Attraktiver als "Newschweinstone"

+
Während Jürgen Farenholtz die Snowdance-Gäste verabschiedete, plauderte Jury-Mitglied Axel Milberg in der schummrigen Theaterbar angeregt mit OB Mathias Neuner. Links im Bild Tom Bohn, rechts Festival-Direktor Heiner Lauterbach.

Landsberg – Insgesamt 7.052 gezählte Besucher, begeisterte Filmschaffende und ein stolzer Oberbürgermeister: So das Resümee des Snowdance Independent Filmfestivals, das neun Tage lang Landsberg in den Mittelpunkt einer ganz speziellen Filmwelt rückte. Nämlich der von Studios, Fernsehen und Filmförderung unabhängigen Kreativen, die ihre Ideen auf eigene Faust und eigene Kosten umsetzen. Während die allein auf Kommerz ausgerichteten Filmer derzeit mit fotogenen Posen die roten Teppiche der Berlinale bevölkern, menschelte es Tage zuvor in der Filmstadt Landsberg.

Da gab Heiner Lauterbach beim SpeedCasting im Rathaus jungen Schauspielertalenten heiße Tipps, da absolvierte Til Schweiger gar nicht überheblich einen Selfie-Marathon im Cineplex oder da redete Axel Milberg in der Theater-Bar auf OB Mathias Neuner ein, wie stolz er auf das Snowdance Festival sein könne, das für seine Stadt weltweit unbezahlbare Werbung mache. So postete US-Regisseur Elias Plagianos seinen Sieg mit „Shoot me nicely“ in der Kategorie Serien überschwänglich in allen sozialen Medien und gab der New York Times ein großes Interview, in dem er Landsberg und seine Festival-Macher mit Komplimenten überschüttete. Obwohl er auch einen Abstecher nach „Newschweinstone“ – er meinte Neuschwanstein – machte, gefiel es ihm und seiner Schauspielertruppe im romantischen Landsberg wesentlich besser.

Filmschaffende, die schon bei Robert Redfords Sundance Filmfestival in Park City/Utah teilgenommen hatten, fanden das Landsberger Festival leidenschaftlicher und persönlicher. Sie wollen dafür trommeln, dass zum nächsten Festival ganz sicher noch mehr als 450 Film-Bewerbungen wie in diesem Jahr eingereicht werden. Die „Abendschau“ des Bayerischen Fernsehens brachte eine ausführliche Reportage und bezeichnete Landsberg gar als Deutschlands Filmhauptstadt, zumindest für neun Tage.

Die beiden Eröffnungsgalas – parallel im Stadttheater und im Historischen Rathaus – sowie die Horex Nacht der Filmemacher und die SKY Westworld Mottoparty waren restlos ausverkauft. Die Landsberger Filmfans genossen es, mit Stars, Regisseuren oder Produzenten aus aller Welt anzustoßen und ausgelassen zu tanzen. Visitenkarten wurden ausgetauscht, gemeinsame Pläne geschmiedet, Projekte angeleiert und natürlich gefeiert.

Ganz ernst ging es dagegen bei der Jury-Sitzung im Cineplex zu, wo heftig über die zehn zum Wettbewerb zugelassenen Filme diskutiert wurde. Dass sich Tatort-Kommissar Axel Milberg, Landsbergs Kulturreferentin Claudia Flörke oder der Pariser ECU-Festivalchef Scott Hillier bei den Spielfilmen auf den deutschen Psychothriller „Freddy Eddy“ einigten, freute Snowdance-Initiator Tom Bohn besonders. Hatte er den Streifen der Vorauswahl-Jury doch als Eröffnungsfilm vorgeschlagen. Worüber Filmemacherin Tini Tüllmann zunächst ganz unglücklich war: „Eröffnungsfilme gewinnen nie“, unkte sie und wurde eines besseren belehrt.

Die Ausweitung auf drei Abspielstätten, heuer kam das Cineplex in Penzing dazu, habe sich bewährt, betont Tom Bohn. Für das nächste Snowdance Filmfestival habe er bereits viele neue Ideen, aber auch wertvolle Anregungen von Teilnehmern bekommen. Namhafte Stars hätten für nächstes Jahr bereits ihre Teilnahme zugesichert. Den Termin gab sein Partner Jürgen Farenholtz zum Abschluss der Preisverleihung bekannt: 27. Januar bis 4. Februar 2018.

Während sich andere Festival-Organisatoren nach so einer Mammutveranstaltung eine Urlaubsauszeit gönnen, geht es bei Bohn & Farenholtz ohne Pause weiter. Sie stecken bereits in den Planungen für ihr „Magic Lake Festival“ in Dießen am Ammersee, das vom 22. bis 24. September über die Bühne geht. 

Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Wetterfestes Publikum
Wetterfestes Publikum
Prix-Bebauungsplan wird "aufgeweicht"
Prix-Bebauungsplan wird "aufgeweicht"
Sonnentempel und Tango
Sonnentempel und Tango

Kommentare