Lasst uns Helden zeugen! 

Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company

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Federigo (Konstantin Moreth, links) mit seiner Angebeteten Vanessa (Michaela Weingartner), deren Gatten Pantalone (Sebastian Gersch, rechts) und dem Dottore (Florian Werner).
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Macciavellis "Mandragola" im Theatergarten des Stadttheaters Landsberg
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Macciavellis "Mandragola" im Theatergarten des Stadttheaters Landsberg
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Macciavellis "Mandragola" im Theatergarten des Stadttheaters Landsberg
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Macciavellis "Mandragola" im Theatergarten des Stadttheaters Landsberg
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Macciavellis "Mandragola" im Theatergarten des Stadttheaters Landsberg
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Macciavellis "Mandragola" im Theatergarten des Stadttheaters Landsberg
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Macciavellis "Mandragola" im Theatergarten des Stadttheaters Landsberg

Landsberg – Ein heißer Tag. Und pünktlich zur Premiere des Sommertheaters „Mandragola“ beginnt es zu nieseln. Aber die Zuschauer bleiben sitzen. Und auch die Moreth Company lässt sich nicht entmutigen. Scheint am Anfang der Regen die Schauspieler etwas auszubremsen, entwickelt sich schnell der Sog der absurden Story von Macchiavellis „Mandragola“ aus dem 16. Jahrhundert: ein Stück, in dem jeder jeden hintergeht. Dazu ein grellbuntes Bühnenbild, Musik aller Stilrichtungen, überzeichnete Charaktere und viel Liebe zum Detail – ein gelungenes Rezept für eine leichte, unterhaltsame Sommerkomödie.

Gut, dass sich Konstantin Moreth für die Bearbeitung von Herbert Rosendorfer entschieden hat. Denn liest man die Handlung in Macchiavellis Original, kann einem vor lauter Nebenhandlung und Figurenansammlung ganz schummrig werden. Rosendorfer reduziert aufs Wesentliche. Keine Nebenhandlung, nur das Nötigste: Ein Ehepaar bekommt keine Kinder, ein Casanova will die Frau erobern und schafft das mit einer List. Am Ende steht ein gebrochenes Herz, vielleicht eine Schwangerschaft – und die Moral, dass nicht immer der Ehrliche belohnt wird.

Da ist Donna Vanessa (Michaela Weingartner), die „schönste Frau, die sich jemals in Venedigs Lagunen gespiegelt hat“, wie Don Federigo (Konstantin Moreth) nach einem kurzen Blick im sittsamen Gottesdienst weiß. Und da ist Vanessas tattriger Gemahl Don Pantalone (Sebastian Gerasch), konsequent im seidenen Hausmantel unterwegs. Das Problem: Der Nachwuchs fehlt. Und der ganze Reichtum muss doch einen Erben haben. Zudem kann der ehrenwerte Don Pantalone einen beeindruckenden Stammbaum aufweisen: Er ist direkter Nachfahr des Herkules. Was die Familien-Reliquie, ein Mistknochen aus Augias‘ Stall, hinlänglich beweist. Trotz Herkulesgenen, der Nachwuchs bleibt aus, was wohl am me­thusalemischen Alter des Gatten liegen mag.

Alle drei Schauspieler gehen ganz in ihren Rollen auf – und überzeichnen sie so sehr, dass es eine wahre Freude ist, ihnen zuzusehen. Vanessa im pinken Minikleidchen – man vermisst fast den schmatzenden Kaugummi – weiß vor lauter Wollust und Gier nach dem einmal gesehenen Don Federigo gar nicht mehr aus noch ein – in der späteren Liebesnacht wird sie Sally aus „Harry und Sally“ in nichts nachstehen.

Don Pantalone versucht, seine Ehre aufrecht zu halten, und glaubt deshalb alles, was man ihm auftischt. Hauptsache, seine Potenz steht außer Zweifel. Und Don Federigo ist so schmachtend unecht, dass man die Kurzlebigkeit seiner Hingabe schon kommen sieht. So viel Leidenschaft schafft keiner auf Dauer.

Auch Hannah Moreth als Vanessas Zofe, Theaterleiter Florian Werner als vermittelnder Dottore – „Ich bin Jurist!“ – und Franck Oskar Schindler als Federigos Diener Arlecchino, der weise Narr der Comedia dell‘ Arte, überzeugen. In ihrer Menschlichkeit und leisen Normalität verblassen sie gegen die Grellheit der Hauptcharaktere – und stellen deren Überzeichnung noch deutlicher heraus.

Das Bühnenbild, für das Schindler verantwortlich ist, passt sich der Schrillheit an: ein Sofa mit hoher Rückwand, quietschbunt. Mehr ist nicht nötig. Auch die Kostüme stehen unter dem Motto bunt. Man beachte nur Federigos Schuhe. Karsten Gnettner tritt als Wirt auf. Seine Hauptaufgabe ist aber die musikalische Leitung, in der er für Soundeffekte und für die Begleitung der zahlreichen Musikstücke sorgt.

Deren musikalische Spanne ist weit. Von Deep Purples „Mandrake Root“ (natürlich!) bis hin zum Jazzklassiker „Perhaps“ werden alle Songs vom Ensemble selbst gespielt und gesungen. Der Höhepunkt: „Sigh no more“ im Chor, so schmalzig, dass man die perfide Lieblosigkeit der Handlung gerne vergessen würde. Moreth führt Regie. Und verleiht der Komödie ein gutes Tempo, auch wenn man an ein oder zwei Stellen gerne noch ein bisschen anschieben könnte.

Der Abend lebt auch durch Details. Wenn die Schauspieler aus ihren Rollen heraustreten. Wenn ein Kreuzfahrtschiff durch die delphingeschwängerten Kanäle Venedigs tutet. Oder wenn das Wundermittel gegen Unfruchtbarkeit, die Alraunwurz „Mandragola“, einen magisch-akustischen Schimmer erhält. Wobei gilt: Ein platter Witz wird immer besser, je öfter man ihn erzählt.

Weitere Aufführungen von „Mandragola“ täglich (außer Dienstag) 20.30 Uhr, bis zum 12. August im Stadttheater. 

Susanne Greiner

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