"Wie Abfall auf der Straße"

Stimmen aus Moria für Landsberg

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„Wir haben Platz“: Die Initiative #landsbergbleibtbunt macht auf die Situation in Moria aufmerksam. Am kommenden Samstag wieder um 14 Uhr auf dem Hauptplatz.

Landsberg – „Es ist eine Flucht ohne Zuflucht“, sagt Eva Maria Jung. Sie und ihre Mitstreiter von #landsbergbleibtbunt hielten am Samstag auf dem Hauptplatz eine Mahnwache: „Stand up for Moria – wir haben Platz.“ Zu hören waren Nachrichten direkt aus Moria. Von Jungs Bekanntem Abdullah Khawari, der zweieinhalb Jahre in Landsberg gelebt hat.

Nachdem Moria abgebrannt war, strandete Abdullah wie Tausende anderer auf der Straße. Jetzt ist er mit seiner Frau Khadiya in der Zeltstadt, die auf Lesbos errichtet wurde – für 10.000 Menschen. Dort gibt es von allem zu wenig: Essen, Trinken, Toiletten. „Wir sind wie Abfall am Straßenrand“, sagt er.

Der Afghane kam 2014 nach Landsberg. Jung war als Betreuerin über das BRK für ihn zuständig. 2015 kam sein zehnjähriger Bruder, den Jung für zwei Monate in Obhut nahm. Im Jahr darauf ging Abdullah nach Regen, fand dort Arbeit. Aber da sein Asylstatus nicht anerkannt ist, wurde er 2018 – an Seehofers Geburtstag – abgeschoben. „Afghanistan ist gut zum Sterben“, sagt Abdullah. Weshalb er, diesmal mit seiner Frau, erneut floh. Seit rund einem Jahr sind die beiden in Moria.

„Ich würde sie sofort bei mir aufnehmen“, sagt Jung. Eine rechtliche Grundlage dafür fehlt. Allerdings kann ein Asylsuchender auch nach einem abgelehnten Asylantrag einen Folgeantrag stellen. Die Bundesregierung hat inzwischen beschlossen, 1553 Flüchtlinge sowie 150 unbegleitete Minderjährige aufzunehmen.

Ob und wenn ja, welche Flüchtlinge, erwachsene und/oder minderjährige, hier aufgenommen werden, steht noch nicht fest, sagt Landrats­amt-Pressesprecherin Anna Diem. Man werde natürlich die zugewiesenen Flüchtlinge aufnehmen – „so wie auch in den letzten fünf Jahren“, betont Landrat Thomas Eichinger.
Susanne Greiner

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