Starke Zuwächse

Der stellvertretende Kreishandwerksmeister Michael Riedle zeichnete Cäcilia Dollinger sowie Josef und Peter Loy (von links) für Betriebsjubiläen von 25 beziehungsweise 100 Jahren aus.

Mit guten Zahlen und hoffnungsvollen Aussichten ist das regionale Handwerk ins Jahr 2012 gestartet. Beim Neujahrsempfang, den die Kreishandwerkerschaft am Sonntag im Sitzungssaal des Landratsamts veranstaltete, wurden durch die Bank Zuwächse vermeldet – beim Umsatz, der Anzahl der Betriebe, den Beschäftigen und Auszubildenden. Kreishandwerksmeister Ernst Höss machte auch einige gravierende Probleme aus und befand: „Gemischte Gefühle begleiten uns ins Neue Jahr.“

Gerhard Ketzler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern, wartete für das Jahr 2011 mit Rekordergebnissen auf. So verzeichnete das Handwerk im Landkreis Landsberg ein reales Umsatzplus von über fünf Prozent auf 650 Millionen Euro und beschäftigte mit rund 6100 Menschen ein Prozent mehr Mitarbeiter. 234 neue Auszubildende schlossen Lehrverträge ab, insgesamt machten 633 junge Menschen eine Ausbildung im Handwerk. Die Zahl der Betriebe stieg um 1,3 Prozent auf 2200. „Die Wirtschaft war gut, aber das Handwerk war besser“, bilanzierte Ketzler. „Alle reden von der Krise, aber das Handwerk ist optimistisch.“ Kreishandwerksmeister Höss berichtete, dass 40 Prozent der Betriebe inzwischen Schwierigkeiten hätten, ausreichend Fachkräfte zu finden. Viele Lehrstellen blieben unbesetzt – und das, obwohl das Handwerk familienfreundliche Arbeitsbedingungen und gute Karriere­- chancen biete. Innerhalb von zehn Jahren könne ein Lehrling sein eigener Chef sein. Höss forderte jedoch die Einführung von verpflichtenden Erfahrungsjahren, selbst wenn dafür noch einmal die Handwerksordnung geändert werden müsste. „Sonst ist der Start in die Selbstständigkeit mörderisch.“ Ebenfalls gern sähe der Kreishandwerksmeister aus Landsberg die Einführung von Min­- destlöhnen. „Zeigen wir unsere Sozialkompetenz im Handwerk“, forderte Höss. Mindestlöhne würden Lohnarmut ver­- hindern, das Risiko der Altersarmut senken und einen fairen Wettbewerb schaffen. Es dürfe nicht sein, dass jemand trotz Vollzeitarbeit von seinem Einkommen nicht leben könne. Landrat Walter Eichner (CSU) unterstrich die Leistungen des Landkreises im Bildungsbereich und verwies mit Stolz auf die steigenden Schülerzahlen an den weiterführenden Schulen. Im Vergleich zu 2004/05 gebe es heute im Landkreis 738 Realschüler mehr, was der Dimension der Realschule in Kaufering entspreche. Die Zahl der Gymnasiasten stieg um 740 und sorgte für ein gut gefülltes Ammersee-Gymnasium. Die 20 Millionen Euro, die man in den vergangenen Jahren in die Bildung gesteckt habe, seien also gut investiert. Weitere Projekte sind laut Eichner bereits in der Pipeline, unter anderem der Bau einer Mensa an den Beruflichen Schulen Landsberg mit ihren inzwischen 1500 Schülern. Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) ging in seinem Grußwort auf eine Frage von Ernst Höss ein, der wissen wollte, wie weit die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt vom Derivatenskandal beeinträchtigt sei. Laufende Projekte und Investitionen würden nicht in Frage gestellt, versicherte Lehmann. Einzig der Schuldenabbau werde sich voraussichtlich verlangsamen. Statt der beabsichtigten drei Millionen Euro werde man in den Jahren 2011 und 2012 wohl nur je zwei Millionen Euro abbauen können. Dass die Schuldentilgung in den vergangenen Jahren so gut funktioniert habe, sei „auch ein Verdienst des Kämmerers Manfred Schilcher“, wie Lehmann trotz angespannter persönlicher Beziehungen ausdrücklich würdigte. Von den acht Millionen Euro, die man in diesem Jahr in neue Projekte stecke, könne das regionale Handwerk profitieren, so das Stadtoberhaupt. Abgesehen vom Hauptplatzumbau beschäftigte man keine General­- unternehmer, sondern schreibe die Gewerke einzeln aus. „Da kann das lokale Handwerk zum Zug kommen.“

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