"Fair is foul, and foul is fair"

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Lady Macbeth (Louise Lee) überredet Macbeth (Martin Christopher) im Landsberger Stadttheater zum Königsmord.

Landsberg – Grüner Nebel wabert in den Zuschauerraum, Auftritt der wohl berühmtesten Hexen der Literaturgeschichte, Auftakt eines der bekanntesten Dramen überhaupt. Keine leichte Aufgabe, an die sich das TNT Theatre Britain herangewagt hat, die es aber auf beeindruckende Weise bewältigt hat.

Das „schottische Stück“ – lange galt es in der Theaterszene als unglückverheißend, den Namen der blutgetränkten Tragödie auch nur auszusprechen (was aus heutiger Sicht wohl an der hohen Unfallquote der vielen Kampfszenen lag…). Um den Aberglauben zu umgehen, katapultieren viele Regisseure das Drama zwanghaft in die Gegenwart, sind doch die zentralen Themen Schuld und Macht, Ordnung und Chaos nach wie vor hochaktuell. Zum Glück widerstand Regisseur Paul Stebbings der Versuchung und inszenierte den Shakespeare-Klassiker pur und schnörkellos. 

 Ein schlichtes Bühnenbild mit drei wandelbaren Säulen, atmosphärisch illuminiert, Kostüme, die entfernt an das 11. Jahrhundert, die Zeit des „echten“ Macbeth erinnern und die stimmungsvolle Musik von Paul Flush schaffen einen ungeheuer intensiven Bilderreigen und bilden die perfekte Basis für die Darsteller sowie die Ausdruckskraft der Sprache. Und allein diese ist im Original ein Genuss, an deren Bildhaftigkeit und Präsenz keine deutsche Adaption heranreicht (sorry, die Damen und Herren Schlegel/Tieck, Schiller, Müller und Brasch). Und wie auch schon bei der vorhergegangenen Produktion „Much Ado about Nothing“ gelingt es den Akteuren, den elisabethanischen Blankvers authentisch klingen zu lassen, als natürliches Ausdrucksmittel ihrer Figur.

Louise Lee, die in Landsberg schon als Beatrice begeisterte, zeigt eine beängstigende Lady Macbeth, rücksichtslos, manipulativ, die doch später an ihren Gewissensbissen zugrunde geht. Verstärkt wird die Ungeheuerlichkeit des Mordes an Duncan durch dessen Interpretation als hilflosen, blinden Greis. Macbeth hingegen altert förmlich vor Augen des Publikums, wandelt sich vom Mörder wider Willen zum eiskalten Tyrannen. Überzeugte Martin Christopher auch in der Dolchszene und nach dem Königsmord, hätte man im zweiten Teil etwas mehr Tiefe gewünscht. Zur Farce geriet leider das berühmte Bankett, bei dem der zuvor ermordete Banquo (Robert McCafferty) eher zombieartig agierte. Doch den stärksten Eindruck hinterließ die Szene, in der MacDuff vom Mord an seiner Familie erfährt. Dan Wilder brilliert als integrer, nüchterner Soldat, der innerhalb von Sekunden von tiefster Verzweiflung übermannt wird, die sich später in Zorn und Rache entlädt. Selten herrschte im Theater solch atemlose Stille wie in diesem Moment.  

Darf man zu einem solch düsteren Stück, das von Blut und Leichen wimmelt „viel Spaß“ wünschen, fragte sich Theaterleiter Florian Werner zu Anfang. Das Wort mag zunächst unpassend scheinen, doch definiert man Spaß als Freude und Begeisterung über eine gelungene Inszenierung, eindrucksvolle Darstellungskunst und einen Eindruck, der nicht bereits beim Verlassen des Theaters verblasst, sondern lange anhält, ja, dann ist der Wunsch durchaus angemessen und in Erfüllung gegangen.

Patricia Eckstein

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