Stiftung wirbt um Unterstützung

Kaufering Lager VII: Wird die Gedenkstätte erweitert?

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Oberbürgermeister Mathias Neuner, Präsident der Europäischen Holocaust Gedenkstätte-Stiftung Manfred Deiler, CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig und Gabriele Triebel (Die Grünen) vom Bildungsausschuss bei der Besichtigung der Gedenkstätte Kaufering VII.

Landsberg – Wie geht es mit der Gedenkstätte am ehemaligen KZ-Außenlager Kaufering VII weiter? Weil die Vorstellungen darüber weit auseinander gehen, haben sich heute Vormittag Vertreter der Stadt Landsberg, der Europäischen Holocaustgedenkstätte-Stiftung, des Bayerischen Landtages und des Kultusministeriums am ehemaligen Lager VII getroffen.

Erst kürzlich wurde im Bayerischen Landtag ausgiebig diskutiert, wie man mit der Gedenkstätte umgehen soll. Die einen wollen sie erweitern, mit einem Besucherzentrum. Die anderen möchten es lieber etwas kleiner halten. Ohne Dokumentation, ohne Personal. Zu einem Ergebnis ist man bei der Sitzung im Landtag nicht gekommen. Nun das Treffen vor Ort.

Für Manfred Deiler, Präsident der Europäischen Holocaust Gedenkstätte-Stiftung, war es ein wichtiger Termin. Er wollte bei den Vertretern des Landtages um mehr Unterstützung werben. Das konkrete Ziel der Stiftung: Die Gedenkstätte erweitern. „Wir sind jetzt schon seit 2012 auf der Suche nach Partnern, die uns bei der Erweiterung helfen“, bestätigte Deiler. Und die brauchen sie dringend, denn: Das Areal, auf dem die Tonröhrenbauten stehen, soll um etwa zwei Drittel Richtung Osten, sprich Richtung Stadt, erweitert werden.

Auch den Qualitätsstandard der Ausstellung will Deiler erhöhen. Dafür brauche es aber mindestens einen wissenschaftlichen Mitarbeiter als Halbtagskraft. Bisher sind für den Erhalt des Standorts ausschließlich Ehrenamtliche tätig. „Die kommen irgendwann an ihre Grenzen, wenn sie keine Unterstützung bekommen“, ist sich Gabriele Triebel (Die Grünen) vom Bildungsausschuss sicher. Sie unterstützt daher die Forderungen der Stiftung auch im Bayerischen Landtag.

Deiler pflichtete der Politikerin bei. Allerdings betonte er auch, dass die Ehrenamtler schon viel erreicht hätten. „Das Konservierungsprojekt der Tonröhrenbauten ist ein Beispiel dafür, was Ehrenamtliche alles erreichen können – wenn sie Unterstützung haben.“

Bei dem Treffen kam auch zur Sprache, warum der Erhalt und die Ausweitung des Geländes beziehungsweise der Ausstellung so wichtig ist. Die Landsberger Historikerin Dr. Edith Raim erklärte, dass die Häftlinge an sich das Lager besonders machen. Während in anderen KZs wie Dachau in der Regel einzelne politische Häftlinge eingesperrt wurden, seien es in den Außenlagern in Landsberg und Kaufering viele Familien mit Kindern gewesen. „Die Kinder wussten gar nicht, warum sie eingesperrt sind. Da wird die rassische Verfolgung deutlich“, führt Raim aus.

Das sei vor allem im Hinblick auf die Schulklassen im Landkreis ein wichtiger Faktor. Wenn man den Jugendlichen von einem 13-Jährigen erzählt, können sie sich viel besser einfühlen, als wenn man von einem politischen Häftling spricht, ist sich Raim sicher.

Die stärkere Identifizierung mit den Opfern ist auch für Deiler wichtig. Man habe unendlich viel Material über Einzelschicksale. So wie das der 33-jährigen Allegra, die 1944 von Auschwitz ins Lager VII gebracht wurde. Aus den Dokumentationen geht ihre Leidensgeschichte hervor. Deiler weist zum Beispiel darauf hin, dass Allegra, als sie in Landsberg ankam, graue Haare hatte. Obwohl sie ursprünglich brünett war. „Was muss ein Mensch durchgemacht haben, um mit 33 schon graue Haare zu haben?“ Solch persönliche Geschichten würden mehr aussagen, als wenn man nur von „schlechten Lebensbedingungen“ spreche. Deshalb sollen auch sie Teil der Ausstellung werden.

Für die Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hüting (CSU) ist das nachvollziehbar: „Es geht darum, die Emotionalität der Grausamkeit klarzumachen.“ Deiler pflichtete ihr bei: „Aber dafür brauchen wir Ihre Unterstützung.“ Diese Unterstützung tatsächlich zugesagt hat sie nicht. Abschließend wies sie nur darauf hin, dass sie es nicht allein entscheiden könne. Für sie stelle sich außerdem nicht die Frage, ob etwas gemacht werden müsse, sondern wie.

Stephanie Novy

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