Kein Geld für Ausschüttung

Stipendienstiftung: Prämie für Schüler statt Hilfe für Studenten?

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Kein Geld für eine Ausschüttung hat die Vereinigte Stipendienstiftung, die von der Stadt verwaltet wird. Weshalb es wohl nur Kleinbeträge für die besten Schüler von fünf Landsberger Schulen geben wird.

Landsberg – Die anhaltende Niedrigzins-Phase spürt jeder, der ein Sparbuch besitzt. Und auch Stiftungen, die ja lediglich aus Kapitalerträgen – nicht aber aus ihrem Vermögen – Gelder ausschütten dürfen, sind betroffen. Deutlich wurde das jetzt an der von der Stadt verwalteten Vereinigten Stipendienstiftung. In diesem Jahr ist eine Ausschüttung fällig, doch Geld dafür ist nicht vorhanden.

Die Stiftung entstand laut Satzung im Jahr 1962 aus der Zusammenlegung dreier im 19. Jahrhundert gegründeter Stipendienstiftungen. Sie hat den Zweck, „begabte, würdige und bedürftige Studierende an Hoch-, Fach- und höheren Schulen“ finanziell zu unterstützen. Grundstockvermögen, eine Zustiftung und Rücklagen summieren sich aktuell auf rund 80.000 Euro.

„Auf das Grundstockvermögen bekommen wir 0,2 Prozent Zinsen“, wie Kämmerer Peter Jung im Finanzausschuss berichtete. Auf der anderen Seite fallen Kosten an – für die Kontoführung und die jährliche Rechnungsprüfung. Für 2018 verzeichnete die Stiftung deshalb ein Minus von 116 Euro. Eine Ausschüttung ist eigentlich alle zwei Jahre vorgesehen, war aber schon 2017 nicht möglich.

Nicht auflösen

Angesichts dieser unbefriedigenden Situation hat die Stadt bereits mehrfach bei der Regierung von Oberbayern vorgefühlt, ob eine Auflösung oder Verschmelzung der Stiftung denkbar wäre. Doch aus München kam das immer gleiche Signal: Weder Auflösung noch Verschmelzung sind gewünscht.

Heuer, so Jung, muss nun eine Ausschüttung stattfinden – die Frage ist, wovon und an wen. Es würden sich wohl kaum Studenten bewerben und eine Bedürftigkeitsprüfung über sich ergehen lassen, um am Ende einen kleinen dreistelligen Betrag zu bekommen – der im übrigen von der Stadt spendiert werden müsste.

„Dieses Nullsummenspiel ist langfristig nicht zielführend“, fand Jost Handtrack (Grüne). Er schlug vor, dass Jung und OB Mathias Neuner (CSU) künftig die Arbeitszeit, die sie der Stiftung widmen, in Rechnung stellen – bis dato arbeiten sie in dieser Sache ehrenamtlich. So werde das Dilemma, in dem die Stiftung steckt, noch deutlicher und ihre Auflösung vielleicht doch genehmigt. Für diesen Vorschlag erntete er Kritik von Stefan Meiser (ÖDP). Auch Christoph Jell (UBV) wollte „eine Auflösung nicht mehr forcieren, wenn sie nicht möglich ist“.

Letztendlich einigte man sich auf einen Vorschlag von Dr. Reinhard Steuer (UBV). Im Namen der Stiftung sollen je 100 Euro an die besten Schüler der Landsberger Schulen, das Ignaz-Kögler-Gymnasium und das Dominikus-Zimmermann-Gymnasium, die Johann-Winklhofer-Realschule, die Mittelschule und die Fachoberschule, ausgeschüttet werden. Eine Satzungsänderung würde dies ermöglichen können. Die Summe von 500 Euro könnte die Stadt aus eigenen Spendenmitteln nehmen. Und auch die Sparkasse sei vielleicht bereit, etwas dazuzugeben, klang in der Sitzung an.

Ulrike Osman

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