Steht der EV Landsberg vor dem Aus?

Dem EV Landsberg droht der Entzug der Gemeinnützigkeit. Dies hat der Vorsitzende Hans-Jürgen Böttcher in der vergangenen Woche bekanntgegeben: „Wir dürfen dieses Jahr keinen Verlust mehr machen.“ Der Entzug der Gemeinnützigkeit wäre nach seinen Worten „das Aus“ für den Verein.

Allerdings dürfte offenbar nicht der Verlust an sich das Problem sein, sondern wo er gemacht wird. Das Problem trifft nicht nur den EVL und es nicht neu: Die Schwierigkeiten gibt es oft dann, wenn mit gemeinnützigen Einnahmen (Mitgliedsbeiträgen, Spenden, etc.) der Verlust aus einem Wirtschafts- oder Zweckbetrieb ausgeglichen wird (in diesem Fall wäre das die erste Mannschaft). Genau das ist nämlich nicht zulässig. Vereinfacht gesagt muss sich die erste Mannschaft als Wirtschaftsbetrieb über Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen selbst finanzieren, die Einnahmen an Spenden und Mitgliedsbeiträgen müssen komplett einem gemeinnützigen Bereich, zum Beispiel dem Nachwuchs, zugeführt werden. Was sich wie eine theoretische Diskussion über Steuer- oder Vereinsrecht anhört, könnte gravierende praktische Auswirkungen haben. Wird die Gemeinnützigkeit entzogen, geschieht das rückwirkend, womit der Verein so gestellt wird, als wäre er nie gemeinnützig gewesen. Die nachträgliche Besteuerung von Gewinnen dürfte beim EVL nicht relevant sein, da seit Jahren ein Minus erwirtschaftet wird. Zusätzlich fallen aber auch andere Steuern in voller Höhe an, darunter die Umsatzsteuer – und das rückwirkend für zehn Jahre. Auch müssten alle Spenden rückwirkend mit dem Schenkungssteuersatz versteuert werden. Das wäre besonders deshalb kritisch, weil der EVL über Jahre verschiedene Zuwendungen seiner Fanclubs als Spenden erhalten hat. Auch sechsstellige Summen, die von Privatdarlehen in Spenden umgewandelt wurden – und als solche im Etat auftauchen – müssten nachträglich versteuert werden. Die schlechte Nachricht für den Verein: Er darf damit nun keinesfalls mehr einen Verlust mit der ersten Mannschaft machen. Die gute Nachricht: Mit der starken Senkung der Lohn- und Gehaltskosten im aktuellen Etat ist ein Schritt in diese Richtung gemacht. Dass das nicht ausreicht, machte der Vorstand deutlich und erhöhte die Eintrittspreise um einen Euro (Dauer- und Elferkarten ausgenommen). Die Liquidität des Vereins bedroht die Androhung des Finanzamts zunächst nicht. Der Entzug der Gemeinnützigkeit würde erst ausgesprochen, wenn der Abschluss für das laufende Geschäftsjahr vorliegt und einen Verlust ausweist.

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