Suizid: JVA zieht erste Konsequenz

Nach wie vor ist es im Detail nicht geklärt, wie es zu den beiden Suizidfällen in der JVA Landsberg (Foto) kommen konnte. Foto: Peters

Noch ermittelt die Staatsanwaltschaft Augsburg im Falle der beiden Suizide in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Landsberg, doch eine erste Konsequenz gibt es bereits. Wie die Gefängnisleitung nun mitteilte, arbeite man derzeit nicht mit dem externen psychiatrischen Dienst zusammen.

Es waren schwere Vorwürfe, die die Mutter des älteren der beiden Opfer jüngst gegen die Leitung der JVA und die verantwortliche Psychiaterin erhob (der KREISBOTE berichtete). Beide hätten im Falle ihres psychisch labilen Sohnes eindeutige Anzeichen auf eine Suizid-Gefahr übersehen. „Man hätte es bemerken müssen.“ Keine Hinweise In der JVA ist man sich indessen keiner Schuld bewusst. Zwar habe die letztmalige Kontrolle des Gefangenen tatsächlich 14 Stunden vor dem Fund der Leiche stattgefunden, teilte der stellvertretende Leiter Dr. Harald Eichinger mit, doch sei dies „am Wochenende absolut üblich“. Eichinger beharrt dabei darauf, dass sich in der psychiatrischen Behandlung des 28-Jährigen keine Anhaltspunkte für eine Suizidgefahr ergeben hätten und demnach auch keine kürzeren Kontrollintervalle erforderlich gewesen seien. Dass der Gefangene sich schon Monate vor seinem Tod freiwillig von den Mitansassen in seiner Einzelzelle abschotten ließ und zuletzt auf jede Annehmlichkeit wie Hofgang, gemeinsames Essen und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung verzichtete, sei „das Recht eines jeden Gefangenen“, stellt Eichinger klar. „Es ist daher keineswegs als Hinweis auf einen problematischen psychischen Zustand zu werten.“ Ob dem tatsächlich so ist oder die Verantwortlichen deutliche Anzeichen auf einen bevorstehenden Suizid fahrlässig übersehen haben, könnte bald schon die Gerichte beschäftigen. Grund: Die Mutter des 28-Jährigen prüft derzeit die Klagemöglichkeit.

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