Wenn die magische Kugel daneben trifft

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Der Teufel (Viola von der Burg, oben) steht über allem: „The Black Rider“ mit dem Metropoltheater München.

Landsberg – Jeder kennt die romantische Oper „Der Freischütz“ von Carl-Maria von Weber: Dramatische Geschichte mit Happy End in letzter Minute. Doch die Version von Tom Waits und William S. Burroughs, die mittlerweile Kultstatus erreicht hat, zeigt, dass der Deal mit dem Teufel niemals gut ausgehen kann.

Zu erleben war dies am Mittwoch im Stadttheater, in einer bejubelten Inszenierung des Metropoltheaters München.

Die Geschichte ist hinlänglich bekannt: der Schreiber Wilhelm (Philipp Moschitz) liebt Klärchen (Sybille Lambrich), die Tochter des Erbförsters. Und genau da liegt das Problem. Der Vater will nur einen Jäger als Schwiegersohn akzeptieren, keinen, der durch sein absolut talentfreies Schießen eine allgemeine Gefahr darstellt wie Wilhelm. In seiner Verzweiflung geht dieser einen Pakt mit Stelzfuß, dem Teufel ein, der ihm magische und absolut treffsichere Kugeln verschafft.

Viola von der Burg ist ein magisch-verführerischer Teufel, angetan mit einer roten Samtrobe und heiser-rauchiger Stimme. Leider hat Wilhelm die Bedingung nicht ganz verstanden: Stelzfuß besteht darauf, die letzte Kugel selbst zu lenken und tötet so Klärchen an ihrem Hochzeitsmorgen. Wird bei Weber die tödliche Kugel noch im letzen Moment umgelenkt, trifft sie hier ihr Ziel.

Das ist umso erklärlicher, wenn man weiß, dass Burroughs 1951 seine eigene Frau im Alkohol- und Drogenrausch getötet hat, als er ihr „zum Spaß“ ein Cocktailglas vom Kopf schießen wollte. Und so sind die „Magischen Kugeln“ im „Black Rider“ gleichzusetzen mit Drogen, eindringlich vorgebracht in einem Song des Erbförsters (Ernst Mattias Friedrich).

Kommentiert wird das Geschehen vom „Oheim“ (Christian Baumann) und seinem Handlanger (Andreas Thiele). Baumann ist Conférencier, Erzähler, streut Passagen von Hemingway ein, während Thiele durch eine wandlungsfähige Gesangsstimme beeindruckt. Die beiden bilden eigene Szenen, verströmen einen Hauch von Vaudeville, Freak-Show und Räubermoritat.

Der Schwierigkeit, dass in einem deutschsprachigen Stück englische Songs seltsam unorganisch wirken, wurde hier vorgebeugt, dass die Texte – manchmal auch durchaus kurios – in einem Mischmasch aus deutsch und englisch gesprochen wurden. Wenn auch manche Figuren etwas blass wirk- ten, der Regieeinfall, Regenschirme als Gewehre, Baumwipfel, Schreibfedern und und und einzusetzen, manchmal etwas bemüht, überzeugt doch das Gesamtkonzept: Schwungvolle und originelle Choreografien (Katja Wachter), atmosphä- risch starke Bilder und tolle Songs, dargeboten von einem starken Ensemble und einer virtuosen Band, verwirbeln zu einem schrill-bezaubernden, eindrucksvollen Kaleidoskop mit durchaus pädagogischer Botschaft – ist doch der Pakt mit dem Teufel eine klare Metapher für den Pakt mit der Droge.

Ein faszinierender Abend im Stadttheater, der mit langanhaltendem Beifall und Bravo-Rufen bedacht wurde.

Patricia Eckstein

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