Erinnern, aber wie?

Antworten von außen

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Ein „Dokumentationsort“ soll künftig an den KZ-Außenlagerkomplex Landsberg-Kaufering erinnern. Dazu gehörten auch die Tonröhrenbauten in Kaufering VII zwischen Landsberg und Erpfting, in denen Häftlinge hausten.

Landsberg – Der KZ-Außenlagerkomplex Landsberg-Kaufering war der größte des Stammlagers Dachau: Insgesamt zehn Lager erstreckten sich über die Region bis zum Ammersee. Darüber soll ein „Dokumentationsort“ dauerhaft informieren, erklärt Ulrich Fritz, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Eine Machbarkeitsstudie soll jetzt Konzepte erarbeiten, mit denen in angemessener Form an diesen Teil von Landsbergs Geschichte erinnert werden kann.

Ein „Dokumentationsort“ soll es werden. Wie genau der aussehen wird, dafür gibt es zwei mögliche Szenarien: Entweder ein festes Ausstellungsgebäude könnte errichtet werden oder aber man arbeitet mit einer „dezentralen Lösung“, erklärt Fritz. Das könnte beinhalten, dass Info-Tafeln und QR-Codes an den verschiedenen Stätten angebracht werden. Dadurch könnten außerdem Interessierte dazu aufgefordert werden, nicht nur einen, sondern gleich mehrere Orte zu besuchen.

Natürlich wäre auch eine Mischform denkbar: Indem an einem oder mehreren historischen Orten ein zentraler Anlaufpunkt entsteht, an dem die museale Präsentation von Objekten, Bild, Ton etc. erfolgen kann und Tafeln an den KZ-Friedhöfen in der Region aufgestellt werden.

Ausgesucht hat man sich für diese Machbarkeitsstudie die Würzburger Firma „FranKonzept“, die bereits ein Konzept für ein mögliches Informationszentrum über die prähistorische Siedlung Pestenacker erstellt hat. „Wir haben an anderen Orten die Erfahrung gemacht, dass eine Studie von außen Ideen einbringt und erhoffen uns gute Vorschläge“, so Fritz. Die Finanzierung der Studie übernimmt die Stiftung Bayerische Gedenkstätten, immerhin eine fünfstellige Summe, die „nicht ganz hoch, aber auch nicht ganz niedrig“ ist.

Im Mittelpunkt des Dokumentationsortes soll die Vermittlung historischer Information stehen, die auch durch emotional ansprechende Elemente – Objekte, Bildmaterial, Aussagen von Zeitzeugen – unterstützt und ergänzt werden kann, heißt es im Fragenkatalog. Der Dokumentationsort Landsberg/Kaufering sei zudem besonders geeignet, Themenkomplexe wie beispielsweise „Zwangsarbeit in einem gigantischen Rüstungsprojekt der Kriegsendphase“ oder „das Ende der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden“ darzustellen.

Potenzielle Besucher sollen außerdem einen Einblick erhalten, wie die heute meist völlig zerstörten und unkenntlichen historischen Areale 1944/45 ausgesehen haben und wie es zu dem heutigen Zustand kam. Durch das Informationszentrum – in welcher Form auch immer es entstehen wird – soll sich dem Besucher die Größe und Bedeutung des historischen Lagerkomplexes Landsberg/Kaufering erschließen. Durch die räumliche Ausdehnung und weite Verteilung der einzelnen Orte steht man hier natürlich vor einer besonders großen Herausforderung: Welche Orte werden einbezogen, welche nicht berücksichtigt? Und was muss passieren, um diese Orte für den Besucherverkehr zu erschließen?

Die Auftraggeber erwarten sich aber noch weitere Antworten von der Machbarkeitsstudie. Beispielsweise auf die Frage, ob und auch wie das ehemalige Lager VII zwischen Landsberg und Erpfting Teil dieses „Dokumentationsortes“ werden kann. Außerdem sollen mögliche Fördermaßnahmen geklärt werden. Ende des Jahres soll die Studie fertig sein und dann vorgestellt werden, so Fritz. Jetzt ist erst einmal der Startschuss gefallen.

Astrid Erhard

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