Immer ein voller Stundenplan

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Mit Stolz und Wehmut blickt Oswald Kurr auf elf Jahre als Schulleiter zurück.

Landsberg – Gerade erst sind die Notenkonferenzen vorbei, doch für Oswald Kurr, Schulleiter der Beruflichen Schulen Landsberg (BS), steht die Zeit dennoch nicht still. Im Juli geht der 65-Jährige in den Ruhestand – doch bis dahin ist noch viel zu tun – wie er im KREISBOTEN-Interview verriet.

Herr Kurr, nach elf Jahren als Schulleiter der BS feiern Sie nach diesem Schuljahr Ihren Abschied. An was werden Sie zurückdenken, wenn Sie im Ruhestand sind?

Oswald Kurr: „Als Schulleiter hatte ich hier die erfüllteste Zeit in meinem gesamten Berufsleben. Es hat hier immer Spaß gemacht und der Landkreis hat mir und dem gesamten Kollegium immer den Rücken gestärkt mit seinen Entscheidungen. Die Schule hat sich enorm entwickelt, das zeigen vor allem die Zahlen: Ich habe die Schule mit 970 Berufsschülern sowie 99 Fachoberschülern übernommen, mittlerweile sind es fast 1500 Berufsschüler, 671 an der FOS und 132 Berufsoberschüler. Aber es bleiben weiterhin einige Baustellen an den Beruflichen Schulen.“

Welche Baustellen sind das zum Beispiel?

Kurr: „Etwa wurde der Kantinenbau immer wieder zurückgestellt. Das ist sehr schade, denn wir sind effektiv eine Ganztagsschule. Der Unterricht geht von 8 Uhr morgens bis 16 Uhr. Täglich werden rund 1200 Schüler am Kiosk versorgt, da ist eine Kantine nach meinem Verständnis dringend notwendig.“

Was sind noch weitere Dinge, die Ihrer Meinung nach angegriffen werden müssen?

Kurr: „Auch die Verwaltungsräume und das Lehrerzimmer sind offene Baustellen. Das Sekretariat war früher mit zwei Verwaltungskräften besetzt und das klassische Vorzimmer des Schulleiters. Mittlerweile beschäftigen wir jedoch vier Sekretärinnen, die aus Platzgründen in die ehemalige Bibliothek umgezogen sind – und dort bis heute arbeiten. Sie wissen ja, nichts hält so lange wie ein Provisorium.“

Was ist mit dem Lehrerzimmer?

Kurr: „Das wurde in den 80er Jahren für 40 Lehrkräfte konzipiert, mittlerweile sind es jetzt 110 Kollegen. Wir haben einige dezentrale Zimmer, Fachschaftsräume, aber die Drehscheibe ist und bleibt das große Lehrerzimmer, das ist die Infoplattform. Deswegen gibt es auch in den dezentralen Räumen keine Kaffeemaschinen, die Lehrer sollen alle trotz der Enge auch ins Lehrerzimmer kommen. Das mit den Kaffeemaschinen ist übrigens, ohne Einfluss durch die Schulleitung, so in einer Lehrerkonferenz einstimmig beschlossen worden.“

Haben Sie die Baustellen schon mit dem Landkreis als Sachaufwandsträger der Schule besprochen?

Kurr: „Ja, wir durften Wünsche und Sorgen äußern. Auf Initiative von Kim Naths von der Schulverwaltung im Landratsamt ist auch der Schulentwicklungsplan des Landkreises entstanden, den der Kreistag letztes Jahr abgesegnet hat. Alle unsere Wünsche sind darin vermerkt und sollen bis 2019 auch realisiert werden. Hier hat der Landkreis einen wegweisenden Schritt getan, der ihn wieder einmal über andere Regionen heraushebt.“

Gibt es noch weiteres Lob zum Haus und der Ausstattung der BS?

Kurr: „Natürlich. Der Landkreis hat vorausschauend geplant und wir haben eine technische Ausstattung, die auf dem neuesten Stand ist. Nur so erhalten wir auch die Akzeptanz der Ausbildungsbetriebe und nicht zuletzt die unserer Schüler. Wir sind eine der 60 Referenzschulen für Medienbildung in Bayern. Schon allein deshalb stehen wir im Fokus von anderen Schulen und brauchen eine adäquate EDV-Ausstattung. Auch hier hat wieder Frau Naths schon vor einigen Jahren begonnen, vorausschauend für alle Schulen des Landkreises einen eigenen Haushaltstitel für die EDV-Aktualisierung einzurichten.“

Ist das nicht alles wahnsinnig aufwendig?

