Den Stier an den Hörnern packen!

Auch das letzte große Neubaugebiet, Obere Wiesen (Foto), ist bald komplett besetzt. In welche Richtung Landsberg in Zukunft maßvoll weiterwachsen könnte, soll noch in diesem Jahr das „integrierte Stadtentwicklungskonzept“ beantworten. Foto: Schwaiger

Vor exakt einem Jahr noch zeichneten sich tiefe Sorgenfalten auf der Stirn des Oberbürgermeisters ab. Und das lag keineswegs daran, dass Ingo Lehmann da noch seinem 60. Geburtstag entgegen steuerte. Vielmehr war es die Ungewissheit: Wie wird Landsberg das krisengeschüttelte Jahr 2010 überstehen? „Für uns ist es gut abgegangen“, sagt er heute. Der befürchtete Einbruch bei den Steuereinnahmen blieb der Lechstadt erspart. Deren wirtschaftlich solide Basis versetzt die Stadtoberen in die Lage, auch heuer weiter an der Verbesserung der Infrastruktur und der Lebensqualität zu arbeiten. Ingo Lehmann rechnet mit einem „anstrengenden Jahr voller Diskussionen mit Niveau“.

Die Qualität einer Diskussion bleibt allein den Protagonisten vorbehalten, die Inhalte indes sind nicht selten vorgegeben. In der Stadtentwicklung etwa ist das der Fall. Während zuletzt bei den Haushaltsberatungen einige Ratsmitglieder lauthals vor einer unkontrollierten Ausdehnung Landsbergs warnten und selbige bewusst stoppen möchten, setzt Ingo Lehmann auf ein „maßvolles, mit Intelligenz gesteuertes Wachstum im Interesse der Stadtentwicklung“. Im Vorfeld stünden aber einige Fragen im Raum; unter anderem: Wie stark und wo soll Landsberg wachsen? Wie ist mit der älter werdenden Gesellschaft umzugehen? Das integrierte Stadtentwicklungskonzept soll Antworten geben und in den dem­- nächst zu überarbeitenden Flächennutzungsplan einfließen. Von einem Wachstumsstopp hält Lehmann nichts. „Auch wir können uns dem stetig steigenden Siedlungsdruck aus München nicht entziehen“, warnt er. Würde Landsberg im „Speckgürtel der Landeshauptstadt“ innehalten oder zu stark auf die Bremse drücken, würde das die Mieten und die Grundstückspreise seiner Ansicht nach ins Unermessliche katapultieren. Mittlerer Standard Apropos: Bezahlbares möchte die Stadt im Westen des Neubaugebietes Obere Wiesen anbieten und steigt damit in den sozialen Wohnungsbau ein. Bereits ab Herbst 2012 sollen dort 30 Wohnungen in einem „mittleren, vernünftigen Standard“ (Lehmann) im Angebot sein. Unter die Überschrift „wichtige Planungen 2011“ setzt OB Lehmann neben besagten Sozialwohnungen noch die Generalsanierung der Fritz-Beck-Haupt­- schule und die Anbauten an der Schlossberg- und der Platanenschule. Letzterer sei für die Einrichtung einer Ganztagsklasse von Bedeutung; sie soll im Schuljahr 2012/13 starten. Die Kindertagesstätte Römer­auterrasse am Klinikum darf natürlich nicht fehlen. Die Unterlagen für den Planungswettbe- werb sind gerade verschickt worden, im Frühjahr 2012 sollen die Buben und Mädchen das neue Haus in Beschlag nehmen dürfen. „Am liebsten wäre mir der 9. März“, scherzt Lehmann, „das ist zwei Tage vor der OB-Wahl.“ Kurze Wege Planungswett­be­werbe gibt es heuer noch für die Erweiterung des Olympia-Filmtheaters und den Fußgängersteg zwischen Inselbad und Mutterturm. Den Steg wiederum setzt Lehmann unter die Überschrift „Infrastruktur“. Ebenso die Anbindung von Katharinenanger und Obere Wiesen mittels Fußgängerbrücke über die Bahnlinie Landsberg-Schongau auf Höhe des AKE-Kin­der­gartens. Eine direkte Verbindung zwischen dem Bahnübergang an der B17 im Süden und der Straße Am Englischen Garten werde es heuer ebenfalls noch geben. Danach müssen Fahrradfahrer und Fußgänger nicht mehr den Haken zum Zehnerhof in Kauf nehmen. Hauptplatz dominiert Dominierendes Thema in diesem und den nächsten Jahren ist der Hauptplatzumbau. „Zur Stärkung der Innenstadt und der Erhöhung der Lebensqualität gehört er einfach dazu“, sagt Lehmann. Zunächst aber steht der zweifache Bürgerentscheid am 27. Februar an. Bleibt es danach bei Entwurf 2 mit dem Straßenverlauf auf der Ostseite, dann könnte im Frühjahr 2012 der Baubeginn erfolgen. Lehmann: „Da wollen wir dann gleich den Stier an den Hörnern packen.“ Will heißen: Im Zuge der „härtesten Umbaumaßnahme“ am Klostereck wird eine Totalsperre von rund einem Monat erforderlich sein. Zuvor noch werde es intensive Gespräche mit dem Einzelhandel zum Umbaukonzept und zur Baustellenabwicklung geben, schließlich seien die Sorgen des Einzelhandels in der Verwaltung „ganz hoch angesiedelt“, betont das Stadtoberhaupt. Ungeachtet aller Zuversicht seitens des Oberbürgermeister und seiner Mitstreiter werde in der Stadtverwaltung das Alternativszenario „Umbau nach den Vorgaben des Bürgerbegehrens“ schon mal durchgespielt. „Dann beginnen wir wieder bei Null, müssen den neuen Wettbewerb europaweit ausschreiben und dafür ein weiteres Mal rund 80000 Euro hinblättern.“ Der Umbaubeginn würde sich in diesem Fall auf 2013 verzögern.

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