Störende Rauchsignale

Rauchende Schüler, die frühmorgens und mittags vor dem Eingang der Grundschule an der Platanenstraße stehen, sind einigen Eltern ein Dorn im Auge. Foto: Peters

Seit Mitte 2010 gilt in Bayern das strengste Nichtraucherschutzgesetz in Deutschland. Es ist nicht das erste Mal, dass der Freistaat in die Vorreiterrolle schlüpft, wenn es um den blauen Dunst geht. Schon vor fünf Jahren zählte Bayern zu den ersten Bundesländern, die ein generelles Rauchverbot an Schulen einführten. Ganz abgewöhnen ließen sich die Schüler die Zigarette dadurch freilich nicht, was nun für Ärger an der Landsberger Grundschule an der Platanenstraße sorgt.

Vor dem Haupteingang der Grundschule sollen Schüler des benachbarten Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums und der Johann-Winklhofer-Realschule vor und nach dem Unterricht ihrem Laster frönen – ohne Rücksicht auf die jungen Grundschüler zu nehmen. Für die Eltern der Betroffenen ein unannehmbarer Zustand, weshalb sie sich an den Jugendbeirat der Stadt Landsberg wandten und um eine Lösung baten. Der Vorschlag, den das Gremium allerdings auf seiner jüngsten Sitzung präsentierte, sorgt für Unverständnis bei den Schulleitern von DZG und JWR. So schlug der Jugendbeirat vor, einen Aschenbecher für die Jugendlichen aufzustellen, „möglichst weit entfernt von der Platanenschule“, um die Situation zu entschärfen. Geradezu „hanebüchen“ findet Realschulleiter Martin Sulzenbacher die Idee, denn sie „konterkariere“ den Erziehungsauftrag. „Wir sollten die Jugendlichen eher anhalten, nicht zu rauchen und sie nicht auch noch durch einen aufgestellten Aschenbecher animieren.“ Zudem beruft sich der Schulleiter auf das Jugendschutzgesetz, das Jugendlichen unter 18 Jahren das Rauchen in der Öffentlichkeit generell verbietet. „Das gilt für fast alle unserer Realschüler, weshalb die Lösung des Jugendbeirats für uns schon aus diesem Grund nicht in Frage kommt.“ Sulzenbacher fordert daher, die bestehenden Gesetze besser zu überwachen. „Wir haben die Polizei schon um verstärkte Kontrollen rund um das Schulgelände gebeten.“ Zudem verweist der Schulleiter auf einen gemeinsamen Beschluss der Fritz-Beck-Hauptschule, des DZG und der JWR aus dem vergangenen Jahr. Demnach habe man den Schulbereich auf den Weg vom Schul- zum Sportzentrum sowie die Bushaltestationen ausgedehnt, um auch dort das Rauchen untersagen zu können. Dies sei zwar „rechtlich nicht ganz wasserdicht“, wie DZG-Schulleiter Bruno Bayer einräumt, doch habe sich die Anordnung bewährt. Die geschilderte Problematik an der Platanenschule ist für Bayer dagegen neu. An ihn sei weder von den Eltern noch von der dortigen Schulleiterin bislang etwas herangetragen worden. Anders als an der Realschule gibt es am DZG durchaus erwachsene Schüler, die außerhalb des Schulgeländes rauchen dürfen. Hier habe man sich aber bereits eine Regelung überlegt, sagt Bayer. Hinter der Fahrradhalle im Osten des Schulgeländes ließ die Schule von der Stadt Landsberg einen Aschenbecher anbringen. Mit Stichproben kontrolliere man, ob dort auch tatsächlich nur Über-18-Jährige zur Zigarette greifen, versichert der DZG-Schulleiter. Entsprechend ging vor kurzem auch das Ignaz-Kögler-Gymnasium vor, dessen Kollegiaten zum Rauchen ins Färbertor ausgewichen waren. Aktion geplant Eine dauerhafte Lösung für die Situation vor der Platanenschule können weder Martin Sulzenbacher noch Bruno Bayer nicht bieten. Die Ankündigung des Jugendbeirats, demnächst die Schüler mit einer öffentlichen Aktion für das Thema sensibilisieren zu wollen, sehen die Schulleiter jedoch positiv. Bayer geht sogar noch einen Schritt weiter: „Am besten wäre es, wenn die Jugendbeiräte direkt das Gespräch mit den Rauchern suchen würden.“

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