Strafvereitelung? Geldbuße für 44-Jährige Polizeimitarbeiterin

Von der "Kollegin" gefilmt

+
Verurteilt: Polizeimitarbeiterin muss 1.600 Euro zahlen.

Landsberg – Eine Aprilnacht mitten in Landsberg. Die Polizei wird zu einer Auseinandersetzung in einer Altstadt-Bar gerufen. Die Unruhestifter fliegen aus dem Lokal. Vier Polizeibeamte behalten die Umgebung im Auge, um sicherzustellen, dass die Männer nicht zurückkehren. Was sich danach ereignete, hatte für eine 44-Jährige aus dem nördlichen Landkreis jetzt ein Nachspiel vor dem Amtsgericht.

Die Frau war mit ihrem Lebensgefährten und dessen Hund in jener Nacht ebenfalls in der Innenstadt unterwegs. In der Hubert-von-Herkomer-Straße begegneten die beiden rein zufällig den vier Uniformierten. Der Mann begann die Beamten grundlos zu beleidigen, titulierte sie unter anderem als „asoziale Polizisten“. Anschließend weigerte er sich, seine Personalien anzugeben. Die 44-jährige Angeklagte wollte den Namen ihres Freundes ebenfalls nicht nennen. Stattdessen behauptete sie, ihn nur flüchtig zu kennen und lediglich seinen Vornamen zu wissen.

Als die Beamten den Mann nach seinen Papieren durchsuchen wollten, leistete er Widerstand, wurde festgenommen und auf die Polizeiwache verfrachtet. Dort war mit Hilfe von Fingerabdrücken seine Identität schnell ermittelt – und es stellte sich heraus, dass er mit Haftbefehl gesucht wurde. Die 44-Jährige tauchte später in der Nacht auf der Wache auf, um ihre Handy­nummer zu hinterlassen. Dort solle man sie anrufen, sobald ihr Freund entlassen werde. Ihren eigenen Namen sagte die 44-Jährige ebenfalls nicht – sie nannte sich Edita.

Der Frau brachte ihr Verhalten den Vorwurf der versuchten Strafvereitelung ein. Per Straf­bef­ehl wurde sie zu einer Zahlung von 40 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt. Weil sie dagegen Einspruch einlegte, landete die Sache vor Amtsrichter Michael Eberle. In der Verhandlung behauptete die Frau steif und fest, dass sie nie „aktiv“ nach den Personalien ihres Freundes gefragt worden sei. „Ihr war gar nicht bewusst, dass die Polizei den Namen unbedingt wissen wollte“, ließ Verteidiger Andreas Thomalla das Gericht im Namen seiner Mandantin wissen.

Bei dieser Version blieb sie – auch, als zwei Polizisten im Zeugenstand die Geschehnisse so schilderten, wie sie in der Anklageschrift standen. Um ein Haar hätte sich die 44-Jährige auch noch den Vorwurf der falschen Verdächtigung eingehandelt, weil sie behauptete, sich nie Edita genannt zu haben, und damit den Beamten unterstellte, die Unwahrheit zu sagen. „An ihrer Stelle würde ich mir gut überlegen, wie es weitergeht“, warnte Eberle die Angeklagte.

Darüber hinaus stand das unerlaubte Fertigen von Lichtbildern als weiteres Vergehen im Raum. Denn die Frau soll die Festnahme ihres Freundes mit dem Handy gefilmt haben. Tatsächlich habe sie zehn Sekunden die Kamera draufgehalten, räumte die Angeklagte ein. Sie habe ihrem Lebensgefährten die Bilder später zeigen wollen, „falls er zu betrunken war, um sich zu erinnern“. Die Profimusikerin nahm ihren Einspruch gegen den Strafbefehl zurück und muss die 1.600 Euro zahlen.

Besonders pikant: Die Frau arbeitet in München selbst bei der Polizei – im Bereich Imagepflege. Ihr Freund wurde zwischenzeitlich in Augsburg zu einer Haftstrafe verurteilt.

Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesen

Die Brautpaare der Woche im KREISBOTEN Landsberg
Die Brautpaare der Woche im KREISBOTEN Landsberg
"Ich wär' so gern Thomas Müller!"
"Ich wär' so gern Thomas Müller!"
Landkreis baut Wohnungen für Pflegekräfte am Klinikum
Landkreis baut Wohnungen für Pflegekräfte am Klinikum
Am Samstag startet in Dießen die Fußgängerzone
Am Samstag startet in Dießen die Fußgängerzone

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.