"Zurück nach oben!"

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Auch Landratskandidat Markus Wasserle (stehend) schwor die Landsberger SPD auf einen engagierten Wahlkampf ein.

Landsberg – Zwischen Kontinuität und Umbruch bewegt sich die Kandidatenliste der Landsberger SPD. Den Spagat zwischen Vergangenheitsbewältigung und Neu­beginn will auch Spitzenkandidat Felix Bredschneijder schaffen. „Mut für die Zukunft“ hat er sich mit seinem Team auf die Fahnen geschrieben.

Bredschneijder sagte bei der Aufstellungsversammlung in „Kolbes Wirtshaus“ aber auch: „Es war für viele Gruppierungen noch nie so einfach wie in diesem Jahr, gegen die SPD in Landsberg Wahlkampf zu machen. Die Ursache liegt sicher auch darin, dass der letzte Stadtrat teilweise unter seinen Möglichkeiten geblieben ist.“ Seine Schlussfolgerung: „Es braucht jetzt Leute, die’s können. ,Kompetenz’ wird das Schlagwort in diesem Wahlkampf.“

Bredschneijder wurde, mit der gesamten vorgeschlagenen Liste, ohne Gegenstimme gewählt. „Die Einstimmigkeit war nicht unbedingt zu erwarten“, freute sich der 35-Jährige. In seiner die Versammlung prägenden Ansprache ging er heiklen Themen nicht aus dem Weg und fand dabei kämpferische Worte – auch in Richtung der derzeitigen Stadträte aus anderen Parteien. „Wir wissen inzwischen, dass es nicht einen unter 30 gegeben hat, der aufgedeckt hätte, dass es der Kämmerei gelungen ist, eine Schat­- tenwirtschaft aufzuziehen, die ihresgleichen sucht. Inzwischen rennen alle wegen jedem Kommafehler zur Rechtsaufsicht“, meinte der Anwalt, der Ex-OB Ingo Lehmann in der Affäre um die Finanzderivate vertritt. Seinen Mandanten nahm Bredschneijder dann auch in Schutz. „Es sind Fehler passiert, die für Ingo bitter geworden sind. Aber diese Fehler hätte er kaum oder sogar gar nicht verhindern können.“

Breiten Raum nahm dann aber vor allem der Blick in die mögliche Zukunft ein („Die Zeit der Schuldzuweisungen ist jetzt vorbei.“), auch wenn die Listennummer 1 dazu noch einmal den Blick zurück bemühte. „Wir müssen wieder nach oben“, forderte er. „Der letzte Jahresabschluss, der vorliegt, ist der von 2009. Da hatten wir noch vier Millionen Überschuss, es ging uns glänzend.“ Wie der Weg der SPD in Landsberg aussehen soll, skizzierte der Jurist ebenfalls. Zunächst gelte es, „Klarheit“ zu schaffen, forderte er und führte als Beispiel die aktuelle Diskussion um die Finanzlage an. „Es mag ja stimmen, dass wir 80 Millionen Schulden haben, aber man muss dann auch sagen, wo das Geld steckt; etwa im Stromnetz, das wir von einem Energiekonzern zurückgekauft haben.“

Die zweite Säule des Wahlkampfes soll die „Aufdeckung von Ressourcen“ in Landsberg sein, wobei eine klare Richtung für die Stadt vorgegeben werden solle. „Wir sollten uns schon fragen, ob wir glücklich in Richtung 50000 Einwohner steuern und irgendwann Gilching werden wollen, oder ob wir uns unsere Eigenständigkeit bewahren.“

Auch finanziell sieht Bredschneijder durchaus noch Reserven: „Das sind ebenfalls Ressourcen, wenn man sich anschaut, was in Richtung verkaufbarem Grund noch da ist. Und das ist eine Menge, zum Beispiel im Frauenwald.“ Dabei dürfe man aber nicht an das „Tafelsilber“ gehen, wie etwa das Betreute Wohnen im Englischen Garten, das sich „letztlich selbst abzahlt“.

Einen anderen Weg als die Konkurrenz will der SPD-Spitzenkandidat auch bei den grundsätzlichen Weichenstellungen gehen. Im Moment erlebe man „reinen Aktionismus“, kritisierte Bredschneijder. „Da ist kein Sinn, kein Plan in Sicht. Zum Beispiel werden einfach mal schnell die Parkgebühren verdoppelt.“ Gefragt sind seiner Meinung nach stattdessen klare Konzepte. „Die Verwaltung lechzt ja geradezu nach Richtungsentscheidungen.“

Die Landsberger SPD sieht er dabei auf einem guten Weg. Man sei sehr weit, „aus den Arbeitsgruppen kommen jetzt schon Dinge, die praktisch umsetzungsreif sind.“ Gestalten soll das dann im Stadtrat nach den Vorstellungen der Sozialdemokraten eine Fraktion, der vermutlich viele bekannte Gesichter angehören dürften. Nach Bredschneijder und der Ortsvorsitzenden Kathrin Pfeffer finden sich auf den nächsten Plätzen die aktuellen Stadträte Dieter Völkel, Ursula Schaller, Ludwig Kaiser und Margit Däubler. Dagegen treten Ann-Marie Rist und Gunnar Kahmke nicht mehr an, beide kandidieren stattdessen für den nächsten Kreistag.

Knapp vier Monate vor dem Urnengang steht für Felix Bredschneijder nach eigner Aussage bereits fest, „dass der neue Stadtrat bunt wird“. Für seine Partei hält er sich dabei ausdrücklich alle Optionen offen. „Koalitionsautomatismen gibt es nicht.“

Christoph Kruse

Die Stadtratsliste der SPD Landsberg

Listenplatz 1: Felix Bredschneijder, Kathrin Pfeffer, Dieter Völkel, Ursula Schaller, Lud­- wig Kaiser, Margit Däubler, Bernd Schwarz, Gertrud Brandl-Beuth, Christoph Keckeisen, Bettina Barnet

11. Felix Beuth, Juliane Marauska, Martin Jung, Veronika Hummel, Marco Berthe, Sunna Schwarz, Frank Blum, Monika Wallerus, Oliver Kaiser, Birgit Weißenberger;

21. Hans Buscek, Silvia Enders, Gerhard Fleischmann, Angelika Holweck-Keckeisen, Ben Schwarz, Daniele Rentel, Werner Gutmann, Gabi Schwab, Gerd Lanclée, Stefan Futterknecht.

Ersatzkandidaten: Peter Beuth, Peter Wallerus.

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