Wenn Bäume sprechen

»Talking Trees« von Enjott Schneider – die Welturaufführung 2021 in Landsberg

Gitarrist Christian Gruber aus Landsberg
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Christian Gruber (Foto) und sein Gitarrenduo-Kollege Peter Maklar von Gruber & Maklar bringen 2021 eine Welturaufführung nach Landsberg.

Landsberg – Bäume kommunizieren. Sie informieren ihre Nachbarn über das „Wood-Wide-Web“, ein Pilznetz im Boden, warnen sich gegenseitig vor gefräßigen Rehen oder locken Feinde ihrer Feinde an. Angeblich geben Wurzeln sogar knackende Geräusche von sich. Nicht beim Wachsen, sondern einfach so. Vielleicht erzählen sie Geschichten? Die der Mensch leider nicht hören, geschweige denn verstehen kann. Was sie erzählen könnten, hat der Komponist Enjott Schneider in die universelle Sprache der Musik übersetzt: mit seinem Zyklus „Talking Trees“ – ein Baum, ein Stück. Die ersten 13 waren 2009 zu hören. Im kommenden Jahr sollen in Landsberg die restlichen acht Baumbilder uraufgeführt werden. Dabei federführend: das Landsberger Gitarrenduo Gruber & Maklar.

„Es war nach dem ersten Festival Faszination Gitarre 2009 in Landsberg, da waren wir mit Enjott im Gespräch“, erzählt Christian Gruber. Der Grund: Das Gitarrenduo hatte zwei restaurierte Quintbassgitarren der Gitarrenbauerdynastie Hermann Hauser. „Und die haben wir Enjott dann vorgestellt. Daraufhin hatte er die Idee zum Talking-Tree-Zyklus.“ Die Inspiration dafür habe der Münchener Komponist von dem keltischen Baumhoroskop, das Jahresabschnitten Bäume mit bestimmten Charakteren zuordnet – insgesamt 21. Die Birke gilt als ehrgeizig, die Buche als empfindsam. „Aber die ‚Talking Trees‘ zeigen eher Enjotts Sicht auf das Thema Bäume“, erklärt Gruber. Er könne Schneiders ‚Kompositionsaussagen‘ nachempfinden. „Bei der Tanne sehe ich den Baum im Winter vor mir, mit Frost überzogen. Die Esche ist lebhaft, das Hängende, Traurige der Weide drückt Enjott für mich sehr gut aus.“ Nur Schneiders verhaltener „Apfelbaum“ passe nicht zu seinem Apfelbaum-Bild. Für Gruber kein Grund, Schneiders Musik nicht zu spielen – im Gegenteil: „Seine Musik ist großartig. Sie klingt immer perfekt.“ Vor allem die Idiomatik der Instrumente, das Besondere jedes Klangs, könne Schneider herauskitzeln. Manch ein Komponist habe ja Probleme mit der Gitarre. Schneider selbst spiele sie auch nicht. „Aber er hat eine Gitarre zuhause und probiert damit den Klang aus.“

Der Komponist Enjott Schneider arbeitet eng mit dem Landsberger Organisten und Dirigenten Johannes Skudlik zusammen. Und von dem sei damals auch die Empfehlung gekommen, sich wegen einer Komposition für das Gitarrenduo an Schneider zu wenden, erzählt Gruber. Schneiders erste 13 Kompositionen führten Gruber & Maklar dann 2009 in der Säulenhalle auf, zusammen mit einem Ensemble. Es seien eher meditative Stücke gewesen, erinnert sich Gruber. Für die im August geplante Uraufführung der neuen Baumbilder im Rathausfestsaal werde Schneider auch Zwischenstücke komponieren, die eine virtuosere Seite zeigten, verspricht der Landsberger Gitarrist.

Konzertiert werde im Duo, teils mit Quintbassgitarren, aber auch im Ensemble – ein mit Klarinette, Harfe, Bratsche und Cello eher ungewöhnlich besetztes. Dafür gebe es ja normalerweise keine Literatur, sagt Gruber. Aber da das Gitarrenduo heuer 35-Jähriges feiert und Schneider seinen 70. Geburtstag, schreibt der Komponist den Musikern die Noten sozusagen auf den Leib. „Das ist erhebend, in so einem Ensemble solche Musik spielen zu können“, freut sich Gruber. Und vielleicht könne ja auch ein kleines Festival übers Jahr hinweg mit weiteren Konzerten, Lesungen, Ausstellungen Wanderungen zum Thema Bäume entstehen. Das wäre heuer, im Landkreis-Jahr der „Alten Bäume“ – natürlich ideal gewesen. Aber Gruber ist froh, nicht so geplant zu haben. 2021 können sicher mehr Menschen den „Sprechenden Bäumen“ lauschen.

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