Kaufering macht mobil

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Aktiver oder passiver Lärmschutz für die Leonhardistraße? Das ist eine der vielen Einwendungen, die der Marktgemeinderat den Planungen der Bahn entgegensetzen will.

Kaufering – Die Marktgemeinde Kaufering tritt den Planungen der Deutschen Bahn zur Streckenelektrifizierung entgegen. Im Zentrum der Kritik steht der Lärmschutz, den der Marktgemeinderat als unzureichend erachtet. Im Vergleich zu anderen Gemeinden werde Kaufering benachteiligt. Die Beanstandungen werden der Regierung von Oberbayern vorgelegt, das Ziel ist ein Anhörungsverfahren.

Bis zum 1. März waren die Pläne der Bahn zur Elektrifizierung und Ertüchtigung der Strecke Geltendorf-Lindau einsehbar in Kaufering ausgelegen. Nun haben betroffene Bürger und die Marktgemeinde bis zum 15. März Zeit, ihre Einwendungen vorzubringen. Anwohner der Leonhardistraße haben das bereits getan sowie eine Unterschriftenliste angefertigt. Bei seiner Sitzung am Mittwoch vergangener Woche hatte der Marktgemeinderat über sein weiteres Vorgehen in der Sache zu beraten.

Rainer Biedermann, der Geschäftsleiter der Verwaltung, legte die Vorbehalte in einem vorformulierten Schreiben ausführlich dar. Ein wichtiger Punkt waren die Abwägungen der Bahn, wo aktive und wo passive Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen seien. Bei aktiven Vorkehrungen an der Strecke handelt es sich beispielsweise um Lärmschutzwände oder Tempobegrenzungen. Passiv sind solche Maßnahmen, die an Gebäuden vorgenommen werden. Also der Einbau von Lärmschutzfenstern, Dämmung an der Fassade und dergleichen. Die Bahn steht damit vor einer Kostenfrage und muss abwägen, in welchen Fällen sich der aufwendigere aktive Schutz rechnet und wo günstigere Alternativen ausreichen. Als maßgeblich bei dieser Entscheidung gilt unter anderem die Anzahl der betroffenen Wohneinheiten, aus der sich die sogenannten Schutzfälle ableiten.

Falsche Annahmen

Biedermann bemängelte bei deren Ermittlung gleich mehrere Ungenauigkeiten und Versäumnisse seitens der Bahn, die sich zuungunsten der Marktgemeinde auswirkten. So werde dem Bereich der Leonhardistraße ein zu hoher Grenzwert an Lärm zugemutet, weil das Gebiet im Flächennutzungsplan nicht als sensibleres Wohn-, sondern Misch­gebiet ausgewiesen sei. Faktisch sei es mittlerweile aber so, dass aufgrund der Aufgabe sämtlicher landwirtschaftlicher Betriebe eine reine Wohnnutzung vorliege, die einen strengeren Lärmschutz erfordere als von der Bahn aufgrund ihrer falscher Annahmen angedacht. Auch das laute Abbremsen der Züge in diesem Bereich müsse eigens berücksichtigt werden.

Ähnlich sei der Fall südlich der Bahnhofstraße gelagert. Hier fordert Biedermann eine kleinräumlichere Betrachtung des Mischgebiets, denn tatsächlich teile es sich in zwei Hälften: Eine mit Lagerhallen und eine mit faktisch reiner Wohnbebauung. Quasi ein Wohngebiet im Mischgebiet, das berücksichtigt werden müsse. Und künftig solle ohnehin das gesamte Areal mit Wohnbebauung belegt werden.

Auch bei der Ermittlung der für die Schutzfälle wichtigen Anzahl an Wohneinheiten sei der Bahn ein „schwerwiegendes Ermittlungsdefizit“ anzukreiden. Denn sie habe mutmaßlich keine konkreten Informationen eingeholt. Das verfälsche die Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit eines aktiven Schutzes. Gabriele Triebel (GAL) monierte in diesem Zusammenhang, dass in Igling für sechs Wohnungen eine Lärmschutzwand errichtet werde, während in Kaufering in vergleichbaren Fällen nur passive Maßnahmen angedacht seien.

Überhaupt würden Faktoren wie die Anzahl betroffener Personen, Gebietsgröße, Wertverlust von Grundstücken und dergleichen nicht ausreichend berücksichtigt, kritisierte Biedermann. Die Bahn lege bei ihrer Abwägung zu viel Gewicht auf die Zahl der Schutzfälle, die sie eben auch noch falsch ermittelt habe. Außerdem könnte die Errichtung und der Unterhalt von Schallschutzwänden deutlich günstiger durchgeführt werden, als die Bahn das annehme. Insgesamt seien die Beurteilungen zu wenig transparent oder schlicht fehlerhaft, was sich zum Nachteil Kauferings auswirke. Erklärungen und Nachbesserungen seien deshalb unabdingbar.

Offene Fragen

Auch die Verkehrsprognose, die die Bahn ihren Planungen zugrunde legt, habe mit dem Jahr 2025 einen zu knapp gefassten Horizont. Ferner stünden noch Verhandlungen in Hinblick auf die Nutzung gemeindeeigener Grundstücke und Straßen während der Bauarbeiten aus. Diesbezüglich habe noch überhaupt kein Kontakt stattgefunden. Dass die Bahn beispielsweise davon ausgeht, P+R-Parkflächen für die Dauer der Bauarbeiten belegen zu können, sei aus Kauferinger Sicht strikt abzulehnen. Festzuschreiben sei zudem noch, wer für Straßenschäden aufkomme, die im Zuge der Bauarbeiten entstehen. Außerdem müssten Folgekosten für die Marktgemeinde ausgeschlossen und Schutzmaßnahmen der Stromleitungen koordiniert werden.

Im Anschluss trugen einige Marktgemeinderäte ihren Unmut über eine vermeintliche Bevorzugung der Nachbargemeinden vor. Thematisiert wurde auch das „Scheppern“ der Eisenbahnbrücke und die Lärmimmission am Schwimmbad, deren Beanstandung aber laut Biedermann im laufenden Verfahren keine Aussicht auf Erfolg haben dürfte. Der Vorschlag, die Einwände an die Regierung weiterzureichen, wurde mit 21:0 Stimmen befürwortet. Biedermann erklärte, dies sei „hoffentlich die Eintrittskarte für eine Anhörung“, die dann fundierter als die bisherigen Planungen ausfallen solle. Auf einen entsprechenden Termin hoffe er „noch in diesem Jahr“.

ras

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