Kurr: „Wir haben, wenn der Bereich Lagerlogistik komplett fertig ist, knapp 550 Rechner an der Schule. Das Problem ist, dass wir eigentlich einen Vollzeit-Systembetreuer bräuchten. Zurzeit machen das eine Lehrkraft und ein externer Betreuer. Natürlich wollen wir wegen der Kosten auf den externen Betreuer nur in den Ausnahmefällen zurückgreifen. Auch das was sonst an Arbeiten anfällt ist durch eine Lehrkraft allein nicht zu stemmen. Die Idee war es, zumindest einen Hausmeister mit der entsprechenden Qualifikation anzustellen, aber das geht wohl momentan nicht.“

Ist das Thema auch schon Teil des Schulentwicklungsplans? 

Kurr: „Auch hier hat Frau Naths vom Landratsamt schon vor einiger Zeit einen Vorstoß bei den Schulen des Landkreises unternommen. Offensichtlich haben jedoch nur wir an den Beruflichen Schulen die Problematik in dieser Schärfe. Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Berufsschule eine andere Welt ist. Die Diskussion darüber zwischen den Kultus-ministerium und dem Landkreistag sind so alt wie es Computer an Schulen gibt. Eine Lösung oder zumindest eine Bewegung kann ich bisher leider nicht erkennen.“

Was hat sich in den letzten elf Jahren – außer der gestiegenen Schülerzahl – am meisten an den BSL verändert?

Kurr: „Unsere Schule ist dynamischer und sehr viel spezifischer in ihrem Angebot geworden. Bedingt durch unsere Unterrichtsorganisation und durch die Bildung der Kompetenzzentren haben wir einen sich wöchentlich verändernden Stundenplan. Allein das erfordert spezielle Software um diese Herausforderung händeln zu können. Weiter wurde die Schule massiv in Richtung EDV weiterentwickelt, um wie schon dargestellt, mit unseren dualen Partnern Schritt halten zu können.“

Worauf blicken Sie mit besonders viel Stolz zurück?

Kurr: „Unbestritten erst einmal auf das Projekt Abi & Auto, das ich zusammen mit dem Obermeister der Kfz-Innung für München und Oberbayern entwickelt habe. Dafür haben wir ja auch auf Bundesebene drei Auszeichnungen bekommen und es gibt schon eine Reihe von Nachahmern in der ganzen Bundesrepublik. Was mich ebenfalls mit sehr viel Stolz erfüllt, sind die vielen positiven Rückmeldungen, die wir bezüglich unserer Beruflichen Oberschule immer wieder be-kommen.“

Inwiefern wird die BO gelobt?

Kurr: „Wenn wir hören, dass Eltern bewusst ihre Kinder zu uns schicken, weil wir jeden Schüler als Menschen wahrnehmen, dann scheint das doch auch ein besonderes Qualitätsmerkmal unserer Schule zu sein. Unsere BOS ist aus unserer Berufsschule heraus entstanden. Weil es in der Berufsschule kein Durchfallen und schon gar kein Aussondern gibt, haben Berufsschullehrer ein anderes Schülerbild, als es manchen Lehrkräften an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen eigen ist. Wir verstehen uns als ein Kollegium, das drei Schularten – Berufsschule, Fachoberschule und Berufsoberschule – bedient und auch das ist eine Besonderheit, auf die ich mit Stolz blicke.“

Sind Sie auch ein bisschen wehmütig, nachdem Ihr Abschied bevorsteht?

Kurr: „Natürlich bin ich auch wehmütig. Es steckt doch sehr viel von meinem Herzblut in den Beruflichen Schulen Landsbergs. Nicht nur einmal hat mir meine Frau angedroht, dass sie mir mein Kopfkissen mit in die Schule geben wird, weil ich sowieso mehr Zeit da als mit ihr verbringen würde. Dennoch blicke ich auch mit Freude auf das Ende meiner Dienstzeit. Jetzt will ich den jungen Nachfolgern die Chance nicht verstellen, ihre Dynamik und ihre Idee einzubringen.“ 

Was ist bis Juli für Sie noch alles zu tun, was möchten Sie an den BS noch anpacken oder auf den Weg bringen?

Kurr: „Es gibt noch eine große Idee, die mir am Herzen liegt: der Bau des kombinierten Wohnheimes. Wir brauchen für die Schüler unserer Kompetenzzentren, die im Blockunterricht bei uns sind und nicht täglich pendeln können, Plätze für die Übernachtung. Diese stellte in den letzten Jahren weitgehend das Agrarbildungszentrum zur Verfügung. Leider werden mittlerweile die Übernachtungsplätze dort selbst gebraucht. Für die Berufsschule benötigen wir auf Dauer gesicherte Übernachtungsplätze und dafür brauchen wir in Landsberg ein Wohnheim. Deshalb freut es mich, dass der Kreisausschuss vor Kurzem die Landkreisverwaltung mit der Weiterverfolgung dieser Aufgabe beauftragt hat. Schön wäre es, wenn in Kürze für ein solches Heim auch noch ein geeignetes Grundstück gefunden werden könnte, so dass sicher und zügig weitergeplant und dann gebaut werden könnte.“

Janina Reich

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