Straffälliges Quintett

Eine Reihe von Diebstählen und Körperverletzungen hat fünf jungen Leute aus Landsberg und Kaufering in der vergangenen Woche vor das Jugendschöffengericht Landsberg gebracht. Die drei Männer im Alter von 26, 31 und 36 Jahren sowie zwei 17 und 20 Jahre alte Frauen hatten die Straftaten in wechselnder Besetzung verübt. Zwei der Männer und eine Frau veranstalteten im vergangenen August eine regelrechte Diebestour durch mehrere Landsberger Geschäfte. Beide Frauen und zwei der Männer waren an einer Körperverletzung beteiligt, bei der ein lästiger Verehrer der 17-Jährigen das Opfer war.

Der 31-Jährige und seine 20-jährige Freundin gingen am 31. August letzten Jahres gemeinsam auf Beutezug. Zuerst stahlen sie zwei Paar Schuhe aus einem Geschäft an der Augsbur­- ger Straße, dann drei Flaschen Amaretto aus einem nahegelegenen Discounter. Gemeinsam mit dem 36-Jährigen steuerten sie anschließend den gegenüberliegenden Drogeriemarkt an und entwendeten hier zunächst zwei Rucksäcke, die draußen an einem Ständer hingen. Der 36-Jährige ging damit im benachbarten Supermarkt einkaufen. Das Pärchen betrat die Drogerie und ließ diverse Kosmetikartikel sowie fünf Schwangerschaftstests mitgehen. Hier wurden die beiden allerdings geschnappt und landeten im Büro der Filialleiterin, wo sie zu randalieren begannen. Der Mann schubste eine Angestellte gegen einen Schrank, packte einen ihrer Kollegen am Hals und würgte ihn – dies alles in höchst alkoholisiertem Zustand. Für ihn endete der Tag in der Ausnüchterungszelle der Landsberger Polizei. Am nächsten Morgen gingen die Drei erneut in das Schuhgeschäft – angeblich, um sich zu entschuldi- gen. Weil aber eine Angestellte sie sofort wieder hinauswerfen wollte, warf der 31-Jährige ein Paar Schuhe nach ihr und fügte damit der Liste an Anklagepunkten einen weiteren hinzu. "Stalker" verprügelt Wegen Körperverletzung war wiederum das Pärchen angeklagt, außerdem der 26-jährige Mann und die 17-Jährige. Sie lockte in einer Nacht im August einen lästigen Verehrer an die Tankstelle in der Augsburger Straße – unter dem Vorwand, mit ihm reden zu wollen. Der Mann habe sie zuvor Tag und Nacht mit Anrufen belästigt, gab sie vor Gericht an. „Man kann sagen, dass er mein Stalker war.“ An der Tankstelle erwarteten ihn dann nicht nur die 17-Jährige und ihre Freundin, sondern auch der neue Freund des Mädchens und der Freund der 20-Jährigen. Die Männer prügelten drauflos, die Frauen sahen zu. Die 17-Jährige hielt sogar das Fahrrad des Opfers fest, um seine Flucht zu verhindern. Ein Wunschkind Bis auf den 26-Jährigen machten alle Angeklagten keinen guten Eindruck auf Richter Alexander Kessler und die Schöffen: Schule abgebrochen, keine Ausbildung, keine Beschäftigung, trostloses In-den-Tag-hinein-Leben von Hartz IV, diverse Vorstrafen, Alkohol. Dass die 20-Jährige überdies schwanger ist, stimmte im Gericht niemanden hoffnungsfroh. „Warum haben Sie damals in der Drogerie nicht lieber Kondome geklaut als Schwangerschaftstests?“, wollte Kessler von der jungen Frau wissen. Das Baby sei ein Wunschkind, erklärte sie. Was für ein Leben sie ihrem Kind bieten wolle, auf diese Frage blieb die Angeklagte die Antwort jedoch schuldig. Düster beurteilte Kesser auch die Zukunft der 17-Jährigen, die zwölfmal wegen Schwänzens in Dauerarrest saß, bevor sie nach der 8. Klasse von der Schule flog. Von 300 Sozialstunden, zu denen sie in früheren Verfahren verurteilt worden war, leistete sie keine einzige ab, Termine bei der Jugendgerichtshilfe ließ sie platzen. „Ich musste mit meinem Hund zum Impfen“, brachte sie als Entschuldigung vor. „Man weiß nicht, ob Sie uns verarschen, oder ob das Ihr Ernst ist“, so Kessler daraufhin fassungslos. Eine Chance noch… In seinem Urteil folgte das Gericht dem Antrag von Oberstaatsanwalt Thomas Weith. Der 31-Jährige muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis, der 36-Jährige für vier Monate. Die 20-Jährige erhielt sieben Monate auf Bewährung, die 17-Jährige zwei Wochen Dauerarrest. Großes Glück hatte der 26-Jährige. Obwohl er vier Vorstrafen hat und die letzte Straftat während einer laufenden Bewährung beging, kam er mit acht Monaten auf Bewährung davon. Den Ausschlag gab, dass der Mann arbeitet, sein Fachabitur nachgemacht und einen Studienplatz für Maschinenbau hat, den er im Mai antreten will. Diese Chance wollte ihm Kessler nicht mit einer Haftstrafe verbauen.

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