Ziel in Duschanbe

Eine Rallye ohne Route

+
„Team Lechblech“ ist bereit für das große Abenteuer (von links): Bernhard Germscheid (oben), Andreas Seefelder, Fabian Hauk, Veit Siara und Karl Nusser.

Landsberg – Über ein halbes Jahr haben die Vorbereitungen gedauert, am Sonntag geht es endlich los: Mit knapp 30 anderen Autos macht sich das „Team Lechblech“ mit fünf Landsbergern auf eine abenteuerliche Reise. Sie wollen nach drei bis vier Wochen bei der „Tajik Rallye“ nach 10000 Kilometern in die tad­schikische Hauptstadt Duschanbe erreichen.

So ganz normal ist das zweifelsohne nicht, was Andreas Seefelder und seine Freunde vorhaben. Das wissen die fünf im Alter zwischen 23 und 29 Jahren, durchaus selbst. Schon auf ihrer Website gestehen sie freimütig ein, dass man für das Unterfangen zwei „komplett ungeeignete, betagte Autos“ hergerichtet hat, die nach den Teilnahmebedingungen nicht mehr als 1,2 Liter Hubraum haben dürfen.

Doch selbst, wenn man die Strecke nicht mit einem schwachbrüstigen Kleinwagen, sondern mit einem Geländewagen in Angriff nehmen würde, wäre sie eine Herausforderung. Wobei die Frage noch ist, welche Strecke damit überhaupt gemeint ist. Denn es gibt zwar einen gemeinsamen Startort (München) und das Ziel Duschanbe, wie die Teams aber dorthin kommen, ist laut Veranstalter ihre eigene Sache. Es ist keine Route vorgeschrieben (nicht einmal empfohlen), die Teilnehmer müssen sich neben der Streckenplanung auch um Visa, Impfungen, Rückflug und alles andere kümmern. Übernachtet wird voraussichtlich im Zelt unter freiem Himmel, ansonsten ist noch nicht ganz klar, was das Landsberger Quintett genau erwartet.

Das mache wiederum einen Großteil des Reizes aus, sagt Andreas Seefelder. „Wir freuen uns auf Leute und Landschaften, die man ansonsten vermutlich im Leben nie sehen würde und darauf, dass wir losfahren ohne zu wissen, was passiert.“ Klar ist, dass die beiden Suzukis in große Höhen hochschnaufen müssen. Welchen Weg „Lechblech“ letztlich auch wählen wird, es dürfte auf Pässe über 4000 Meter gehen.

An der Grenze entlang

Sicher ist auch, dass man die Ukraine angesichts der derzeitigen Unruhen meiden wird. Ansonsten sollten keine größeren politischen Gefahren zu umschiffen sein, hofft der Diplom-Ingenieur. „Wir wollen über Georgien an der tschetschenischen Grenze entlang. Laut Auswärtigem Amt gibt es dort eine einzige sichere Straße. Übernachten sollte man aber auch da nicht.“ Richtig bergig und kalt dürfte es in Kasachstan werden – was die Planungen nicht einfacher macht, da der Platz für das Gepäck stark eingeschränkt ist. „Man überlegt sich schon genau, was man mitnimmt“, so Seefelder. „Für eine Unterhose pro Tag wird’s jedenfalls nicht reichen.“

Auch wenn man sich spontan entschlossen hatte, an der Rallye teilzunehmen, nachdem Fabian Hauk von seinen Erfah­- rungen der „Tajik 2013“ berichtet hatte, geht’s keineswegs nur um die Gaudi. Hauk will diesmal unbedingt das Ziel erreichen. Die Gesamtkosten von 10000 Euro wird man zwar durch Sponsoren nicht annähernd decken können, das war laut Seefelder auch nie das Ziel, „wir wollten nie einen Gratis-Urlaub zusammenbekommen.“ Sollte man Duschanbe mit den beiden Autos tatsächlich erreichen, werden sie dort für einen guten Zweck versteigert. Der Veranstalter betont außerdem, dass der gesamte CO2-Ausstoß, der durch die Rallye verursacht wird, durch Investitionen in nachhaltige Umweltprojekte ausgeglichen werde.

„Team Lechblech“ hat zudem auf seiner Website die Möglichkeit eingerichtet, an zwei humanitäre Projekte zu spenden. Die Mutter eines teilnehmenden Studenten hat sich daran jetzt mit 50 Euro beteiligt, aber eine kuriose öffentliche Erklärung angefügt: Es handele sich „lediglich um Bestechungsgeld“, damit „Häschen“ vor der Abfahrt noch sein Zimmer aufräumt.

Sie und alle anderen Interessierten können ab Sonntag verfolgen, wo sich die Landsberger befinden: Auf ihrer Website www.lechblech.tajik-rally.com sollen Route und Standort mittels eines GPS-Trackers abgebildet werden. „Wenn wir Strom und Netz haben, wollen wir auch unsere Facebook-Seite laufend aktualisieren“, verspricht Andreas Seefelder. Mit seinen vier Mitstreitern lädt er alle Interessierten zur Verabschiedung („mit großer Autoshow“) am kommenden Freitag ab 21 Uhr in der Landsberger „Sonderbar“ ein. Die Rückkehr ist fürs die erste September-Woche geplant. Ungefähr.

Christoph Kruse

Auch interessant

Meistgelesen

Umzug startet mit Schreck
Umzug startet mit Schreck
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Hoher Schaden, keine Beute
Hoher Schaden, keine Beute
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben

Kommentare