Sturz oder Faustschlag?

Weil er einen Mitgefangenen in der JVA Landsberg geschlagen haben soll, stand am vergangenen Donnerstag ein 26-jähriger Pole vor dem Landsberger Amtsgericht. Doch die Beweislage erwies sich als dünn – zu dünn in den Augen von Richterin Sabine Grub, um den Angeklagten zu verurteilen.

Den Fall ins Rollen hatte das Opfer selbst gebracht. Der 33-jährige Algerier war nach einem Toilettenbesuch während der Arbeit in der Werkshalle 5 mit einer Platzwunde am Auge an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Als ihn der zuständige Justizvollzugsbeamte verhörte, gab der 33-Jährige zu Protokoll, auf dem WC von einem „Rumänen oder Russen“ mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden zu sein. Als ihm der Beamte Bilder der in Frage kommenden Insassen vorlegte, erkannte er den 26-jährigen Polen wieder. Wenig später jedoch widerrief der Algerier seine Aussage und erklärte, sich die Verletzung bei einem Sturz zugezogen zu haben. Diese Version passte zur Schilderung, die der Angeklagte vor Gericht vortrug. Der 33-Jährige sei „ausgerutscht“ und schließlich mit den Händen vor seinem Gesicht wieder aufgestanden. Nähere Details wollte oder konnte der Pole auch auf Nachfrage von Staatsanwalt Marc Schneider nicht liefern. Da das Opfer die Aussage vor Gericht verweigerte, war es an den Zeugen, Licht ins Dunkel zu bringen. Die Krankenschwester, die den Algerier nach dem Vorfall versorgte, äußerte Zweifel an der Version des Angeklagten. Ihr gegenüber habe der 33-Jährige gesagt, geschlagen worden zu sein. „Er hatte ziemliche Angst und wollte keine Namen nennen.“ Tags darauf habe er ihr mitgeteilt, dass acht Mitgefangene samt dem Täter vor seiner Zelle aufgetaucht seien und er um seine Familie fürchte. Dem widersprach jedoch der Angeklagte, der darauf hinwies, gleich nach dem Vorfall von den Beamten in eine Einzelzelle gebracht worden zu sein. Die widersprüchlichen Aussagen und das sich daraus ergebende unklare Bild gaben schließlich den Ausschlag für den Freispruch des Angeklagten. Auch wenn einiges dafür spreche, dass ein Kampf und nicht ein Sturz die Verletzungen verursacht habe, könne dies nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, begründete Grub ihr Urteil: „Daher muss es heißen: Im Zweifel für den Angeklagten.“

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