Tajik Rallye 2014

"Wenn wir schon mal in der Gegend sind…"

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In Georgien eine Straße „leicht“ unterschätzt: Da bleibt nichts anderes übrig, als das Auto wieder aus dem Bach zu schieben.

Landsberg – Eine große Party zum Abschied, eine große Party zur Rückkehr – und dazwischen 12000 Kilometer mit unvergesslichen Erlebnissen jeder Art: Das Team Lec-Blech ist von der diesjährigen „Tajik Rallye“ zurück in Landsberg. „Die Autos blieben vereinbarungsgemäß in der Hauptstadt Duschanbe“, erzählt Mitinitiator Andreas Seefelder.

Ob dort bei der Versteigerung für einen guten Zweck alles mit rechten Dingen zuging, will man jetzt möglichst noch aufklären, „das war ein bisschen dubios“, erinnert sich Seefelder. Dennoch dominieren „eindeutig“ die positiven Erinnerungen an die Reise, auf die sich nicht jeder wagt. Die Landsberger machten sogar eine kleine Extra-Runde, so viele Kilometer wie „Lech-Blech“ brachte kein anderes Team auf den Tacho. Der Grund: „Wir haben den Weg über Wolgograd genommen und sind damit ein Riesen-Eck ausgefahren. Aber wir dachten uns, wenn wir schon einmal in der Gegend sind, schauen wir uns das auch an.“ Was von dort hängen blieb, sind vor allem „wahnsinnig viele große Statuen“, wie sich der 29-Jährige erinnert. „Von Stalin ist nichts mehr zu sehen, aber Lenin scheint wieder sehr im Kommen zu sein“.

12000 Kilometer unvergessliche Erlebnisse

Zwischenfälle blieben in den Wochen Richtung Zentralasien nicht aus, ernste Probleme waren glücklicherweise nicht dabei, so Seefelder. „Am Auto fällt bei den Straßen schon einmal ein Auspuff ab, aber da gibt es in jedem Dorf eine Werkstatt. Da arbeitet immer einer, der aus Nichts noch etwas macht.“

An der afghanischen Grenze fuhr man zwar zügig vorbei, blieb aber unbehelligt, in Kirgisistan machte man sich dafür ein Problem eher selbst. Erst, als man mit beiden Autos bereits an ein Flussufer hinuntergerollt war, um dort zu übernachten, fragte sich das Quintett, ob man am nächsten Morgen mit den Kleinwagen überhaupt wieder den steilen Hang zur Straße hinauf kommen würde. Ergebnis der sofortigen Generalprobe: „Wir kamen nicht hin­auf, zum Glück kamen zwei Tschechen mit einem Geländewagen vorbei, die uns hochgezogen haben.“

Was den Landsbergern in allen Ländern auffiel, war neben „den wahnsinns Landschaften“ die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Das ist nach unseren Maßstäben kaum vorstellbar“, sagt Andi Seefelder, „ein- mal ist ein Mann eine Dreiviertelstunde vor uns mit dem Auto hergefahren, um uns zu zeigen, wo wir hin müssen und dann den ganzen Weg wieder zurück.“

Ähnlich ein Erlebnis in Bischkek: Bei der Suche nach einem Hotel in der kirgisischen Hauptstadt half dem Team ein Einheimischer, der ein paar Brocken Deutsch sprach und klapperte mit den Landsbergern einige Freunde und Gasthäuser ab; zum Schluss gab’s ein gemeinsames landestypisches Abendessen.

Lediglich die Ordnungshüter zeigten sich nicht immer von ihrer nettesten Seite – und das gleich in mehreren Ländern. „Viele wollten einfach nur Geld von uns“, sagt der Diplom-Ingenieur, „die Korruption bei der Polizei ist sehr groß, ich nehme an, die verdienen da einfach sehr wenig.“ Die extremsten Erfahrungen in dieser Richtung gab es in Kasachstan („Da ist einfach überall Polizei, sogar in den einsamsten Gegenden.“), auf offener Strecke wurden die Autos angehalten und zur Zahlung von 300 Dollar aufgefordert, ansonsten werde man „die Führerscheine nach Deutschland schicken“.

Mit dem Verweis auf den guten Zweck der Rallye (zugunsten von Kindern in Tajikistan) kam die Truppe meistens ohne Zahlung von Schmiergeld davon, mit Ausnahme der Grenze von Russland nach Kasachstan, „da mussten wir 20 Dollar zahlen, sonst hätten die uns einfach nicht weiterfahren lassen.“

Nur dreimal in über vier Wochen leistete man sich den Luxus einer Hotelübernachtung, ansonsten campierte man in der Wildnis. Die Körperhygiene unterliege da durchaus Einschränkungen, erinnert sich Andreas Seefelder, „man schraubt die Erwartungen zurück, außer Zähneputzen und ein bisschen Oberkörper waschen ist nicht mehr drin, aber man merkt's dann irgendwann auch nicht mehr.“ Tramper dagegen schon: „In Istanbul haben wir einen mitgenommen, der hat uns deutlich darauf hingewiesen, dass es im Auto ganz schön streng riecht.“

Da liegt die Frage nahe, ob man sich eine so Reise mit derlei Strapazen und Kosten von rund 9000 Euro erneut antut. Überraschenderweise scheint man dem bei „Lech-Blech“ nicht einmal abgeneigt, wenn man Andreas Seefelders Überlegungen als Beispiel nimmt. „Im nächsten Jahr will ich ganz sicher normalen Urlaub machen, aber vielleicht fahre ich schon in zwei Jahren wieder mit. Wo kann man schon sonst so viel in so kurzer Zeit sehen und erleben.“

Christoph Kruse

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