Erneute Mahnung:

Zu wenig bezahlbarer Wohnraum

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Sozialer Wohnraum – wie beispielsweise am Wiesengrund – ist knapp im Landkreis, das hat nun eine Tagung im Sportzentrum ergeben.

Landsberg – Er hat nicht viel bewirkt, der Freisinger Appell, den der Bezirk Oberbayern und die Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe im Juni 2015 formuliert hatten. Wir brauchen mehr Bauland, weniger Auflagen, mehr Zuschüsse und mehr Kooperationen, um schnell Wohnraum für Menschen am unteren Ende der Einkommensskala zu schaffen, hieß es vor zwei Jahren. Doch heute ist die Lage eher noch schlimmer. Im Landsberger Sportzentrum tagte man nun in ähnlicher Zusammensetzung und mahnte erneut.

Zwar konnten die 200 Teilnehmer aus ganz Oberbayern auch Positives verzeichnen, beispielsweise die zwischenzeitliche Einführung der „Sozialen Bodenordnung (SoBoN)“ in Landsberg und den Bau von Sozialwohnungen in Kaufering. Ausgehängte Übersichten zeigten, dass der Landkreis Landsberg in mancher Hinsicht nicht so schlecht dasteht wie andere Kreise, etwa bei der Unterbringung von Obdachlosen. Aber letztlich ist die große Lücke unübersehbar: Während die Baukonjunktur boomt, nimmt die Zahl der Sozialwohnungen ab, weil viele ältere Objekte aus der Mietpreisbindung herausgefallen sind.

Drei Akteure

Es gibt drei potentielle Akteure, die neue preisgünstige Wohnungen schaffen können: Die private Bauwirtschaft, die Kommunen und soziale Träger inklusive Genossenschaften. Von der Bauwirtschaft sei nach Übergang des Themas „geförderter Wohnungsbau“ vom Bund auf die Länder und dem Wegfall von steuerlichen Vergünstigungen nicht viel zu erwarten; private Bauträger zahlen viel Geld für Bauland, müssen hohen gesetzlichen Baustandards genügen und verzeichnen genug Nachfrage nach hochpreisigen Wohnungen. „Eine Fehlentwicklung“, begünstigt durch die niedrigen Zinsen für Darlehen und die höhere Liquidität der heutigen Erbengeneration.

Günther Bauer, der Vorstand der Inneren Mission München (wozu auch die „Herzogsägmühle“ gehört), forderte daher die Kommunen und Sozialen Träger auf, in die Bresche zu springen. Preisgünstiger Wohnraum werde nicht nur für Empfänger staatlicher Transferleistungen benötigt, sondern beispielsweise auch für Pflegepersonal (wegen der niedrigen Gehälter), psychisch Kranke nach ihrer Genesung und nicht zuletzt Migranten. Gefordert seien nicht nur die Städte, sondern auch ländliche Gemeinden, sagte Bezirkspräsident Josef Mederer – „Wohnungslosigkeit entsteht auf dem Land genauso wie in der Stadt“; erforderlich sei eine „flächendeckende“ Lösung.

Langfristige Bindung

Bauer sah aber auch gemeinnützige Organisationen, Pen­sionskassen und Genossenschaften in der Pflicht zu sozialem Wohnungsbau. Faktisch unterstützte er damit die Überlegungen, die der Landsberger Stadtrat seit Monaten entwickelt. Der Plan lautet: Grundstücke preiswert an soziale Träger (oder sogar eine eigene Wohnungsbaugesellschaft) abgeben und sie verpflichten, mit langfristiger Mietpreisbindung günstigen Wohnraum zu erstellen. Allerdings muss eine Stadt dann wohl hehre Gestaltungsideen beiseitelassen, durch die Aspekte des Städtebaus wie „Bildung eines attraktiven Stadt-Entrees“ (Stichwort: Wiesengrund) an Bauträger delegiert werden.

München und das Umland sei „die wirtschaftsstärkste Region Deutschlands mit dem größten Bevölkerungszuwachs und der geringsten Arbeitslosigkeit“. Damit sei sie aber auch ein „Magnet“; der Zuzug sprenge alle bisherigen Dimensionen. Dafür sei die Infrastruktur sowie die Bewirtschaftung und Beplanung der endlichen Großstadtfläche ungenügend gerüstet, hieß es im Freisinger Appell, auf den Josef Mederer immer wieder hinwies. Das sei heute unverändert so; es habe sich nichts geändert. Und deswegen würden der Bezirk und die Sozialverbände nun erneut Alarm schlagen. Alleine in München seien 8.000 Menschen wohnungslos. In Oberbayern fehlten 200.000 günstige Wohnungen. Und der Bedarf sei stark steigend. 

Werner Lauff

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