren Schutzzone könne nicht die Rede sein.

Ausgeschlossen sei der Bau von Windrädern in Zone III beim Schongauer Wasserschutzgebiet dann, wenn der Flächennutzungsplan für die Konzentrationsfläche Windkraft, die im Westen Denklingens und Dienhausens vorgesehen ist, Rechtskraft erlangt. So erklärt es die stellvertretende Landratsamtssprecherin. Dann seien Windräder in Denklingen nur noch in dem überplanten Gebiet möglich.

Politische Aussagen

Gemeinderat Steger erinnerte an den früheren bayerischen Landwirtschafts- und Forstminister Helmut Brunner. Der habe gesagt, wenn eine klare Mehrheit der Bevölkerung gegen Windräder im Wald sei, dann werde so ein Vorhaben nicht forciert. Der Staat werde dann keine Flächen dafür hergeben, erwähnte Steger unter Berufung auf Brunner. Darum solle jetzt die Gemeinde durch Ausweisung einer Konzentrationsfläche Windkraft nicht das Signal aussenden, dass sie Flächen bereitstelle für den Bau von Windkraftanlagen. Denn das mehrheitliche Interesse gegen weitere Windräder sei in Denklingen zweifelsohne vorhanden.

Bürgermeister Andreas Braun­egger verwies darauf, dass der neue Wirtschaftsminister Franz Pschierer einem Zeitungsinterview zufolge einen Zubau bei der Windenergie und bei der Fotovoltaik für sinnvoll hält. Braun­egger: „Wenn wir Nein sagen, kommen die Windkraftanlagen trotzdem.“ Gemeinderätin Anita Gropp merkte an, dass sich politische Aussagen zu dieser Thematik nach der Landtagswahl im Herbst 2018 wieder ändern könnten.

Heftig kritisiert wurde Steger vom Stephan Egner. Er hielt dem Dienhausener Ratskollegen lautstark vor, uneinsichtig alte Argumente, aber auch weit hergeholte Stichwörter wie die Versagung einer Rodungserlaubnis hervorzukramen. Steger wolle nicht erkennen, dass der Flächennutzungsplan für die Konzentrationsfläche Windkraft das einzige Instrument sei, damit in der flächengroßen und waldreichen Denklinger Flur Windkraft-Projekte stark eingegrenzt werden.

Als Egner immer lauter wurde, fuhr ihm der junge Gemeinderat Stefan Müller ins Wort. Egner führe sich auf „wia a kloans Kind“. Schließlich griff Bürgermeister Braunegger in die Debatte ein und mahnte zur Sachlichkeit.

Johannes Jais

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