Pro Stunde 200 Meter neues Gleis

Im Schneckentempo schob sich der Gleisumbauzug vergangene Woche von Geltendorf in Richtung Kaufering. Beim Pressetermin am Mittwoch war gerade an der Bahnunterführung vor Schwabhausen im Einsatz. Foto: Osman

Es ist ein beeindruckendes Schauspiel: In Schrittgeschwindigkeit schiebt das gewaltige Gefährt sich vorwärts, hebt alte Schienen und Schwellen aus dem Gleisbett und bringt gleichzeitig neue in Position. Präzise wie ein Uhrwerk läuft das, nach einem auf die Minute getakteten Zeitplan. Der so genannte Gleisumbauzug ist mehrere hundert Meter lang und war in der vergangenen Woche auf der Strecke von Geltendorf nach Kaufering im Einsatz.

Auf rund acht Kilometern wurden über 16000 Meter Schienen und 13500 Schwellen ausgewechselt, in einem Tempo von zwei Kilometern am Tag, oder 200 Metern in der Stunde. Hinter dem Zug marschierte ein Trupp Arbeiter mit Spezialgeräten, um die Befestigungen anzuziehen. „Hochkomplexe Technik und händische Arbeit greifen ineinander“, sagt Bianca Piechaczek, Sprecherin der Deutschen Bahn. „Eins geht nicht ohne das andere.“ Rund 20 Mann waren auf und um den Zug im Einsatz, Streckenposten achteten derweil auf die Sicherheit. Ein akustisches Signal kündigte an, wenn auf dem Gegen­gleis ein regulärer Zug heran­- rauschte. Bereits vor den Gleiserneuerungsarbeiten waren 8500 Tonnen Schotter aus dem Gleisbett gereinigt worden. Eine Spezialmaschine zur „Bettungsreinigung“ siebte den Schotter durch und entfernte auf diese Weise rund 6000 Tonnen Sand, der sich im Laufe der Jahrzehnte von den Steinen abgerieben und sie damit immer mehr abgeschliffen hatte. Da der Schotter aber möglichst scharfkantig sein muss, um den Schienen optimalen Halt zu bieten, war die Reinigung erforderlich. Die fehlende Masse wird in einem letzten Arbeitsschritt aufgefüllt: Eine Stopfmaschine bringt 6000 Tonnen frischen Schotter ins Gleisbett ein. In der kommenden Woche wird zudem das Gegengleis von Kaufering nach Geltendorf erneuert. Nach Abschluss der Arbeiten können die Züge auf dieser Strecke mit einer Spitzengeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern fahren, bisher waren es „nur“ 140. „Dahinter stecken eine gewaltige Logistik und präzise Vorplanung“, berichtet der Projektverantwortliche Josef Jakob. Die einzelnen Arbeitsschritte sind minutiös festgelegt, Abweichungen darf der Trupp sich nicht erlauben. Stolz zieht Jakob einen Vergleich zum Straßenbau. „Wir erneuern hier in 18 Tagen acht Kilometer Gleis. Für eine solche Strecke braucht der Autobahnbau ein ganzes Jahr.“ Eine Gleiserneuerung dieser Größenordnung führt die Bahn alle 25 bis 30 Jahre durch, wie Piechaczek sagt. In diesem Fall fiel der Entschluss kurzfristig, weil der Bahn Mittel aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung zur Verfügung gestellt wurden. „Das Geld haben wir natürlich gerne genommen“, so die Unternehmenssprecherin. Die Mittel fließen vor allem in die Erneuerung von Nahverkehrsstrecken und in die Modernisierung von kleinen und mittleren Bahnhöfen.

Auch interessant

Meistgelesen

Geister steigen aus dem See
Geister steigen aus dem See
Umzug startet mit Schreck
Umzug startet mit Schreck
Hoher Schaden, keine Beute
Hoher Schaden, keine Beute
Kaltenbergs "letzter Ritter"
Kaltenbergs "letzter Ritter"

Kommentare