Sudbury-Schule in Ludenhausen

Neue Schule bald im alten Schulhaus

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In der alten Schule in Ludenhausen (Foto) will die Sudbury-Schule München bereits im September den Betrieb aufnehmen.

Reichling – Die Sudbury-Schule München hat das alte, seit geraumer Zeit leerstehende Schulgebäude in Ludenhausen gepachtet, um dort einen neuen Schulstandort zu errichten. Im Vorfeld der Vertragsunterzeich­nung am Dienstag stellten fünf Vertreter des Münchener Vereins ihr Konzept im Gemeinderat vor. Das Sudbury-Projekt in Dießen ist damit gestorben.

Alexander Wiedemann, Gerlinde Rüdinger-Wagner, Monika Wernz, Simone Kosog und Christian Horvath reisten eigens aus der Landeshauptstadt in den Lechrain an, um ihre Schulform und ihre Ziele den Ratsmitgliedern näher zu bringen. Dazu kam es, weil der schon sicher geglaubte Standort im Dießener Ortsteil Dettenhofen (der KREISBOTE berichtete) nun doch nicht realisierbar ist.

„Ich wäre selbst gerne auf einer solchen Schule gewesen“, lautete das einführende Urteil von Christian Horvath. Denn Schüler von Sudbury-Schulen genießen viele Freiheiten, es wird ihnen ein Lernen nach individuellem Tempo ermöglicht und es herrschen demokratische Grundprinzipien. Der Name Sudbury leitet sich von der demokratischen Sudbury Valley School im US-Bundesstaat Massachusetts ab, die im Jahr 1968 gegründet wurde.

Gerlinde Rüdinger-Wagner besuchte eigens elf demokratische Schulen in verschiedenen Ländern und zeigt sich nach diesen Hospitationen umso mehr überzeugt von der Sudbury-Idee. Das zugrundeliegende Menschenbild impliziert, dass Menschen grundsätzlich lernen wollen. Diese Freude am Lernen gelte es in der Schule unbedingt zu erhalten. Flankiert wurden die Gäste aus München von Ratsmitglied Hubert Frankl, selbst pensionierter Lehrer: „Ich bin begeistert, dass neue Ideen in unser Schulsystem kommen. In vielen etablierten Schulen steht nur mehr der Leistungsgedanke im Vordergrund.“

Weitere Merkmale von Sudbury-Schulen sind die starke Gewichtung von Natur und Musik, der familiäre Charakter und häufiger Einsatz von Lerngruppen, Spiel und Projekten. In Ludenhausen soll zunächst mit 30 Schülern begonnen werden, um dann sukzessive auf bis zu 60 Schüler anzuwachsen. Schulabschlüsse müssen extern erworben werden, die Schüler würden dabei jeweils intensiv von ihren Lehrkräften unterstützt und begleitet werden.

Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler hatte vorab bereits Infos bei der Regierung von Oberbayern eingeholt. Demnach werde der Sudbury-Schule wegen ihres „experimentellen Charakters“ eine Genehmigung auf zunächst zwei Jahre in Aussicht gestellt. Auflage sei zudem die wissenschaftlich Begleitung.

Eigenes Gebäude?

Alexander Wiedemann erklärte dazu, dass sich Sudbury langfristig in Ludenhausen sehe und eine zunächst zweijährige Genehmigung bei neuen Schulen üblich sei. Ziel sei aber, irgendwann ein eigenes, größeres Gelände zu besitzen, was jedoch eine Weiternutzung des alten Schulgebäudes über die zwei Jahre hinaus keinesfalls ausschließe. „Ganz im Gegenteil. Es wäre schön, auch in Sachen Erwachsenenbildung in Ludenhausen etwas aufzuziehen“, so Simone Kosog.

Die Bürgermeisterin äußerte die Sorge, dass eine mögliche neue Schule in keinem Fall eine Konkurrenz zum Bestand sein dürfe. „Denn wir haben in Rott eine ganz hervorragende Grund- und Mittelschule.“ Als Konkurrenz sehen sich die Münchener jedoch eher zu alternativen Schulformen wie Montessori und Waldorf, Schüler von der Rotter Schule würden wohl kaum abgeworben. Zahlreiche Anmeldungen lägen dagegen aus anderen Orten schon vor, so unter anderem aus Dießen und Landsberg. Hubert Frankl zeigte sich besorgt wegen der lediglich extern zu erwerbenden Abschlüsse. „Studien in den USA haben gezeigt, dass 80 Prozent der Schüler von demokratischen Schulen später Universitäten besuchen“, antwortete ihm Monika Wernz.

Nach dem ausführlichen Kennenlernen schloss Wiedemann den Auftritt der Gäste: „Wir setzen schwer auf den Standort Reichling.“ Der Schulbetrieb soll bereits im September dieses Jahres starten.

Dominik Oppermann

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