Eine ganz schwierige Kiste

Themenwoche des Hospiz- und Palliativvereins Landsberg erfolgreich

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Renate Achenberger (links) ist begeistert: Peggy Graf (rechts) beginnt gleich, den Sargdeckel der 83-Jährigen, gezimmert von Fred Theiner (Mitte), zu bemalen.

Landsberg – Eine Woche lang geht es um den Tod. Der Hospiz- und Palliativverein Landsberg hatte anlässlich des Welthospiztags eine ganze ‚Projektwoche‘ zum Thema Sterben eingeläutet: Informationen über Bestattungsmöglichkeiten, Lesungen, Film und Theater, Vorträge oder auch die Herstellung von Trauergestecken. „Die Menschen haben erstaunlicherweise wenig Hemmungen gehabt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, resümiert Antje Thalmayr, eine der fünf Koordinatorinnen des Vereins. Alle Veranstaltungen seien sehr gut angenommen worden.

Ein Moment, bei dem Thalmayr Gänsehaut bekam: das Ritual, bei dem in der Säulenhalle von Susanne Sommer kreierte florale Bänder von jeweils zwei Personen über einen Sarg gelegt wurden. Bänder, die die Floristin auch mit den Angehörigen des Toten zusammenstellt.

Am Freitag schrumpfte der Kontakt zum Sterben auf ein Minimum: Unter dem Titel „Handwerken für den Tod“ konnte man Trauerschmuck basteln: Grabschmuck aus Blumen, Holz oder auch Filz gestalten oder Schreiner Fred Theiner dabei zuschauen, wie er beim bemalen eines Sargdeckels assistiert. Ein Sarg, den der Bobinger selbst gezimmert hat. Und ein Sarg, der verwendet wird. Die zukünftige ‚Bewohnerin‘ sitzt freudestrahlend daneben: Die 83-jährige Renate Achenberger hat Theiner beauftragt. „Da weiß ich, wo ich hinkomm. Wenn man ein Baby bekommt, plant man doch auch alles“, sagt sie.

Es ist ein Sarg nach Maß. „Damit mussten wir anfangen, mit dem Maßnehmen“, erzählt die Augsburgerin. Eine seltsame Vorstellung: Man steht da und das Maßband baumelt vom Kopf bis zum Fuß, um die Sarglänge zu messen, oder? „Als Fred sagte, der Sarg sei fertig zur Besichtigung, hatte ich schon Angst“, gesteht Renate. Aber als sie ihn gesehen hat, war die wie weggeblasen. Ausgelegt ist der Sarg mit Zirbenholz und gewaschener Schafwolle. Und weil die Augsburgerin vor 20 Jahren Bauchtanz gemacht hat, glänzt auch noch ihr blaues Bauchtanz-Tuch im Inneren. „Seitdem ich das gesehen habe, ist die Angst vor dem Tod gesunken“, sagt sie. Der Sarg ist eben schön. „So schön, dass mein Mann (der vor vielen Jahren starb, neben dem sie aber begraben sein möchte) ganz neidisch sein wird“, lacht sie.

Bemalt wird der Deckel von ihrer Nachbarin und inzwischen Freundin Peggy Graf, rund 40 Jahre jünger: „Aber wir haben uns gesehen, beide barfuß – Liebe auf den ersten Blick“, lacht Peggy. Als Vorlage dient ihr ein Schlüsselanhänger, den Renate schon lange bei sich trägt. Ein stilisierter Engel, ähnlich einem Vogel: „Wir fliegen in den Himmel“ ist die gläubige Protestantin Renate überzeugt.

Beim Sarg-Zimmern geholfen hat auch Renates Lebensgefährte: „Ich hatte dabei ein Gefühl, das hatte ich mein Lebtag noch nicht“, erzählt er. Er sei mit Galgenhumor an die Sache herangegangen. „Aber der ist ganz schnell verflogen.“ Man komme dem Thema Sterben eben doch sehr nahe. Auf eine gute Weise.

Schreiner Theiner gibt aus „Dankbarkeit, dass ich noch leben darf“ Kurse, in denen man den eigenen Sarg zimmern kann. Unter dem Titel „Schwierige Kiste“. Dass Angehörige mithelfen, sei öfter der Fall, erzählt der Bobinger. „Am Ende gehen alle immer erfüllt aus der Werkstat.“

Das sei auch ein wichtiger Aspekt dieser Woche gewesen, fasst Thalmayr vom Hospizverein zusammen: die allgegenwärtige, aber selten thematisierte Angst vor dem Sterben zumindest einmal anzusprechen. Und den Tod so auch ein bisschen mit ins Leben zu holen.
Susanne Greiner

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