Geschlossene Cafés

Stille am Landsberger Flößerplatz?

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Resteverwertung: Auch das Lechcafé am Flößerplatz schließt Ende Oktober. Betreiberin Franziska Remenyi bietet die ‚Innereien‘ bei ihrem Flohmarkt an.

Landsberg – Der ganze Flößerplatz ist still. Nur ein kleines, unbeugsames Café hält die Stellung und bietet Gästen im Inneren Speis und Trank. Stopp! Noch ist es nicht soweit. Aber Anfang November dürfte der Flößerplatz ziemlich ruhig werden. Denn sowohl das Lechcafé als auch die Panini Connection schließen. Das ehemalige Lavazza gegen­über ist noch im Umbau. Und wenn die Krone wie alle anderen Gaststätten in Landsberg ihre Außenbestuhlung für den Winter einmottet (innen geht es wie gewohnt weiter) und das Eiscafé Cortina voraussichtlich Ende Oktober in die jährliche Winterpause geht, kann nur noch das Café Lauterbach den Platz nach außen hin beleben.

Der kleine Flohmarkt im Lechcafé auf dem Flößerplatz hat fast etwas von Leichenfleddern. Tassen, Kannen, aber auch Möbelstücke, Sirup oder Pfannen bietet Lechcafé-Betreiberin Franziska Remenyi bei ihrem Flohmarkt noch immer am Wochenende und montags bis Ende September dann. Dann muss sie schließen. Denn wie bei vielen kleinen Gastronomien ohne größere Terrasse rechnet sich der Betrieb momentan nicht mehr: „Ich kann gerade innen nur zwei Tische aufstellen, außen habe ich maximal sechs Plätze“, sagt Remenyi. „Es geht einfach nicht mehr.“ Ihren Mietvertrag habe sie dankbarerweise etwas eher kündigen dürfen. Trotzdem ist Wehmut in ihrer Stimme zu hören. Fünf Jahre war sie hier. „Und es ist vom ersten Tag an gut gelaufen.“ Wie es bei ihr weitergeht? „Das wird man sehen.“

Was nach ihrem Auszug folgt, weiß Remenyis Nachbarin Anke Völkl, Betreiberin der Panini Connection. Der Flößerplatz ist aber auch für sie passé. Offiziell laufe ihr Mietvertrag noch bis Ende des Jahres. Sie habe aber angeboten, zeitgleich mit Remenyi die Panini Connection aufzugeben. „Denn es gibt Interessenten, die planen, beide Lokale wieder miteinander zu verbinden.“ Früher sei das ja auch so gewesen, als noch ein Bücherei in dem Haus ihren Platz hatte. Damals, als auch noch die Soldaten hier stationiert waren. „Und das ein oder andere ‚verruchte‘ Heftchen hier den Besitzer wechselte“, lacht die 33-Jährige.

Dass Völkl aufhört, liegt allerdings nicht an der Coronakrise – auch wenn sie nur noch ‚To-Go-Service‘ anbietet, mit zwei Tischen auf der Terrasse, Speisen wie Getränke werden durchs Fenster verkauft. „Mein damaliger Freund und ich hatten bereits Ende letzten Jahres beschlossen, hier aufzuhören.“ Er habe generell aus der Gastronomie aussteigen wollen. Dazu kommt noch die Pizzeria „Cavallino“ in Seestall, die beide zusammen geführt haben. Von 2015 bis 2018 war das Paar sogar Pächter der Inselbadgastro. Aber das ist Vergangenheit, ebenso wie die gemeinsame Arbeit, Völkl und ihr Freund haben sich jetzt getrennt. Sie betreibt Landsberg und Seestall alleine.

In Landsberg aufzuhören, sei einerseits schade. Immerhin ist Völkl seit acht Jahren am Flößer­platz. „Aber auch für mich ist es jetzt Zeit für was Neues.“ Denn als Corona kam, ist auch für sie ein großer Bereich weggebrochen: Catering für Veranstaltungen fielen ab April komplett flach. „Ich hatte noch nie so viel Freizeit wie in diesem Jahr!“ Und damit auch Zeit, ihre Aufteilung Arbeit-Privatleben zu überdenken. „Ich werde jetzt wieder Schülerin“, sagt die gelernte Speditionskauffrau. Es soll in Richtung Gesundheit und Ernährung gehen, auch eine Heilpraktikerausbildung hat Völkl angefangen. Aber ihr Restaurant in Seestall wird sie behalten. „Da habe ich auch rund 100 Plätze im Biergarten.“

Interessenten für Lechcafé und Panini Connection – oder beides zusammen – gebe es bereits einige, weiß die 33-Jährige. „Die ganze Bandbreite, vom italienischen Delikatessengeschäft über Café, aber auch Einzelhandel, Blumen, Deko Wäsche, einfach alles.“ Völkl denkt, dass es wieder in Richtung Gastro gehen wird. Der Haken: Beide Lokale hatten bisher keine Lizenz für einen Alkoholausschank. Das liege daran, dass es nur eine Toilette gebe, so Völkl. Wenn man beide Lokale zusammenlege, könne man aber sicher noch eine zweite Toilette einbauen.

Die Lage der beiden Lokalitäten findet Völkl gut. Vor allem wegen der privaten Terrasse: „Sobald die Sonne scheint, dürfen wir hier aufmachen“ – wenn alle anderen noch auf den offiziellen Startschuss warten müssen.

Wie zum Beispiel auch die ehemalige Lavazzabar, die seit Oktober letzten Jahres geschlossen ist und von Grund auf saniert wird. Eigentümer Bernhard Reicherzer weiß, dass er die Räume wieder verpachten will. Aber wann genau die Sanierung abgeschlossen sein wird, kann er nicht sagen. Bei alten Gebäuden sei das generell schwierig, da gebe es immer wieder Überraschungen. „Das kann schon noch ein paar Tage dauern.“

Bleibt nur noch das Café Lauterbach für den Außenbetrieb. Das tapfer allen Widrigkeiten standhält. Und das mit Erfolg: Bei gutem Wetter ist die Terrasse bestens belegt. Ab 18 Uhr ist es allerdings geschlossen.
Susanne Greiner

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