"Keine Prüfungen – keine Zeugnisse"

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Reichlings Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler eröffnete zusammen mit Schüler Amalo die erste bayerische Sudbury-Schule.

Ludenhausen – Welcher Schüler wünscht sich das nicht? Eine Schule ohne Klassenzimmer, keine Prüfungen, keine Zeugnisse, kein Leistungsdruck. In Ludenhausen gibt es seit Schuljahresbeginn eine solche Schule. Zugegeben, es klingt wirklichkeitsfern und utopisch. Aber hinter dem Konzept der Sudbury-Schule Ammersee, so heißt die neue Ludenhauser Schule, steckt ein pädagogisches Konzept, das gravierend von der Regelschule abweicht. Rund 40 dieser „demokratischen Schulen“ gibt es weltweit.

Dementsprechend groß war das Interesse bei der Eröffnungsfeier am letzten Wochenende. Reichlings Bürger- meisterin Margit Horner-Spindler, zu deren Amtsbereich Ludenhausen gehört, freute sich, dass diese Schule hier sei und das alte Schulhaus wieder genutzt würde. „Ich bin aus ganzem Herzen dankbar und glücklich, diese Schule zu eröffnen“, sagte die Rathauschefin vor den rund 100 Gästen. Immerhin hat ihre Gemeinde in der bayerischen Bildungslandschaft ein Alleinstellungsmerkmal. 

Margit Horner-Spindler betonte aber auch, dass es nicht immer ganz leicht gewesen sei, die Hürden zu überwinden. Damit spielte sie auf die Zulassung der Schule durch die Regierung von Oberbayern an. Gemeinsam habe man das Ziel aber erreicht. Die Bürgermeisterin bedankte sich auch beim Gemeinderat, der hinter diesem Projekt stand. „Diese Schule ist was ganz Besonderes. Sie bereichert unser Bildungsangebot“. 

Matthias T. Deuerling vom Vorstand des Sudbury-Vereins betonte in seiner Rede, dass man vor neun Jahren begonnen habe, an dem Projekt zu arbeiten. „Geht nicht und schon gar nicht in Bayern“, waren die Argumente, die er immer wieder gehört habe, betonte der Diplom-Ingenieur. „Oft wurde gar nicht verstanden, was wir wollen“. 

Das Sudbury-Konzept wurde vor mehr als 40 Jahren in den USA geboren. Statt in Klassenverbänden wird in „familiärer Atmosphäre“ in kleinen Gruppen oder in Projekten gelernt. Das klassische Klassenzimmer gibt es nicht. Die Schulräume ähneln eher einer Wohnung mit Wohnzimmer, Arbeitszimmern und Küche. 

International erprobt 

Alle Altersgruppen lernen gemeinsam miteinander. Und auch in einem weiteren Punkt unterscheidet sich das Sudbury-Konzept von der Regelschule. Die Schule wird als „demokratische Schule“ geführt. Oberstes Gremium ist die Schulversammlung. Die Schüler legen die Regeln fest und übernehmen Verantwortung dafür, erläutert Alexander Wiedemann vom Vorstand des Sudbury-Vereins dem KREISBOTEN. Die Schule ist eine Privatschule. Juristisch gilt sie als „Ersatzschule“, die von der Regierung von Oberbayern genehmigt wurde. 

Es handelt sich um ein international erprobtes Schulkonzept, betont der Verein auf seiner Homepage. Schulabschlüsse wie an der Regelschule gibt es an der Sudbury-Schule nicht. Die Schüler müssen ihre Abschlüsse extern ablegen. Darauf würden sie natürlich vorbereitet, sagte Wiedemann. Das gelte für den Mittelschulabschluss ebenso wie für den Realschulabschluss oder das Abitur. „80 Prozent der Sudbury-Absolventen in den USA haben einen Universitätsabschluss“, betonte Wiedemann. „Wir sind keine Sekte“ war immer wieder zu hören. Wir haben nur ein anderes Lernkonzept. Die Freude am Lernen steht im Mittelpunkt. Wiedemann bemühte Aristoteles. Der griechische Philosoph hatte die Neugierde des Menschen als den Antrieb des Lernens bezeichnet. 

35 Schüler aus allen Altersstufen beginnen in Ludenhausen ihren Schulalltag. Sie werden von acht Mitarbeitern unterrichtet, darunter auch ausgebildeten Pädagogen mit dem 2. Staatsexamen. Das war eine der Auflagen der Regierung von Oberbayern. Den klassischen Schulleiter gibt es an der Sudbury-Schule nicht. Finanziert wird der Schulbetrieb aus Spendengeldern. 

Einen besonderen Gag hatten sich Sudbury-Vorstände zur Eröffnung der ersten bayerischen Schule ausgedacht. Am Zaun zur Schule werden gravierte „Liebesschlösser“, wie man sie von Brücken kennt, als Andenken angebracht. Ein Schloss gab es für Reichlings Bürgermeisterin und eines für die Regierung von Oberbayern. Mit großem Beifall wurde der Paketbote empfangen, der mitten in der Eröffnungsfeier die zusätzlich bestellten Schlösser brachte.

Siegfried Spörer

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