Tankstellen-Neubau gescheitert

Je billiger das Benzin, desto größer ist der Ansturm auf die Bavaria Petrol-Tankstelle an der Augsburger Straße. Foto: Peters

Montagmorgen auf der alten B17 kurz nach der Kreuzung Augsburger Straße/Hindenburgring: In Richtung Norden stauen sich die Autos, dabei hat die Ampel längst auf Grün geschaltet. Der Grund für das Verkehrschaos offenbart sich rund 200 Meter weiter. Weil zu Beginn der Woche die Spritpreise regelmäßig deutlich sinken, herrscht Hochbetrieb an der kleinen Bavaria Petrol-Tankstelle. Der Ansturm ist so groß, dass die Schlange der wartenden Autofahrer bis auf die B 17 reicht und dort den nachfolgenden Verkehr lahmlegt. Ein größerer Neubau der Tankstelle soll nun nach dem Willen der Mineralölgesellschaft Abhilfe schaffen. Diese hatte die Rechnung freilich ohne den Bauausschuss der Stadt Landsberg gemacht: Das Gremium lehnte den Antrag in seiner jüngsten Sitzung überraschend mit 8:7 Stimmen ab.

Karl Strenz ist der Ärger anzuhören, den der Geschäftsführer der Bavaria Petrol Gesellschaft ob der Entscheidung empfindet. „Ich finde es unmöglich“, wettert er. „Wir haben mit viel gerechnet, aber nicht damit.“ Für Strenz ist es nicht der erste Rückschlag im Kampf um einen Neubau der Innenstadt-Tankstelle. Seit zwei Jahren bemüht sich das Unternehmen um die Genehmigung, immer wieder sei man vertröstet worden. Zwei Millionen Euro will die Mineralölgesellschaft investieren, um die in die Jahre gekommene Tankstelle zu modernisieren und zu vergrößern. Statt vier soll die neue Anlage über sechs Zapfsäulen verfügen. Um mehr Platz zu schaffen, sehen die Pläne vor, den Neubau weiter in Richtung Bahnlinie zu verlagern. Mehr als verdreifachen soll sich in diesem Zug die Größe des Kassengebäudes, das dann eine Verkaufsfläche von 156 Quadratmetern bieten würde. Problematisch macht die Erweiterung, dass die Tankstelle gemeinsam mit dem Dänischen Bettenlager und dem Altenpflegeheim „Tannenhain“ auf einem Grundstück liegt und sich alle drei Einrichtungen Ein- und Ausfahrt teilen. So sei es in der Vergangenheit immer wieder zu Staus gekommen, weil Zuliefer-Lkws des Bettenlagers und Tankwagen nicht auf das Gelände fahren konnten, erklärte Alfred Ganzenmüller, Referatsleiter der Technischen Bauaufsicht. Dies habe insbesondere die Polizeiinspektion Landsberg bemängelt und Verbesserungen gefordert. Dies habe man in der neuesten Planung umgesetzt, in dem man Stellplätze auf der Süd-Seite des Bettenlagers entfernt habe, um eine breitere Spur für Lkws zu schaffen. Zudem sei der Betreiber der Tankstelle verpflichtet worden, eine Fahrspur im Bereich der Zapfsäulen-Überdachung für wartende Lastwagen zu reservieren. Wie Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) in der Sitzung betonte, sei damit einem „wesentlichen Einwand Rechnung getragen“ worden und das Bauvorhaben „planungsrechtlich zulässig“. Da der Bauwerber damit einen Rechtsanspruch habe, käme man an einer Baugenehmigung „nicht vorbei“, betonte das Stadtoberhaupt. Die südlichen Anwohner an der Augsburger Straße sahen das freilich anders. Schon während der Planungen hatten sie gegenüber der Stadt Ihre Bedenken geäußert, am Mittwochmorgen, dem Tag der Bauausschusssitzung, wandten sie sich über ihren Anwalt Dr. Florian Kappes noch einmal per Email direkt an die Mitglieder des Gremiums. Darin bezweifeln die Anwohner unter anderem, dass es durch die Erhöhung der Anzahl der Zapfsäulen zu einer Verbesserung der Verkehrssituation kommt, wie es Strenz ankündigt. Es sei „vielmehr zu erwarten, dass sich aufgrund der gleichbleibenden Anzahl von nur einer Einfahrt und einer Ausfahrt die Rückstausituation eher noch verschärft“. Bei manchem Mitglied des Bauausschusses schienenen die Argumente der Gegner durchaus bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. „Wir müssen uns fragen, ob es zu unserer politischen Richtung passt, einen neuen Anziehungspunkt für Autos zu schaffen“, gab etwa Jonas Pioch (Landsberger Mitte) zu bedenken, auch wenn ihm klar sei, dass „rechtlich nur schwer etwas zu machen ist“. Sigrid Knollmüller (CSU), 3. Bürgermeisterin der Stadt, fürchtete vor allem um die Sicherheit der Fahrradfahrer und Fußgänger, denn schon jetzt sei die „lebensgefährliche Einfahrt“ ein „gewaltiges Problem“. Ernst Müller, Leiter des Ordnungsamtes, versuchte, die Bedenken zu zerstreuen. Die Situation an der Ein- und Ausfahrt sei auch jetzt schon problematisch, dies würde sich durch den Neubau zwar nicht verbessern, aber auch nicht verschlechtert, betonte er. Auch den Rückstau würde man durch die Erweiterung der Tankstelle wohl nicht ganz vermeiden können, gab er zu, aber durch das Mehr an Zapfstellen könnten die Autofahrer immerhin deutlich schneller abgefertigt werden: „Die Situation ist daher nach dem Umbau viel besser als jetzt.“ Klage wahrscheinlich Doch so sehr Müller und Lehmann sich mühten, acht Mitglieder des Gremiums – und damit die Mehrheit – teilten diese Ansicht nicht und stimmten gegen den vorgelegten Bauantrag. Ob diese Entscheidung allerdings allzu lang Bestand haben wird, ist mehr als fraglich. Strenz: „Wir werden alle Mittel ausschöpfen, um unser Recht einzuklagen.“

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