Bus und Taxi raus, Radler rein

Architekt Axel Lohrer erhielt von Professor Joachim Vossen die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung überreicht. Foto: Peters

Es war zweifellos ein Rückschlag für Oberbürgermeister Ingo Lehmann, als vor zwei Wochen die Bürgerinitiative „Pro Hauptplatz“ die für ihr Bürgerbegehren erforderliche Anzahl von Unterschriften im Bürgerbüro ablieferte. Denn seitdem ist klar, dass nichts klar ist, denn sollten die Bürger im Februar der Argumentation der Initiative, die sich gegen eine Verlegung der Straße von West nach Ost ausspricht, folgen, wäre der bislang favorisierte Entwurf 2 für den Hauptplatzumbau hinfällig und damit auch alle bereits erfolgten Planungen. Stoppen wolle und könne man diese aber deswegen nicht, machte Lehmann am Dienstag voriger Woche klar, als im Vortragssaal des Sportzentrums die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung an Architekt Axel Lohrer übergeben wurden.

Über 80 Bürger, darunter Einzelhändler, Senioren und Menschen mit Behinderung, hatten sich in den Wochen zuvor unter der Leitung von Professor Joachim Vossen in verschiedenen Arbeitsgruppen getroffen, um ihre Anliegen und Bedenken rund um Lohrers Entwurf zu formulieren. Viele waren auch am Dienstag erschienen, als Vossen die Ergebnisse offiziell an den Architekten übergab und gleich­zeitig die wichtigsten Themen noch einmal zur Diskussion stellte. Straßen sperren? Unangefochten an der Spitze der Rangliste, die in den Arbeitsgruppen mittels eines Punktesystems erstellt worden war, stand die zukünftige Verkehrssituation in der Salzgasse sowie der Ludwig- und der Herzog-Ernst-Straße. Die schwierige Anbindung der Straßen an die neue Trassenführung im Osten ist eines der Hauptargumente der Bürgerinitiative gegen eine Straßenverlegung. OB Lehmann sprach sich nun dafür aus, zukünftig in allen drei Straßen gänzlich auf Autoverkehr zu verzichten. Schon jetzt seien die Stadtbusse und Taxis in der Fußgängerzone ein „Ärgernis“, erklärte Lehmann, der in diesem Punkt eine „breite Mehrheit im Stadtrat“ hinter sich wähnt. Die Komplettsperrungen der Salzgasse während der Umbauphase an der Lechbrücke sowie der Herzog-Ernst-Straße aktuell während des Christkindlsmarktes hätten sich zudem als unproblematisch erwiesen. „Da ist keine Killer-Frage für den Umbau des Hauptplatzes dabei“, stellte das Stadtoberhaupt fest. Parkplatzsituation Überraschend auf Platz zwei der Rangliste tauchte die Frage nach öffentlichen Sitzgelegenheiten auf, was dem Architekten jedoch nicht allzu viel Kopfschmerzen bereitete. Er versprach, für eine ausreichende Anzahl zu sorgen. Wesentlich kontroverser gestaltete sich dagegen die Frage nach den zukünftigen Parkmöglichkeiten. Die von Lohrer vorgesehenen Kiss-and-Ride-Parkplätze mit einer maximalen Parkdauer von drei Minuten erschien vielen der Arbeitsgruppenteilnehmern als zu gering. Kleine Besorgungen oder die Begleitung eines älteren Menschen zum Arzt seien dadurch nicht mehr möglich, schilderte Vossen, der die Veranstaltung moderierte, die Bedenken. Lehmann sprach sich daraufhin für ein eingeschränktes Halteverbot aus, das eine Parkzeit von zehn Minuten ermögliche, verteidigte jedoch gleichzeitig das Konzept, prinzipiell auf Kurzzeitparkplätze zu verzichten: „Je attraktiver wir die Parkplätze machen, desto mehr Verkehr gibt es. Da beißen sich zwei Ziele.“ Einzelhandel In diesem Zusammenhang ging der OB auch auf die Befürchtung ein, der Umbau samt Verlust der Parkplätze könne dem Einzelhandel schaden. „Ich bin überzeugt, dass durch die Verbesserung des Hauptplatzes sich auch die Situation des Einzelhandels verbessert.“ Das Stadtoberhaupt erinnerte daran, dass es die selben Bedenken schon bei Einführung der Fußgängerzone gegeben hatte. „Was ist passiert? Seitdem haben die Ladenmieten deutlich zugenommen.“ Auf den Einwurf von Bernd Großmann, Landschaftsarchitekt und Mitglied des Gutachtergremiums zum Hauptplatzumbau, dass die Tiefgaragen schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen stießen, verwies Lehmann auf bereits vorliegende Erweiterungspläne für die Lechgarage. Zudem gebe es Überlegungen, den Stadtbus durch eine neue schnelle Linie vom Landsberger Osten bis zum Bahnhof Kaufering zu stärken. „Bevor wir aber was machen, wollen wir erst das Verkehrskonzept abwarten.“ Straßenverlegung Natürlich musste Lohrer an diesem Abend auch noch einmal Stellung zur geplanten Straßenverlegung beziehen. Für ihn sei das Zusammenspiel des neuen Hauptplatzes mit der Fußgängerzone und der dadurch ge­wonnene Platz im Vordergrund gestanden, begründete der Architekt. „In meinen Augen ist die Verkehrsführung daher ein großer Gewinn.“ Vielen der Anwesenden sprach Lohrer damit aus der Seele, wie sich am anschließenden Beifall zeigte. Dass der gewonnene Platz in Zukunft gemäß des „shared space“-Prinzips auch Radfahrern offen stehen soll, bestätigte Lehmann, selbst wenn die rechtliche Grundlage dafür noch fehle. „Wir werden es daher formal verbieten müssen, aber der Ordnungsdienst wird nicht eingreifen.“ Auch über eine Lockerung des Verbots in der Fußgängerzone werde man in diesem Zug nachdenken. Kommen die Bäume? Noch nicht endgültig entschieden ist das Thema Bäume auf dem neugestalteten Platz. Die ursprünglich von Lohrer vorgesehenen Bäume waren von den Gegnern des Entwurfs scharf kritisiert worden, da diese um das Bild der historischen Altstadt fürchten. Auch das Gutachtergremium sprach sich gegen die geplante Begrünung aus, wie Großmann in Erinnerung rief. Für Lehmann sind sie dagegen ein „Beitrag zur Aufenthaltsqualität“. Was störe, konterte der OB die Kritiker, seien doch „nicht vier Bäume, sondern zu viele Autos.“ Bis März hat Lohrer nun Zeit, seinen Vorentwurf fertigzustellen und dabei die erarbeiteten Anliegen der Bürger einzuarbeiten. Ob der Architekt seine Arbeit darüber hinaus wird fortsetzen können, entscheidet das Bürgerbegehren.

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