Das Klostereck feierte am Freitag seinen ersten Tangoabend

Con Pasión: Milonga im Klostereck. Am 11. August geht‘s weiter

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Das Klostereck wird zur Milonga: Susan Ruiz und Toni Milone zeigten Tango Argentino in Vollendung.

Landsberg – „Eine Milonga“ –das ist mehrdeutig. Einerseits heißt so ein Tangostil. Es ist aber auch die Veranstaltung, auf der Tango getanzt wird. Und es bezeichnet den Ort der Veranstaltung. Am Freitagabend wandelte sich das Klostereck zur Milonga. Was zahlreiche Tanzpaare nutzen, um der Leidenschaft des Argentinischen Tangos zu frönen. „Pasión“ im Blumenladen: Ein Abend mit einzigartiger Stimmung.

Schon vor dem Eintreten bringen Tangoklänge das Blut in Wallung. Innen wird der Boden mit Talkum bestreut. Damit die Sohlen besser greifen. Später wird er an den Hosenbeinen der Profis haften. Von den aufmüperischen Ornamenten der Damen dorthin transportiert. Die ersten Gäste schauen schüchtern. Aber schnell füllt sich die ehemalige Kapelle. Ein Pärchen im Schlabberlook, andere tragen Jeans. Einige sind richtig schick. Samt Stoffbeutel, aus dem sie ihre Tanzschuhe ziehen.

Die meisten der Tänzer scheinen Kenner. Und vor allem Könner. Wie zum Beispiel Initiator des Tango-Fiebers Klostereck, Alexander Hupfer: „Wir leben in Landsberg und müssen zum Tangotanzen nach München fahren.“ Grund genug, in Landsberg Tangoabende zu etablieren. Und zwar im klassischen Stil des Argentinischen Tangos. Tango Nuevo hat keine Chance.

Dass Hupfer und Freundin Hildegard Schwade den Tango Argentino beherrschen, zeigt sich schnell. Und dass das Tanzen in der Familie liegt, beweist Sohn Martin, wenn er mit seiner Mutter tanzt – in bestechender Eleganz: Die Oberkörper nah beieinander, folgt sie ihm auf jeden sanften Druck, jede Berührung – wie es beim Tango sein soll. Alle drei haben Unterricht bei Susan Ruiz und Toni Milone – ein Ehepaar, das auch schon Weltmeisterschaften getanzt hat. Die beiden stammen aus Caracas. Er war ihr erster Tangolehrer. Um den „echten“ Tango zu lernen, gaben sie ihre Jobs auf und zogen nach Argentinien. Und schließlich nach München.

Alexander hat die beiden ins Klostereck mitgebracht. Wo sie ihr Können in allen drei Rhythmen des Argentinischen Tangos – dem spielerischen Milonga, dem romatischen Vals und dem strengen, leidenschaftlicheren Tango selbst – vorführen. Sie zeigen, was Tango bedeutet: eine innige Beziehung zwischen beiden Tanzpartnern. Oder wie Toni es formuliert: „Jede Bewegung hat seine Geschichte. Tango, das ist zwei Körper, vier Füße und eine Seele!“

Tango entstand in Argentinien in den 20ern. Ein Mix aus Schritten, Musik, Instrumenten und Erfahrungen der Immigranten. Während der Dikatur war er verboten. Weshalb er sich eines Slangs, des „Lunfardo“, bediente, um die Worte vor Polizei und Regierung zu verbergen.

Tango hat keine festgelegten Figuren. Es gibt den Grundschritt, darauf wird improvisiert. Und wenn der Mann den Fuß der Frau umgarnt, kann sie ein Ornament ausführen – wie dieses aufbegehrende Kicken des Fußes, auch „Mordida“, Biss, genannt. „Das war vor 100 Jahren ein sehr intimer Moment“, erklärt Susan. Der aber auch die Stärke der Frau zeige. Eine Art Spiel. Tango ist für Susan „eine Konversation, wie Kaffeetrinken“. Aber natürlich voller Leidenschaft. Über den Winter zieht das Ehepaar nach Italien, wo Toni Vorfahren hat. Denn Susan ist schwanger: „Das Kind tanzt von Anfang an mit“, lacht sie.

Beim nächsten Tangoabend im Klostereck werden Hildegard und Alexander Tipps geben, wenn gewünscht. Wer den glutvollen Tanz von der Pike auf lernen will, hat im Herbst die Chance. Wenn die beiden einen VHS-Kurs für Anfänger anbieten. Und wer ganz mutig ist, geht am 11. August ins Klostereck. Und fragt Herrn oder Dame nach einer ersten Einweisung in die Lust des Tangos. In die Kunst der tanzenden Konversation.

Susanne Greiner

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