Zum 140-Jährigen: Hippias in Goldschühchen

Ab 26. Juli fragt Sokrates im Theatergarten des Stadttheaters

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Probe im Theatergarten: Hippias (Matthias Bartels, links) im Goldschuh und Schuhputzer Sokrates (Konstantin Moreth) gehen der Frage nach dem Schönen nach.

Landsberg – Das Schöne. Und das Wahre. Wahrlich hehre Begriffe. Aber was bedeuten sie? Schönheit scheint Geschmacksfrage. Wahrheit in letzter Zeit manchmal auch. Die Aufgabe, diese abstrakten Begriffe mit Futter zu füllen, stellte sich Platon, als er Sokrates Dialoge – ob nun real oder erfunden – niederschrieb. Zum 140-Jährigen des Stadttheaters wandert die Frage nach schön und wahr in den Fokus des Theatergartens: Regisseur Ioan C. Toma inszeniert sein Theater-Kabarett „Sokrates und die Hebammenkunst“. Den weisen Philosophen mimt Konstantin Moreth – mit schelmischem Humor. Matthias Bartels von der landsberger bühne ist mit dabei. Und auch Theaterleiter Florian Werner.

Ein Kabarett? „In diesen Dialogen steckt so viel Humor, sie eignen sich wunderbar fürs Theater“, erklärt Toma. Ein Stück, das Philosophie verständlich mache und „viel zum Lachen bietet“. Es geht um „die absolute Essenz“, eben um das Gute, Schöne, Wahre. „Und es steckt eine große Leidenschaft in den Dialogen“ – für Toma noch ein Grund, daraus ein Stück zu schreiben.

Das Projekt und Toma sind schon lange ein Team. Die Uraufführung war in den 90ern in Linz. Im Lauf der Jahre hat das Stück aber Metamorphosen durchlaufen.: „Jetzt ist es durch und durch neu.“ Und perfekt für den Theatergarten. Der ja doch leicht amphitheaterhafte Züge trägt. Gab es in Linz noch Drehbühne und aufwendige Kostüme, herrscht im „Athen-Rund“ des Stadttheaters die Reduktion. Und bringt die Essenz des Stückes zum Leuchten: die Sprache.

Links ein Steinklotz, rechts ein Steinklotz. Spartanisch. Dazwischen ein rechteckiger Kasten, etwas mehr als mannshoch. Und obendrauf eine Büste: Sokrates. Auftritt Hippias, Sophist. Platon hielt nicht so viel von ihm, weshalb er ihn karikierte. Toma verwandelt den Herren (Bartels) in einen eitlen Geck: barockes Gewand – mit Walleperücke und goldenen Schühchen. Die natürlich auch sogleich geputzt werden müssen. Als Schemel dient Sokrates‘ Kopf (der steinerne), Schuhputzer ist Sokrates (der lebendige) alias Moreth. Und nun startet Sokrates‘ berühmte Hebammenkunst: Das Gebären einer bereits im Unwissenden vorhandenen Wahrheit durch hartnäckiges Fragen. Ja, Sokrates kann eine wahre Nervensäge sein.

Theaterleiter Florian Werner auf Sokrates - Werner spielt unter anderem den Autor der Dialoge, Platon.

Die Gesprächspartner des Philosophen werden alsbald zur Staffage: Mittels „Freilich“ oder auch „Wie anders?“ folgen sie Sokrates perfider Frageliste, mit der er seine Dialogpartner letztendlich zum Stein der Weisen treibt. Wenn auch manchmal auf Umwegen, die Hippias mit einem verdatterten „Was will er nur?“ quittiert. Doch das Gespräch verändert Hippias. Die Perücke wird an den Haken gehängt, ebenso die goldenen Schühchen samt Gehrock. Zurück bleibt ein Mensch. Seiner Vorurteile beraubt.

Den Rahmen für Thomas Stück bildet Sokrates‘ Apologie, seine berühmte Verteidigungsrede. Dazwischen setzt Toma andere Dialoge. Eben den „Hippias“. Den „Georgias“, wenn es um Macht geht. Wort- und Degengefechte liefern sich die sprachgewandten Sophisten in arroganter Besserwisserei: „Euthydemos“. Und die Hebammenkunst an sich erläutert der Dialog „Menon“. Hier übrigens sollten alle Mathe-Hasser aufpassen. Denn mit Sokrates kann jedes Kind Geometrie. Spielend!

Die Sophisten fechten nicht nur mit Degen, auch mit Worten.

Auch der Urheber der Dialoge, Platon selbst (Werner), tritt auf. Oft am Ende der Szenen, als Kommentator oder Überleiter zur nächsten Fragerunde. „Eine Art Joker“, schmunzelt Toma.

Sokrates stand 399 v. Chr. vor Gericht, wegen Verführung der Jugend und Gottlosigkeit. Er wurde zu Unrecht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Seine Apologie betont die Wichtigkeit der Gerechtigkeit. Unrecht darf nicht mit Unrecht vergolten werden. Es gilt das Gesetz zu achten. Und auch einem unrechten Urteil zu folgen. Eine extrem rigorose Haltung, die viele Fragen aufgeworfen hat und immer noch aufwirft. „Sokrates‘ Schuldspruch, das ist wie wenn der Arzt den Zuckerbäcker verklagt“, kommentiert Toma.

Für ihn ist Sokrates ein Vorbild. Furchtlos, obwohl er dem Tod gegenübersteht, heiter, obwohl ihn alle angreifen: „Er bemüht sich, mit seiner ganzen Person Gutes zu tun.“ Und das könne sich lohnen. Und deshalb hat Toma Sokrates zum Thema seines Stückes gemacht.

Die ersten zwei Aufführungen finden am Donnerstag und Freitag, 26. und 27. Juli, statt. Weiter geht es vom 2. bis 5. August, immer um 21 Uhr im Theatergarten. Und sollte es doch mal Katzen und Hunde hageln, wandert Sokrates in den Saal.

Susanne Greiner

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