Ein Windpark für die Bürger

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Fragen und Antworten beim Info-Abend zur Windkraft und zum Zeichnen der Anteile in der Fuchstalhalle.

Fuchstal – „Ich gehe davon aus, dass die Phase drei stattfindet.“ Mit diesen Worten bezog Planer und Geschäftsführer Robert Sing bei einem Info-Abend in der Fuchstalhalle Stellung dazu, wie sich das Zeichnen von Anteilen für die vier Windkraftanlagen bei Leeder entwickelt. Phase drei wird am kommenden Donnerstag, 24. September, eröffnet. Dies bedeutet, dass Interessierte unabhängig davon, wo sie wohnen, Anteile an den Windrädern erwerben können.

In der ersten Phase Anfang September gab es einen Zeitrahmen von zwei Wochen, in denen nur Bürger aus der Gemeinde Fuchstal zeichnen konnten. Vom 14. bis 24. September besteht diese Option für Interessierte, die in benachbarten Gemeinden wie Oberostendorf und Markt Kaltental bzw. in Gemeinden der so genannten Südallianz zu Hause sind, die bis Vilgertshofen, Kinsau und Dießen reicht. Mit Stand von Mitte September sieht es so aus, dass für 4,2 Millionen Euro Anteile gezeichnet worden sind. 

Davon bringt die Gemeinde Fuchstal zirka 3,2 Millionen Euro ein. Das ist knapp die Hälfte des benötigten Eigenkapitals (6,5 Millionen Euro). Das Projekt mit den vier Windkraftanlagen im Bereich Kingholz ist mit 21,3 Millionen Euro veranschlagt. An Eigenkapital ist knapp ein Drittel erforderlich. Zur Finanzierung des Fremdkapitals gebe es eine Zusage der VR Bank Landsberg-Ammersee im Konsortium mit einer Genossenschaftsbank. 

Die örtliche Raiffeisenbank Fuchstal-Denklingen sei nicht eingebunden, erklärt Bürgermeister Erwin Karg auf Nachfrage des KREISBOTEN. Robert Sing, der Chef eines Ingenieurbüros in Landsberg ist und zum Geschäftsführer der Bürgerwindkraft Fuchstal Verwaltungs-GmbH bestellt wur- de, erwähnte beim Info-Abend in der Fuchstalhalle vor knapp 100 potenziellen Investoren, dass es aus privatem bzw. Firmenkreis eine Anfrage gegeben hätte, sich mit einer hohen Summe zwischen 500000 und einer Million Euro zu beteiligen. Dies habe man jedoch abgelehnt; das Projekt im Bereich Leeder sei ein Bürgerwindpark, an dem möglichst viele Interessierte Anteile zeichnen können sollen. 

Position bezogen 

Bernd Wust von der Rechtsanwaltskanzlei Kapellmann und Partner (München) bezog beim Info-Abend Stellung zu den beiden Klagen der Gemeinde Markt Kaltental. Zu deren Klage gegen die immissionsschutzrechtliche Genehmigung der vier Windkraftanlagen durch das Landratsamt Landsberg warte man immer noch auf die Begründung, sagte der Jurist, der die Gemeinde Fuchstal bei diesem Thema anwaltlich vertritt. Die Klage zwei, das so genannte Normenkontrollver- fahren, richtet sich gegen die Ausweisung des Teilflächennutzungsplanes für Windkraft, ergänzte Bernd Wust. Die Gemeinde Kaltental müsse in Klage eins „eigene Rechte“ geltend machen, antwortete Dr. Wust auf eine Anfrage. „Die hat sie aber kaum“, meinte der Jurist, der kaum Chancen für einen Erfolg der Kaltentaler Klage sieht. 

Eine Entscheidung am Verwaltungsgericht erwartet er bis Ende Oktober. Dagegen könne sich das Normenkontrollverfahren noch über viele Monate hinziehen. Bürgermeister Karg meinte bei der Frage nach Unkalkulierbarem, die Windkraftanlagen seien nicht das erste Projekt der Gemeinde, wo ein gewisses Risiko dabei sei. Er verwies auf die Biogas-Erzeugung und das Fernwärmenetz. Rathauschef Karg konnte zu dem Informationsabend auch die ehemalige Bürgermeisterin von Denklingen, Viktoria Horber, deren früheren Stellvertreter Meinrad Klein aus Epfach und den zweiten Bürgermeister von Ingenried, Georg Echtler, begrüßen. 

Zum Bau und Betrieb der vier Windkraftanlagen hat die Gesellschaft in Fuchstal einen Vertrag mit dem Hersteller Enercon abgeschlossen. Die garantierte Inbetriebnahme ist fest vereinbart. Zwei Windkraftanlagen müssen bis 30. Juni 2016 ans Netz gehen. Die zwei weiteren Windkraftanlagen müssen ein Quartal später den ersten Strom einspeisen. Der Turmbau soll ab November erfolgen, sagte Planer Sing. Gondelmontage und Rotorblatt sind ab Mai 2016 vorgesehen, fügt der Planer hinzu. 

Zurzeit laufe auch die Ausschreibung für den Netzanschluss und für die Übergabestation, so Robert Sing. Die Übergabestation ist beim Umspannwerk in Bidingen; dazu muss eine 9,5 Kilometer lange Trasse vom Kingholz nach Süden verlegt werden (wir berichteten).

Johannes Jais

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