Starke Menschen, die hinschauen – Landsberg wehrt sich friedlich gegen Rechts

Unser Aufruf ‚Landsberg wehrt sich‘ war nicht nur eine Parole, sondern ein Lehrstück gelebter Demokratie.“ Mit diesen Worten umschrieb der Landtagsabgeordnete und Versammlungsleiter Ludwig Hartmann (Grüne) die vom Bürgerbündnis gegen Rechtsextremis- mus am Samstag durchgeführte Kundgebung gegen den Aufmarsch der dem rechten Spektrum angehörenden Gruppierung „Freie Kräfte Bayerns“. Die starke Präsenz von Polizeikräften am Hauptplatz garantierte einen reibungslosen Verlauf beider Aufzüge und Kundgebungen. Laut Polizei ist es dabei zu keinen nen- nenswerten Zwischenfällen gekommen, obwohl rund 400 Gegner der rechten Veranstaltung den etwa 30 Teilnehmern des rechten Bündnisses fast zwei Stunden gegenüberstanden.

Mit lautstarken Rufen und Trillerpfeifen zeigte das bürgerliche Lager seinen Unmut über die Präsenz der Rechten. Zuvor waren rund 800 Personen in einem Protestzug von der Waizinger Wiese zum Hauptplatz gezogen und zeigten mit Slogans wie etwa „Landsberg wehrt sich“ oder „Landsberg hat die Nazis satt“ deutlich Flagge. Besonders freute es Versammlungsleiter Hartmann, dass bei der nunmehr zweiten Gegendemonstration „die Stadt und der Landkreis geschlossen mit dem Bürgerbündnis am Hauptplatz gegen den Aufmarsch der Rechten demonstriert haben“. Bis an den äußersten Rand So auch Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD), der in seiner Rede den ebenfalls anwesenden Landrat Walter Eichner für dessen Engagement beim Einsatz gegen Rechtsextremismus dankte, allen voran der Versuch Eichners, den Aufmarsch der NPD im Herbst vergangenen Jahres zu verhindern. Lehmann betonte noch einmal in aller Deutlichkeit, dass solche Demonstrationen aufgrund des Versammlungsrechtes nicht verboten werden können und sich auch terminlich nicht steuern ließen: „Wenn es ein Ermessen gäbe, dann würden Stadt und Landkreis jeden Spielraum bis an den äußersten Rand nutzen. So müssen wir damit leben und sind dadurch umso mehr verpflichtet, unsere Haltung kundzutun.“ OB Lehmann betonte weiter, dass Landsberg besonders durch seine Geschichte eine besondere Symbolkraft habe, die verpflichte, einer Wiederbelebung der Nazi-Parolen und -Propaganda durch rechtsradikale Gruppierungen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. „Wir sagen: Die Stadt Landsberg, der Landkreis Landsberg hat Nazis satt, dieses Land, Europa und Welt. Wir haben die Nazis satt.“ Auch wenn am Samstag deutlich weniger Menschen zur Kundgebung gekommen waren, zeigte sich Hartmann in seiner Rede überzeugt davon, dass die Rechtsextremisten mit ihren vielen angekündigten Aufmärschen in Landsberg nur eines erreichen würden: „Sie stärken mit jedem Aufmarsch unser demokratisches Selbstbewusstsein und damit unsere Überzeugung, uns mit allen demokratischen und gewaltfreien Mitteln gegen die Nazi-Aufmärsche zur Wehr zu setzen. Eine starke Demokratie braucht Menschen, die hinschauen, Gesicht zeigen und Farbe bekennen. Wir schweigen nicht, wir verstecken uns nicht und wir lassen uns keine Angst machen, wenn wieder Nazis durch unsere Stadt ziehen.“ Zu hoher Polizeieinsatz? Hartmann ging in seiner Rede auch kurz auf Kritik ein, die das große Polizeiaufgebot betrifft: Nach der erfolgreichen Demo im November wurden vereinzelt Stimmen laut, so ein hoher Polizeieinsatz und die damit verbunden Kosten sei für die paar Rechtsextremisten nicht gerechtfertigt. „Sicher, es waren nicht viele Neo-Nazis – und sicher wäre ohne unsere Gegendemo der Polizeieinsatz kleiner ausgefallen. Aber wir sind uns doch hoffentlich alle einig, dass wir das Ausüben von demokratischen Grundrechten niemals mit einem Kosten-Nutzen-Faktor gegenrechnen dürfen. Dies wäre unserer Demokratie nicht würdig.“ Zum Abschluss der Kundgebung auf dem Hauptplatz trat dann noch das Kabarettisten- und Musikerduo „Mehlprimeln“ auf. Auch die Polizei zog eine positive Bilanz. Das im Vorfeld mit dem Landratsamt und der Stadt abgestimmte Einsatzkonzept des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord sei aufgegangen. Ein störungsfreier Ablauf der Demonstrationen sei sichergestellt worden, sagte Pressesprecher Hans-Peter Kammerer. Dafür Sorge trugen rund 500 Polizeibeamte.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Geister steigen aus dem See
Geister steigen aus dem See
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto

Kommentare