Jetzt heißt es Schlüssel abgeben

Im Strandbad St. Alban gibt es keine Privilegien mehr

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Früh morgens oder abends, wenn der Trubel vorbei ist, genießen bislang die „Schlüssel-Dießener“ das wunderschöne Strandbad St. Alban. Dieses Privileg endet zum 1. November. Für die nächste Saison plant die Marktgemeinde verlängerte Öffnungszeiten mit Aufsicht.

Dießen – Der Marktgemeinderat kippte auf seiner jüngsten Sitzung das Privileg von 300 Dießenern, die offiziell einen Schlüssel für das Strandbad St. Alban besitzen und damit auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten Zutritt haben. Am 1. November wird das Schloss ausgewechselt und die Schlüsselinhaber können sich mit der Rückgabe im Rathaus ihre Kaution auszahlen lassen.

Vor Jahren hatte die Marktgemeinde begonnen, zusätzlich zu der vergünstigten Jahreskarte für Einwohner eine limitierte Anzahl von Schlüsseln auszugeben, um einen Badbesuch auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten von 9 bis 20 Uhr zu ermöglichen. Letztendlich erhielten 300 Bürger einen Schlüssel und durften ab 5 Uhr morgens und abends bis 23 Uhr in das Bad - ideal für Berufstätige. Die Nachfrage für dieses Privileg wuchs und die Gemeinde musste eine Warteliste anlegen. Viele Antragsteller waren deshalb erbost und fühlten sich benachteiligt.

Dass die Schlüssel jetzt eingezogen und keine neuen mehr ausgegeben werden, sei keine Schikane, wie Bürgermeister Herbert Kirsch betonte. Dies sei allein der Kontroll- und Aufsichtspflicht sowie der Haftungsfrage geschuldet. Denn wenn außerhalb der regulären Öffnungszeiten ein Unfall passiere, greife die Organhaftung, angefangen vom Bürgermeister Kirsch über Geschäftsleiter Karl Heinz Springer und die Verwaltung bis zu den Gemeinderäten, die das genehmigt hatten.

Vor Diskussion und Abstimmung über den Einzug der Schlüssel erklärte Rechtsanwalt Winfried Folda den komplizierten Sachverhalt der Haftungsfrage. Selbst wenn die Schlüsselinhaber eine noch so ausführliche Haftungsfreistellungserklärung unterschreiben, haftet im Fall des Falles immer der Betreiber, in diesem Fall die Gemeinde Dießen. Besonders bei „risikointensiven Einrichtungen“ wie einem Schwimmbad könne man sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Auch wenn Schlüsselinhaber die Schlüssel weitergeben oder unberechtigt nachmachen lassen, haftet die Gemeinde. Schließlich müssten außerhalb der normalen Öffnungszeiten auch alle „Risikofelder“ beseitigt werden, wie zum Beispiel Glasscherben. Bei größeren Unfällen, die zum Beispiel eine Querschnittslähmung der gar den Tod zu Folge hätten, kämen straf- und zivilrechtliche Millionenklagen auf die Gemeinde zu. Vor der Abstimmung zugunsten der Schlüsselrückgabe wurde kontrovers diskutiert. Michael Hofmann (Bayernpartei) bedauerte, dass man mit dem Schlüssel auch ein Stück persönliche Freiheit abgebe. Erich Schöpflin (SPD) plädierte angesichts den Ausführungen von Rechtsanwalt Folda für Schlüsselrückgabe und Schloßwechsel.

Trotz Verlust des Schlüsselprivilegs dürfen die Strandbadfreunde von St. Alban hoffen, auch im nächsten Sommer morgens früher und abends später Schwimmen gehen zu können. Bürgermeister Herbert Kirsch ließ sich vom Gemeinderat bevollmächtigen, ab der nächsten Saison verlängerte Öffnungszeiten von 6.30 bis 22.00 Uhr und die damit verbundenen Kosten für eine Badeaufsicht prüfen zu lassen. Noch in diesem Jahr soll dann der Gemeinderat darüber entscheiden. „Für so eine wichtige und bei Jung und Alt beliebte Einrichtung wie unser Strandbad St. Alban muss uns das die Mehrkosten wert sein“, so Kirsch.

Außerdem machte Kirsch Hoffnung, in den nächsten Jahren das an das Strandbad angrenzende Gelände zu einem Naturbad umzugestalten. Dann hätten die Dießener die Wahl für das kostenpflichtige und beaufsichtigte Strandbad St. Alban mit Steg, Badeinsel und Kiosk oder das für jedermann zugänglichen Naturbad ohne jeglichen Luxus.

Dieter Roettig

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