Streit mit dem Haftgenossen

Vier Männer mit vier unterschiedlichen Nationalitäten in einer engen Zelle im Keller der JVA Landsberg – da gingen zwei der einschlägig vorbestraften Insassen im Januar dieses Jahres die Nerven durch. Auf die Provokation des einen antwortete der andere mit Schlägen. Der Fall, der am Dienstag letzter Woche vor dem Amtsgericht verhandelt worden ist, war klar – und beide Täter geständig. Richtern Beate Kreller gab ebenfalls die ungünstige Haftsituation zu bedenken und verlängerte die derzeitigen Freiheitsstrafen für den „Provokateur“ und den „Angreifer“ um mehrere Monate.

Ihre disziplinarische Strafe der Justizvollzugsanstalt haben beide schon bekommen und verbüßt: Der jüngere, 23-jährige Serbe, der zuerst geschlagen hatte, saß dafür für 15 Tage in der Bunkerzelle im Arrest. Der 45-Jährige aus Russland bekam zehn Tage. Mittlerweile kommen die beiden aber wieder miteinander aus. „Wir haben uns vertragen“, erklärten sie in der Verhandlung. Ihre Aussöhnung dauert bis heute an. Der 45-jährige hatte abends in der Zelle vom Jüngeren verlangt, Kaffee zu kochen und ihm Zigaretten zu drehen. „Er war sauer, weil er beim Poker verloren hatte“, erklärte sein Haftgenosse. Als dieser sich weigerte die Hilfsdienste zu erledigen, stieg der Ältere schließlich die Leiter zum Bett des 23- Jährigen hinauf und warf dessen persönliche Sachen herunter. „Damit, dass er den Privatbereich des 23-Jährigen verletzt hatte, ist er wohl zu weitgegangenen“, vermutete ein Justizvollzugsbeamter, der in dieser Januarnacht Dienst hatte und als Zeuge auftrat. Der Serbe verlor die Beherrschung, holte den anderen von der Leiter und schlug zu. Platzwunden an der Stirn, blaue Flecken und Prellungen trug der Ältere davon. Er selbst bekam ein paar Schrammen im Gesicht. Dann wurde mehrfach der Notruf aus der Zelle getätigt. Und der diensthabende JVA-Bedienstete schaute wiederholt durch die Kostklappe nach dem Rechten. Seine Frage, ob alles in Ordnung sei, wurde zunächst bejaht. Schließlich murmelte jemand „Schlägerei“ und dem Bediensteten war klar, dass hier der Schein trügte. Er forderte Verstärkung an. Die Zelleninsassen wurden getrennt und vernommen. Anita Trautwein, Verteidigerin des älteren Angeklagten, der nur Russisch sprach und deswegen gedolmedscht wurde, hatte in ihrem Plädoyer die schlechte Unterbringung zu Bedenken gegeben. „Das war so ungünstig, dass die JVA diese Räume im Keller nun nicht mehr belegt.“ Dr. Franziska Kienzl, Rechtsanwältin des Serben, pflichtete ihr bei und sprach sich für eine geringe Haftstrafe aus. Und Strafrichterin Kreller folgte in ihrem Urteil nicht dem Vorschlag von Staatsanwältin Lisa Obermaier, die für den 23-Jährigen neun Monate und für den 45-Jährigen sechs Monate gefordert hatte. Sie sah vier und drei Monate vor, die beide Verurteilten nun länger in der JVA bleiben müssen.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
Ein Rezept für das Miteinander
Ein Rezept für das Miteinander

Kommentare