Jenseits des Guten und Schönen

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Am Rochlhaus (links) in Thaining werden stellvertretender Landrat Peter Ditsch und Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem den Tag des offenen Denkmals eröffnen.

Landkreis – Der in­ternationale „Tag des offenen Denkmals“ widmet sich in diesem Jahr einem ungewöhnlichen Thema. Nicht das gelungen erhaltene Werk von hoher künstlerischer Qualität soll vorgestellt werden, sondern auf die ‚Sorgenkinder der Denkmalpflege‘ aufmerksam gemacht werden.

Damit wird eine der zentralen Fragen der Denkmalpflege gestellt: „Was ist wert, erhalten zu werden?“ Die Eröffnungsveranstaltung für den Landkreis Landsberg findet am Rochlhaus in Thaining statt.

Nicht alles, was jemals gebaut wurde, kann erhalten werden. Jedoch braucht jede Gesellschaft, die sich ihrer Wurzeln in der Vergangenheit bewusst ist, gründliche Auseinandersetzung und Entscheidung über Erhalt oder Vernichtung von Bauten und Erinnerungen an die eigene Vergangenheit. Das kulturelle Erbe kann Schönheit und Zauber, aber auch Einfachheit, Härte, Brutalität und Gewalt sichtbar machen. Jedes Baudenkmal hat seine eigene Geschichte, ist in einem je eigenen baulichen Zustand und in einem ganz speziellen größeren örtlichen Kontext. Zu den sogenannten unbequemen Denkmalen können technische Bau­denkmale wie Fabrikbauten oder Wassertürme ebenso gehören wie einfache Bauerhäuser oder die Tonröhrenbauwerke des KZ-Lagers Kaufering VII.

Den „Tag des offenen Denkmals“ im Landkreis Landsberg werden stellvertretender Landrat Peter Ditsch und Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weiß­- haar-Kiem um 13.30 Uhr am Rochlhaus in Thaining eröffnet. Danach stellen die Beteiligten – Gemeinde, Förderverein, Hausforscher und Architekt – an der über lange Jahre diskutierten Sanierung des Hauses das Projekt vor, das nun in diesem Herbst begonnen werden kann.

Auf diese Einführung in das Vorhaben folgen bis 17 Uhr Führungen im Rochlhaus sowie in den Kirchen St. Wolfgang und St. Martin. Den Tagesabschluss bildet um 17 Uhr ein festliches Konzert in der Thaininger Pfarrkirche St. Martin – an der Orgel Rita Gartzke, am Fagott Markus Fromm.

Die weiteren Veranstaltungen im Landkreis Landsberg:

• Schacky-Park in Dießen. Auf zweistündigen Rundgängen (Beginn um 11, 13, 15 und 17 Uhr) kann man den legendären Politiker und früheren Eigentümer des Schacky-Parks (1924 – 1933), Dr. Georg Heim, erleben und die ungewöhnlichen Geschichten seines Lebens erfahren. Heim lebte mit seiner Frau ab 1924 in der Villa Diana und prägte wie kein zweiter den Bauernstand der damaligen Zeit. 1933 musste er sich aus der Politik verabschieden. Als unbequemer Politiker möchte der Förderkreis ihn an diesem Tag ehren – passend zum Motto des Tages der „Unbequemen Denkmale“.

• Künstlerhaus Gasteiger in Utting-Holzhausen. Durch das Künstlerhaus führt Kastellanin Helga Schraidt um 14, 15 und 16 Uhr. Zudem informiert im Park der Ramsar-Gebietsbeauftragte Franz Wimmer. Für Kinder wird Dipl.-Biologin Nicola Boll die Wasserwelten am Ammersee mit Keschern und Mikroskopen erkunden. Nicht feh­- len darf die musikalische Umrahmung der Veranstaltungen durch das Harfenduo Utting.

• Burgruine Haltenberg in Scheuring. Geöffnet ist die romanische Burgruine am Tag des offenen Denkmals von 14 bis 16.30 Uhr, Führungen gibt es um 14, 15 und 16 Uhr mit Treffpunkt direkt an der Burg. Die direkte Zufahrt zur Burgruine ist nicht möglich, allerdings gibt es Stellplätze am Parkplatz an der Ortsverbindungsstraße Kaufering/Scheuring (Weiler Weg).

• Prähistorische Siedlung in Pestenacker. Das Museum präsentiert unter anderem den ältesten Hut Bayerns (Alter 5496 Jahre), Funde aus den Grabungen des Landesamts für Denkmalpflege von 1984 bis 2004 sowie Ausstellungsstücke zu Landschafts- und Klimageschichte der Region. Zudem gibt es zwischen 10 und 17 Uhr Führungen in den Außenanlagen zum nach Grabungsbefunden rekonstruierten Steinzeit­- haus und zur ehemaligen Ausgrabungsstelle, zum Getreideversuchsfeld mit den alten Kulturgetreiden Emmer, Einkorn und Dinkel und zur „Klotzbeute“, dem nach alten Vorbildern nachgebauten Bienenstock. In Gruppen kann man sich mit Feuer machen beschäftigen, Werkzeug aus Flintstein fertigen, Bogen bauen und Bogenschießen, Bumerang werfen, Töpfern und Getreide mah­len. Ferner gibt es Schafe einer alten Bergrasse auf dem Museumsgelände zu sehen.

• Ehemalige Nitrozellulosefabrik der Dynamit AG in Landsberg. Die Stadt Landsberg bietet Führungen zur Geschichte der Nitrozellulosefabrik im Frauenwald zur Funktion einiger erhal­- tener Bauten und zur Problematik der Erhaltung an. Die beiden Führungen für Teilnehmer zu Fuß (13 Uhr und 14 Uhr) führen durch das öffentlich zugängliche Gelände entlang Celsius- und Fahrenheitstraße und deren Umgebung. Die Führungen um 15 und 16.30 Uhr werden wegen größerer Wegstrecken mit dem Rad durchgeführt und zeigen außer dem öffentlichen Bereich ein sonst nicht zugängliches, eingezäuntes Gelände im nördlichen Teil des Frauenwaldes bis zur Bahnlinie Igling-Kaufering mit einigen Hallen, Nebengebäuden und der Ruine eines mehrstöckigen Bauwerks. Treffpunkt ist jeweils am vorderen Besucherparkplatz der Firma IWIS Ketten, Ecke Iglinger-/Celsius Straße. Die Stadt weist darauf hin, dass das Innere der Gebäude und der eingezäunten Bereiche aus Sicher­- heits- und Haftungsgründen nicht besichtigt werden kann.

• Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Landsberg. Dort sind zahlreiche Grabdenkmäler versammelt, die Marianne Hoefer und Ingrid Daum ab 14 Uhr zeigen werden. Manche Grabdenkmäler stammen noch aus der um 1450 abgerissenen ersten gotischen Kirche Landsbergs, andere sind im Lauf der darauffolgenden Jahrhunderte aufgestellt oder eingemauert worden. Die meisten aber waren im Außenbereich angebracht und wurden der Verwitterung wegen seit 1900 ins Innere versetzt. Aus dieser Fülle der Grabdenkmäler wurden nun einige ausgewählt, die bei den Führungen (14, 14.45, 15.45 und 16.30 Uhr) zu Wort kommen sollen: sie erinnern an Priester, Bürgermeisterfamilien, adelige Damen, Salzbeamte und Ärzte sowie an Handwerker und an Stifter. Ihrer aller letzter Wunsch war es, nahe an der Kirche oder sogar im Kircheninneren ihre letzte „Ruhstatt“ zu finden.

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