Alternative zur Kinderkrippe?

Tagesmütter bieten familiäre Betreuungsstrukturen

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Bei Tagesmutter Heike Müller-Syhre, die für das Kinderbüro Landsberg tätig ist, werden die Kinder in kleinen Gruppen betreut.

Landsberg – Die Schließung der Kinderkrippe „Wichtelgarten“ hat ihre Wellen sogar bis nach München geschlagen. Fünf ehemalige „Wichtelgarten“-Kinder sind laut Rosa Hochschwarzer, Geschäftsführerin von „Frau und Beruf“, zu der auch das Kinderbüro Landsberg gehört, nun bei Tagesmüttern untergekommen. Das zeige vor allem „das Engagement und die Flexibilität der Tagesmütter“, so Hochschwarzer. Was jedoch viele nicht wissen: Tagesmütter sind in fast allen Punkten mit Kinderkrippen gleichgestellt – und damit eine echte Alternative.

Das Kinderbüro Landsberg ist für die „Gewinnung, Qualifizierung und Auswahl von Tagesmüttern und Tagesvätern“ im Landkreis zuständig, erklärt Rosa Hochschwarzer. Für die Fachberatung ist Petra Dürbeck, Leiterin des Kinderbüros Landsberg (www.kinderbuero-landsberg.de), verantwortlich. „Um passend zu vermitteln, ist der persönliche Kontakt mit den Tagesmüttern sehr wichtig“, betont Dürbeck. Sie kennt ihre Tagesmütter und regelmäßige Hausbesuche gehören zu ihrem Aufgabengebiet. „Qualität bedeutet für uns, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Kompetenz“, so Dürbeck weiter.

Die Tagesmütter werden im Kinderbüro nicht nur in rechtlichen und finanziellen Belangen beraten, sondern treffen sich regelmäßig zum Austausch und zur Weiterbildung. „Der Umfang der Grundqualifizierung mit 160 Unterrichtsstunden liegt deutlich über den Anforderungen in den Nachbarlandkreisen“. Hinzu kommt noch, dass die Erste-Hilfe-Kurse regelmäßig aufgefrischt werden. „So sind unsere Tagesmütter immer aktuell qualifiziert“.

124 Kinder

Aktuell sind für das Kinderbüro Landsberg 27 Tagesmütter und ein Tagesvater tätig. Im Zeitraum vom September 2013 bis August 2014 wurden insgesamt 124 Kinder im Landkreis betreut. Bevor eine Tagesmutter jedoch die Arbeit aufnehmen kann, muss sie beim Amt für Jugend und Familie eine Pflegeerlaubnis beantragen. Eine Tagesmutter darf maximal fünf Kinder zeitgleich betreuen und gesamt maximal acht Betreuungsverträge abschließen. Die Anwärter werden durch Hausbesuche von Mitarbeitern des Kinderbüros überprüft.

Im Anschluss erfolgt auch die Beurteilung des Wohnumfeldes durch das Jugendamt. „In der Regel wird eine solche Pflegeerlaubnis für fünf Jahre ausgestellt“, so Petra Dürbeck. „Darin können auch diverse Auflagen formuliert sein, beispielsweise die Reduzierung der maximalen Anzahl von Kindern die zeitgleich betreut werden darf.“ Diese unterscheiden sich beispielsweise je nach Wohnverhältnissen der Tagesmutter.

Auch der Preis für einen Ganztagesplatz ist nahezu identisch – egal, ob Kinderkrippe oder Tagesmutter. Ebenso läuft die Unfallversicherung der Tagesmütter über das Jugendamt, so sind sie im Ernstfall abgesichert. „Der einzige Unterschied zur Krippe besteht darin, dass die Kinder bei der Tagesmutter in einer familienähnlichen Struktur und im privaten Umfeld betreut werden“, so Hochschwarzer.

Im Januar hat das Kinderbüro in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe und der Behindertenbeauftragten des Landkreises Barbara Juchem das Projekt „Inklusion in der Kindertagespflege“ gestartet. Elf Tagesmütter haben sich im Rahmen einer 80-stündigen Weiterbildung auf die Betreuung von Kindern mit Behinderung vorbereitet. Hierbei geht es vor allem um die Betreuung von sehr kleinen Kindern und im Anschluss an die heilpädagogischen Tagesstätten. „Gerade für Kinder mit Behinderungen ist eine individuelle Betreuung besonders wichtig“, betont Hochschwarzer.

Qualifiziert und flexibel

Insgesamt sieht Hochschwarzer die Tagesmütter als „qualifiziertes, flexibles und familien- ähnliches Angebot und somit eine gute Ergänzung zu den Einrichtungen“. Eine wichtige Aufgabe sieht Hochschwarzer für die Fachberatung Kinderbüro in Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugend und Familie jedoch noch: „Das Entgelt muss auf jeden Fall der Leistung der Tagesmütter angepasst werden.“

Das Kinderbüro ist auch während der Sommermonate besetzt und Vermittlungsanfragen werden laufend bearbeitet. Damit auch zukünftig Betreuungsanfragen – im gesamten Landkreis – zügig bearbeitet werden können, startet das Kinderbüro Landsberg Ende September die nächste Ausbildung für Tagesmütter.

Astrid Erhard

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