Von Spinnereien und Fadenkunst

Die „Lichtstube“: Herkomer Museum öffnet Werkstatt für Kreatives in geselliger Runde

Museumspädagogin Regina Kaiser (links) und Initiatorin Yvonne Dodel freuen sich über kreative Interessierte, die jeden ersten Samstag im Monat im Herkomer Museum die Idee „Lichtstube“ wiederbeleben.

Landsberg – Die Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück, vereint Geselligkeit mit einer charmanten Form des Energiesparens – und wird jetzt im Herkomer Museum neu aufgelegt: Jeden ersten Samstag im Monat öffnet sich die Werkstatt des Museums für kreative Beschäftigung in geselliger Runde.

„Lichtstube“ nennt sich diese Idee, die bereits vor Jahrhunderten besonders im ländlichen Raum verstärkt Verbreitung gefunden hat. Bewohner trafen sich in der kalten Jahreszeit an einem zentralen, gemeinsam genutzten und beheizten Ort, um dort ihren traditionellen Handarbeiten nachzugehen – so konnte das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden werden. Gemeinsam wurde gestrickt, geknüpft, gestickt und geschnitzt, aber auch Fertigkeiten wie Scherenschnitt, die Kunst des Klöppelns oder Arbeiten mit Leder ausgeübt. 

Yvonne Dodel, ursprünglich aus Baden-Württemberg stammend, war über einen Heimatbesuch per Zufall auf die Tradition der Lichtstube gestoßen. In einem kleinen Schlösschen in der Region hatten sich unter diesem Namen Kreative zum gemeinsamen Handarbeiten versammelt. Sie fand Gefallen an dieser Idee – und transportierte sie kurzentschlossen in ihre Wahlheimat Landsberg. 

In Museumspädagogin Regina Kaiser, Mitarbeiterin im Organisationsteam des Herkomer Museums, fand Yvonne Dodel offene Ohren. Auch ihr gefiel die Idee des kreativen Mit- einanders, die Dynamik, die im Konzept Lichtstube steckt. Dass sich Yvonne Dodel bereit erklärte, die ehrenamtliche Betreuung zu übernehmen, kommt als zusätzlicher Pluspunkt dazu. 

Jeden ersten Samstag im Monat wird die Werkstatt im Museum nun zur Lichtstube; dort, zwischen Werkbänken und der rund 100 Jahre alten Druckpresse, können sich mit Start am Samstag, 7. April, in der Zeit von 14 bis 17 Uhr Interessierte in ungezwungener Atmosphäre zum Handarbeiten treffen. „Es darf einfach losgelegt werden“, sagt Regina Kaiser, „ohne Regie, ohne Leitung“. 

Nebenbei bildet das Herkomer Museum perfekte Bedingungen für die Idee Lichtstube, davon zeigen sich Dodel und Kaiser überzeugt. „Hier findet eine historische Veranstaltung einen passenden Rahmen“, sagt Yvonne Dodel. Auch Regina Kaiser freut sich über die Symbiose, über diese schöne Form der Museumsbelebung. Hat sich mit der Lithographiewerkstatt im vergangenen Jahr das Haus für Schulklassen geöffnet, werden mit der Lichtstube nun alle Altersgruppen und Kreative angehalten, die tollen Begebenheiten vor Ort für sich zu nutzen. 

Angesprochen fühlen dürfen sich eigentlich alle, die Handarbeiten in irgendeiner transportablen Art und Weise ausüben. Dass dabei nicht nur „Klassiker“ wie Stricken, Häkeln oder Sticken Raum finden, beweist das Interesse einer Künstlerin, die sich auf die Kunst des Spinnens versteht. Auch sie möchte die Lichtstube zum kreativen Miteinander nutzen, vielleicht den einen oder anderen Einblick ins Spinnen geben. „Wir haben auch Kontakt zu einer Dame, die klöppelt“, erzählt Regina Kaiser. Probestücke dieser Kunst werden, so ist es geplant, im Rahmen der Lichtstube zu besichtigen sein, um Wissen darüber weiterzuvermitteln. 

Überhaupt finden beide spannend, was sich aus der Idee heraus entwickeln wird. „Wenn es ein Fixpunkt der Kreativen werden würde, die sich so einmal im Monat treffen, um ihre Kunst weiterzugeben, das wäre schon toll!“, sagt Yvonne Dodel. Zuversichtlich sind eigentlich beide. Resonanz im Vorfeld war definitiv da, auch erkennen beide eine Zunahme an offenen Werkstätten auch überregional. „Handarbeit ist längst wieder in“, bestätigt Regina Kaiser. Und das mache auch den Reiz der Lichtstube aus. Denn wo sonst, als in solchem Rahmen, können sich die unterschiedlichsten Fertigkeiten ohne Konkurrenz zueinander entfalten – so profitiert jeder von jedem und kann altes Wissen frei von Leistungsdruck an nächste Generationen weitergeben werden. „Vielleicht könnte sich daraus irgendwann ein eine Art Werkschau entwickeln“, überlegt Regina Kaiser, doch wirklich im Fokus stehe das nicht. Denn primär geht es der Museumspädagogin ums Machen, ums Loslegen, ums Wachsen. „Es darf lange laufen“, so der Wunsch, den beide wie abgestimmt ausrufen. 

Zum Auftakt am kommenden Samstag, 7. April, werden beide vor Ort sein; geplant sind zunächst Öffnungszeiten von 14 bis 17 Uhr, doch auch das darf sich entwickeln. Eine Anmeldung für Interessierte ist nicht notwendig, wer kommen mag, der darf kommen. Lediglich für das Organisatorische wird pro Lichtstube-Besuch ein Beitrag von 5 Euro verlangt. 

Was sich nun an jedem ersten Samstag im Monat in der Werkstatt im Herkomer Museum in Sachen Lichtstube entwickeln wird, können Regina Kaiser und Yvonne Dodel nicht planen. Das Fundament für einen Erfolg steht jedenfalls, die Chemie zwischen beiden stimmt. „Sie ist ein echter Glücksfall“, fasst Kaiser zusammen und drückt der Initiatorin Yvonne Dodel kurz den Arm. Es darf losgehen.

Regine Pätz

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