"Die Fahrt rausnehmen"

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Tengelmann geht – was dann passieren soll, war das zentrale Thema der GAL-Diskussionsrunde. Die GAL-Fraktion will nun ein Ratsbegehren beantragen.

Utting – „Tengelmann geht! Was nun?“, lautete der Titel einer Diskussionsveranstaltung, bei der die Uttinger GAL die Meinung der Bürger zu einem möglichen neuen Supermarkt auf dem Sulzfeld erfahren wollte. Damit nicht genug – die Grüne Gemeinderatsfraktion möchte zu dem Thema ein Ratsbegehren beantragen, um einen Bürgerentscheid durchzuführen. Das kündigte Ratsmitglied Peter Noll im Rahmen der Veranstaltung an. „Die Frage ist zu wichtig, als dass sie nur vom Gemeinderat entschieden werden sollte“, so seine Ansicht.

Im Jahr 2007 hatte eine knappe Mehrheit der Bürger einen Discounter auf dem Sulzfeld abgelehnt. Angesichts der damaligen Entscheidung wunderten sich einige der rund 150 Bürger, die an der GAL-Veranstaltung teilnahmen, warum das Thema jetzt überhaupt wieder aufs Tapet kommt. „Ich bin halb fassungslos und verärgert“, so ein Teilnehmer. Er sei dagegen, den südlichen Ortsrand so zu verschandeln, wie dies in anderen Gemeinden geschehe, zumal im Norden ja gerade ein Gewerbegebiet entwickelt werde. 

Viele der Anwesenden applaudierten. Beifall gab es aber auch für den gegensätzlichen Standpunkt. Die Situation sei heute anders als 2007, denn mit dem Tengelmann falle nun ein Vollversorger weg. Im Ort hätten ein Bäcker und eine Drogerie zugemacht, die Nahversorgungssituation werde dadurch besonders für Ältere ohne Auto schwieriger. Deshalb bringe ein zweiter Supermarkt im Norden des Dorfes nichts – dort existiert bereits ein Edeka. Wenn man ein Sozialmobil finanziere, um Leute zum Einkaufen zu fahren, solle man nicht andererseits die Ansiedlung eines neuen Vollsortimenters verhindern, so ein Anwesender. „Wir müssen Entwicklung zulassen.“ Man habe das Sulzfeld auf lange Sicht nicht antasten wollen, erinnerte Hans-Peter Bailer. 

Stattdessen sei im zurückliegenden Kommunalwahlkampf viel von einer Revitalisierung des Ortskerns die Rede gewesen, ergänzte ein anderer Bürger. Im Zentrum könnten sich Versorgungsalternativen entwickeln, wenn man dies zulasse. Entsprechend forderte Christian Huber, die Entscheidung über das Sulzfeld für mindestens ein Jahr zu vertagen. „Wir müssen aus der Sache die Fahrt rausnehmen, damit wir nicht die Getriebenen sind.“ Offen ist, ob sich eine Bebauung des schwierigen Geländes überhaupt rechnet. 

Der ehemalige Bürgermeister Josef Klingl nannte die Zahl von 130 Euro, die pro Quadratmeter aufgewendet werden müssten, um die Fläche bebaubar zu machen. Vielen Bürgern wäre es offenbar lieb, wenn ein Lebensmittelmarkt weiterhin im Tengelmann-Gebäude untergebracht wäre. Dieses könne sicherlich noch besser genutzt werden als zur Zeit, so ein Anwesender. Was der Eigentümer mit dem Gebäude vorhat, ist jedoch unklar. Bekannt ist lediglich, dass der Gemeinderat vor einiger Zeit die Genehmigung für den Umbau des Obergeschosses in ein Parkdeck erteilt hat. 

"Fifty-fifty" versorgt 

Die Frage, ob der Ort allein durch den vorhandenen Edeka versorgt werden könne, beantwortete dessen Inhaber mit „fifty-fifty“. Mit knapp 800 Quadratmetern Verkaufsfläche und nur begrenzten Lagerkapazitäten sei das Geschäft schon jetzt gelegentlich „hart an der Grenze“. Insofern brauche Utting in seinen Augen einen zweiten Supermarkt. Fraglich sei, ob dies unbedingt ein Vollsortimenter sein müsse. „Wenn beide dasselbe haben, macht einer pleite.“ In der Gemeinderatssitzung am morgigen Donnerstag will die GAL-Fraktion dann das Ratsbegehren beantragen, das einen Bürgerentscheid möglich macht. 

Sollte der Antrag auf das Ratsbegehren abgelehnt werden, fällt der Gemeinderat ebenfalls in dieser Sitzung die Entscheidung darüber, ob über eine Bebauung des Sulzfelds verhandelt werden soll. Laut Bürgermeister Lutzenberger ist mehr als ein Projektentwickler an dem Gelände interessiert. Die Aufstellung eines Bebauungsplans – wenn es denn dazu kommt – könne eineinhalb bis zwei Jahre dauern.

Ulrike Osman

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