Superschnelles Internet – Flächendeckend FTTH in Denklingen

Ein ehrgeiziges Projekt greift Denklingen an: Als erste Kommune in ganz Bayern will sie flächendeckend im gesamten Gemeindegebiet FTTH („fiber to the home“) zur Verfügung stellen. Will heißen: Jeder Gemeindebürger, selbst der im abgelegensten Hof in Epfach oder Dienhausen, hat demnächst die Möglichkeit, sich einen superschnellen Internetanschluss ins Haus zu holen. Es soll ein kommunales Glasfasernetz für Telefonie und Internetnutzung gebaut werden, bei dem die Datenleitung bis in jedes Gebäude zum Nutzer geführt werden.

Ein vergleichbares, kleineres Projekt gebe es bayernweit bisher nur in der Nähe von Coburg, wie der von der Gemeinde Denklingen beauftragte Planer Thomas Lecker erläuterte. Dies werde aber nicht von einer Kommune betrieben, so dass die Lechraingemeinde im Freistaat Vorreiter wäre. Lecker präsentierte das Projekt auf der jüngsten Gemeinderatssitzung. Nachdem in der anschließenden Diskussion die letzten Zweifel ausgeräumt worden waren, stimmten die Ratsmitglieder dem Vorhaben geschlossen zu – sehr zur Freude von Bürgermeisterin Viktoria Horber. „Wir investieren damit klar in die Zukunft“, betonte sie ausdrücklich. In der Startphase wird eine Bandbreite von 20 Megabit pro Sekunde angestrebt. Die Anlagen sollen aber in der Lage sein, im Rahmen von weiteren Betriebsstufen dann die Fernsehnutzung und die Zurverfügungstellung von Bandbreiten von 100 Megabit pro Sekunde für Privathaushalte und einem Gigabit pro Sekunde für Geschäftskunden möglich zu machen. Mit anderen Gemeinden? Das Netz sei dann kommunales Eigentum, erklärte Diplomingenieur Lecker. Die Standardreichweite des Netzes betrage 20 Kilometer. Worauf Meinrad Klein anmerkte, dass damit fast der ganze Landkreis mitversorgt werden könnte. Andreas Frieß schlug vor, Fuchstal mit ins Boot zu holen. Wie Bürgermeisterin Horber allerdings wusste, sei dort ein schnellerer Internetzugang derzeit kein Thema, da die Kommune besser versorgt sei als Denklingen. Dass aber später andere Gemeinden, Reichling oder Apfeldorf etwa, mit einsteigen könnten, solle nicht ausgeschlossen werden. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte der Denklinger Rat sich bereits für eine DSL-Lösung, also eine Kombination aus Glasfaser- und Kupferkabel, entschlossen. Wie Lecker den Räten jedoch vor Augen führte, sei DSL bald veraltet. „Ich wäre deshalb vorsichtig mit enorm hohen Investitionen in diese Technik“, meinte der Planer. DSL ende in der Praxis bei sechs Megabit. Die Zukunft liege zweifelsohne in der Glasfasertechnik. Auch die Bürgermeisterin war der Auffassung: „Wenn wir investieren, dann in moderne Zukunftstechnologie – und nicht in was Veraltetes!“ Bürger, die einen Anschluss wünschen, sollen diesen für 700 Euro bekommen können. Allerdings nur in der ersten Phase der Glasfaserrealisierung: Denn wer sich später dafür entscheidet, muss 1100 Euro berappen. Mindestens 100 Anschlüsse Bei beiden Beträge muss die Gemeinde noch subventionieren. Denn die tatsächlichen Kosten, die man erst nach der Ausschreibung genau beziffert könne, lägen deutlich höher. Lecker hatte dazu Vergleichszahlen aus Norddeutschland vorliegen. Bei einer 100-pro- zentigen Erschließung waren dort pro Hausanschluss 1800 und bei einer 50-prozentigen Abdeckung 2500 Euro Anschlusskosten pro Wohneinheit entstanden. Ausgehend von den Betriebskosten könnte Denklingen bereits ab 100 Hausanschlüssen starten.

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