Mehr Platz im Technologiepark:

Das Museumsdepot verkaufen?

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Im März vergangenen Jahres führte Museumsleiterin Sonia Fischer (2. v. rechts) die Mitglieder des damaligen Stadtrates durch das neu geschaffenen Museumsdepot auf dem „Technoligiepark Lechrain“.

Landsberg – Das kostet Museumsleiterin Sonia Fischer gewiss schlaflose Nächte: Noch nicht einmal zwei Jahre sind seit der Inbetriebnahme des Museumsdepots vergangen, da steht ganz offensichtlich ein Verkauf ins Haus. Wie aus Ratskreisen zu erfahren war, möchte die Stadt die Immobilie in der ehemaligen Lechrainkaserne wohl an 3C-Carbon veräußern.

Die Verhandlungen zwischen Stadt und der Carbon verarbeitenden „Firma von Weltrang“ (OB Mathias Neuner) erfolgen im Moment offensichtlich unter dem Deckmantel der absoluten Verschwiegenheit. Alles „top secret“, selbst die Ratsmitglieder waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht eingeweiht. Das könnte sich heute Abend im Stadtrat ändern: Im ersten nichtöffentlichen Tagesordnungspunkt geht es um das expandierende Unternehmen, das seinen Standort im Süden der Lechstadt zu einem „repräsentativen Firmensitz“ im künftigen „Technologiepark Lechrain“ ausbauen möchte.

Nach dem gleichnamigen Bebauungsplan, dessen Aufstellungsbeschluss der Stadtrat im Juli vergangenen Jahres gefasst hat, plant 3C-Carbon neben einem neuen Gebäude für Produktion und Verwaltung eine Kindertagesstätte und Sportanlagen für die Mitarbeiter; auch Gastronomie sowie eine Art Firmenhotel für Aufsichts- und Bereitschaftspersonal sowie Mit­- arbeiter und Gäste soll es geben. Der Umgriff des Bebauungsplangebiets mit insgesamt fast 38 Hektar reicht in der Nord-West-Ecke bis an die B17. In diesem Bereich soll dem Vernehmen nach der „repräsentative Firmensitz“ entstehen. Dort befindet sich ganz in der Nähe auch das Museumsdepot der Stadt, das im Endausbau des Technologieparks über eine eigene Zufahrt zu erschließen wäre. Eine Insellösung? Wie berichtet, möchte 3C-Carbon die restlichen Flächen der einstigen Kaserne von der Stadt kaufen.

Rund 2 Millionen Euro

Sollte das Gebäude des Museumsdepots tatsächlich den Eigentümer wechseln bleibt die Fragen, was mit den dort gelagerten Ausstellungsstücken geschehen soll. Eben das scheint im Moment offen und dürfte neben Museumsleiterin Fischer auch Kulturreferent und Bürgermeiser Axel Flörke (LLM) arg beschäftigen. Über Jahre hinweg hatte man nach einer geeigneten Unterbringungsmöglichkeit für die im gesamten Stadtgebiet eingelagerten Exponate gesucht und wurde dann im Süden Landsbergs fündig. Der Stadtrat unter Ex-OB Ingo Lehmann (SPD) sprach sich dann für den Umbau des ehemaligen Bundeswehrgebäudes aus. Allein dafür investierte die Stadt mehr als 1,1 Millionen Euro. Zählt man die aufwendige Einrichtung und Ausstattung noch dazu, dann dürfte das städtische Museums-, Archiv- und Möbeldepot mir rund zwei Millionen Euro zu Buch geschlagen haben.

Viel Geld investiert, um zwei Jahre später wieder zu verkaufen? Nicht nur bei dieser Frage wird es heute Abend im Stadtrat gewiss erhitzte Gemüter geben, auch das Thema Förder- mittel wird zu diskutieren sein: Sind diese bei einem Verkauf des Depotgebäudes in voller Höhe zurückzuzahlen? Vor allem aber bliebt die Frage: Wohin mit den Exponaten? Der KREISBOTE erfuhr kurz vor Redaktionsschluss von dem Vorgang, weshalb die Stellungnahmen beider Seiten noch nicht möglich waren. In unserer nächsten Ausgabe soll das erfolgen, sofern möglich – Grundstücksangelegenheiten sind ja nichtöffentlich.

Toni Schwaiger

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