Dem Himmel ganz nah:

Eine Sternwarte fürs Gymnasium 

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Eine Kleinsternwarte wie etwa diese private in Murnau soll am Rhabanus-Maurus-Gymnasium in St. Ottilien entstehen.

St. Ottilien – Das Rhabanus-Maurus-Gymnasium will seine eigene Sternwarte bauen. Damit soll der Unterricht in Astro-Physik anschaulicher gestaltet werden, aber nicht nur das. Auch für die Öffentlichkeit wird das Observatorium vermutlich geöffnet werden.

Noch liegt für das Projekt keine offizielle Baugenehmigung vor, doch die Initiatoren sind guten Mutes, dass bereits in einem Jahr das Gebäude steht. „Der Architekt zeichnet schon“, berichtet Heinz Reinhardt begeistert. Er ist der Motor hinter der Idee zur Schul­sternwarte. Der 73-jährige ehemalige Leiter des Dante-Gymnasiums in München hatte nach seiner Pensionierung keine Lust auf Ruhestand und unterrichtet seitdem in St. Ottilien Astro-Physik. Zusätzlich zur Theorie würde er seinen Schülern gern in der Praxis einen Blick in den Sternenhimmel bieten. Die Voraussetzungen dafür sind in St. Ottilien ideal. Die Schule liegt am Rande des Klosterdorfes und weitab von den Nachbarortschaften Geltendorf und Eresing. „Dadurch hat man nicht viel Fremdlicht in der Umgebung“, so Reinhardt. „In der Stadt wäre so ein Vorhaben unmöglich.“ Als Standort für die Sternwarte hat er ein Grundstück in der Nähe des Hofladens im Auge. Das Gelände ist in der Nacht dunkel genug und wird nicht durch nahen Straßenverkehr erschüttert – auch dies eine wichtige Voraussetzung fürs Sternengucken. „Die Erschütterungsfreiheit ist das A und O“, sagt Reinhardt. Deshalb muss das Fernrohr auf einem massiven Sockel stehen. „Wenn ein Schüler hindurchschaut und die anderen laufen um ihn herum, darf nichts wackeln.“ Das Teleskop wird auf einer speziellen Säule montiert und exakt nach der Erdachse ausgerichtet. Ein kleiner Motor sorgt dafür, dass es stets der Erdrotation angepasst wird. Innen wie außen Das Gebäude selbst wird komplett weiß gestrichen, damit es tagsüber das Sonnenlicht reflektiert und sich auf keinen Fall erwärmt. „Innen muss Außentemperatur herrschen“, sagt Reinhardt. Eine Spezialfirma, die all dies entsprechend umsetzen kann, hat er in Mammendorf (Landkreis Fürstenfeldbruck) gefunden. Die Kuppel der Sternwarte soll mit einem Durchmesser von drei Metern relativ klein gehalten werden. Als Ausstattung stellt sich Reinhardt ein Zwölf-Zoll-Teleskop vor, durch das man die erdnahen Planeten, aber auch ferne Galaxien gut beobachten könne. „Ich habe mal bei einem Schulfest Bilder von Sonnenflecken herumgezeigt und bin bei Schülern wie Eltern auf großes Erstaunen gestoßen, dass es so etwas gibt“, erinnert sich der Pädagoge. Spätestens da ist ihm der Bedarf für die Schulsternwarte deutlich geworden.

Heute im Gemeinderat

Reinhardt rechnet mit Kosten von etwa 60000 Euro, die voraussichtlich von der Erzabtei, durch Elternspenden und Sponsorengelder aufgebracht werden. „Die Finanzierung scheint gesichert.“ Die Gemeinde Eresing, zu der St. Ottilien gehört, habe bereits Zustimmung zu dem Projekt signalisiert. Am heutigen Mittwoch fällt im Gemeinderat die Entscheidung über den Standort. Auch das Landratsamt Landsberg stehe als Genehmigungsbehörde dem Projekt wohl positiv gegenüber. Außer den Schülern des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums sollen voraussichtlich Besucher des Exerzitienhauses die Sternwarte nutzen dürfen. Darüber hinaus kann Reinhardt sich vorstellen, sie für die Volkshochschule zu öffnen.

Ulrike Osman
 


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