Himmlischer Hebauf

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Wie der Schraubverschluss auf einem Deostift: Mit einem Kran wurde die Kuppel auf die Sternwarte gesetzt.

St. Ottilien – Die Schulsternwarte von St. Ottilien ist ihrer Fertigstellung einen Schritt näher gekommen. Unter dem Beifall von Schülern, Lehrern, Mönchen und Gästen wurde per Kran die Kuppel auf den Betonrohbau gesetzt. Nun müssen noch das Teleskop montiert und eine Stromleitung verlegt werden.

Es ist ein kalter Vormittag, doch die Sonne scheint auf die blütenweiße Kuppel, die auf kreisförmig aufgebauten Hockern steht und darauf wartet, an ihren Platz gehoben zu werden. Die Farbe ist kein Zufall. Das weiße Material reflektiert das Sonnenlicht und sorgt dafür, dass die Temperatur in der Sternwarte nicht höher ist als außen. „Sonst würden Schlieren und Kondenswasser entstehen, und das kann man beides beim Sterne beobachten überhaupt nicht gebrauchen“, erklärt Heinz Reinhardt. Der 74-Jährige unterrichtet am Rhabanus-Maurus-Gymnasium Astro-Physik und ist die treibende Kraft hinter dem Projekt. 

Nachdem die untere Hälfte der Kuppel auf dem Betonsockel platziert worden ist, lässt der Kran eine achteckige Stahlsäule herabschweben. Auf ihr wird später das Teleskop montiert, das vollkommen erschütterungsfrei stehen muss. Zuletzt wird die eigentliche Kuppel auf das Bauwerk gesetzt wie der Schraubverschluss auf einen Deostift. 

Das Teleskop wird später exakt nach der Erdachse ausgerichtet und mit Hilfe eines Motors entgegen der Erdrotation gedreht, wie Reinhardt erklärt. Nur so sei es möglich, ein und denselben Ausschnitt des Sternenhimmels über längere Zeit zu beobachten. Der begeisterte Astronom schwärmt davon, was seine Schüler durch das Teleskop alles werden entdecken können. „Wir werden Galaxien sehen, die einige Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt sind, Sternenentstehungsgebiete wie den Orionnebel und Doppelsterne.“ Er hofft, dass auch Astro-Fotografie möglich sein wird, die mit Belichtungszeiten von mehreren Stunden faszinierende Bilder von Himmelskörpern liefert. 

Natürlich kann man sich Fotos von Planeten, Monden und Sternen auch im Internet ansehen. Aber der eigene Blick durchs Fernrohr stellt einen größeren Realitätsbezug her, davon ist nicht nur Reinhardt überzeugt. „Dadurch wird einem bewusst, dass wir nur ein winziges Würstchen im Weltall sind.“ Astronomie sei eng verknüpft mit den philosophischen Fragen nach der Entstehung der Welt. „Man lernt dadurch Demut.“ 

Auch Schulleiter des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums Michael Häußinger freut sich, dass das 140 000 Euro teure Projekt – finanziert zum größten Teil mit Hilfe privater Spenden – nun realisiert wird. „Es zeigt, dass auch an einem humanistisch-altsprachlichen Gymnasium wie St. Ottilien die Natur­- wissenschaften ihren Platz haben.“

Ulrike Osman

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