Nur 19 Sekunden länger

Tempo 30 in Schondorf: Feinuntersuchung der Staatsstraße

Frau mit Rollator will in Schondorf über die Straße, viele Autos
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Wer die Staatsstraße 2055 im Bereich des Supermarktes überqueren muss, braucht Geduld. Über die Verkehrsproblematik hat die Gemeinde Schondorf jetzt nach einer Online-Befragung die Ergebnisse vorgestellt.

Schondorf – Rund 15.000 Autos fahren werktäglich über die Staatsstraße 2055 durch Schondorf. Viele davon, vor allem nachts, mit überhöhter Geschwindigkeit. Verständlich, dass immer wieder der Ruf nach Tempo 30 im Ortsgebiet aufkommt. Das würde bei der Sicherheit viel bringen, kaum aber etwas bei den CO²-Emissionen. Auch der Zeitfaktor ist unbedeutend. Wer mit 30 km/h anstatt mit 50 km/h durch Schondorf fährt, braucht nur 19 Sekunden länger.

Die Auswertung einer repräsentativen Online-Befragung von 587 Schondorfern ergab, dass immerhin 61 Prozent für die Einführung von Tempo 30 sind, davon votierten 43 Prozent für tagsüber und auch nachts. Das ist nur eines der Ergebnisse der von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Feinuntersuchung. Projektleiter Claus-Jürgen Grimm vom der Beratungsfirma „teamred“ stellte in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Auswertung der Fragebogen vor. Eingeladen zu der Umfrage waren 1.800 zufällig ausgewählte Bürger zwischen 14 und 80 Jahren in Schondorfer Privathaushalten. Den Rücklauf von 32,7 Prozent bezeichnete Grimm als sehr zufriedenstellend.

Als mangelhaft beziehungsweise mit Schulnote 4,5 bewertet wurde allerdings die Verkehrssituation im Bereich der Staatsstraße, also Greifenberger- und Uttinger Straße. Und zwar gleichermaßen von Autofahrern, Radlern und Fußgängern. Die Verkehrssituation im gesamten Ortsbereich bekam die etwas bessere Note 3,8. Das Hauptverkehrsmittel in Schondorf ist der Pkw. Im Schnitt hat jeder Haushalt 1,9 Kraftfahrzeuge. Bei Zweipersonen-Haushalten sind zwei Autos die Regel. 17 Prozent der Haushalte gaben an, ihren Wagen am Straßenrand abzustellen, zwei Prozent sogar mehrere Fahrzeuge.

Garage als Hobbyraum

Zu dieser Faktenlage passte die Forderung von Gemeinderat Wolfgang Schraml (Freie Wählergemeinschaft Schondorf). Er forderte die Einführung von Kontrollen und Bußgeldern, wenn Hausbesitzer ihre Garagen als Lager oder Hobbyraum zweckentfremden und ihre Autos auf Straßen und Plätzen abstellen. Bürgermeister Alexander Herrmann wies die FWS-Fraktion darauf hin, dass hier die Gemeinde weder zuständig noch dazu befugt sei.

Bei der Verkehrsmittelverfügbarkeit gaben 91 Prozent der Befragten an, ein Fahrrad zu besitzen, 17 Prozent ein E-Bike. Fahrten zur Arbeit oder Besorgungen mit dem Rad oder auch zu Fuß haben Corona-bedingt um 48 Prozent zugenommen, während die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln um 38 Prozent abgenommen hat.

Wie Grimm zusammenfasste, hat der Pkw die dominierende Bedeutung. Es würden aber auch überdurchschnittlich viele Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad oder E-Bike zurückgelegt, wobei die Staatsstraße mehrheitlich als unsicher wahrgenommen wird – obwohl sie im Bereich der Nahversorgung eine überragende Bedeutung habe. Fast jeder Bürger ist zumindest einmal pro Woche im Bereich des Edeka-Marktes. Hier wird der Wunsch nach zusätzlichen sicheren Übergängen für Fußgänger und Radfahrer geäußert. Den Bürgern sei die problematische Situation rund um die Staatsstraße bewusst. Trotzdem wünsche man sich keine „autofreie Staatsstraße“, sondern eine faire Aufteilung des zur Verfügung stehenden Raumes für alle Verkehrsteilnehmer.

Dieter Roettig

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