Abschied vom Landtag

Nach 44 Jahren im Bayerischen Landtag: Thomas Goppel im »Unruhestand«

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Vom heimischen Schreibtisch in Eresing aus wird Thomas Goppel seine nach wie vor vielfältigen politischen und gesellschaftlichen Aktivitäten steuern.

Eresing – Blick zurück nicht mit Wehmut, sondern mit Dankbarkeit für ein erfülltes politisches Leben, das auch ohne Mandat weitergeht. So empfindet es Dr. Thomas Goppel, der nach 44 Jahren aus dem Bayerischen Landtag ausgeschieden ist. Trotz respektabler 15.373 Zweitstimmen auf dem Listenplatz 112. Wegen der hohen Anzahl von 85 Direktmandaten zieht kein CSU-Kandidat über die Liste in den Landtag ein. Das bedeutet nicht nur das Aus für Goppel, sondern auch für Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Ex-Kultusminister Ludwig Spaenle und Wissenschaftsministerin Marion Kiechle.

Nachdem Thomas Goppel sein Büro im Landtag geräumt hatte, empfing er den KREISBOTEN zu einem Gespräch in seinem Home-Office in Eresing. Das Ausräumen des Dienstbüros empfand er wie „die Aufgabe eines Zweitwohnsitzes aus Berufsgründen“, also sehr sachlich. Obwohl er sich mit Schmunzeln daran erinnert, dass er dieses Büro 1974 bei seinem Einzug in den Landtag noch mit Edmund Stoiber und Hans Zehetmair teilen musste. Stoiber habe damals ständig das einzige Telefon blockiert.

44 Jahre ist das her, als Thomas Goppel der jüngste Abgeordnete im Parlament war und sein Vater Alfons Goppel als Ministerpräsident der Älteste. Wenn er offiziell seinem Vater eine Frage gestellt hatte, moserte stets die SPD-Opposition: „Das könnt ihr doch zuhause klären“. Kein anderer Politiker in einem Landesparlament war übrigens so lange Mandatsträger wie Thomas Goppel. Nur Wolfgang Schäuble ist mit 45 Jahren länger in einem Parlament, allerdings im Bundestag.

Der studierte Lehrer Goppel kann jetzt im „Unruhestand“ auf ein erfülltes und erfolgreiches Leben in der Politik zurückblicken. Er machte acht Jahre lang Schulpolitik, war vier Jahre lang jugendpolitischer Sprecher der CSU, vier Jahre Staatssekretär im Wissenschaftsministerium und viereinhalb Jahre CSU-Generalsekretär, bevor er Ende 2003 vom aufstrebenden Markus Söder abgelöst wurde. Drei Ministerämter übte er aus: Europaminister (3,5 Jahre), Umweltminister (4) und Wissenschaftsminister (5).

Unruhestand deshalb, weil der gebürtige Unterfranke nicht daran denkt, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Goppel steht der Senioren-Union der CSU mit 16.000 Mitgliedern vor, ist Präsident des Bayerischen Musik­rates, Vorsitzender im Landesdenkmalrat und Sprecher der Christsozialen Katholiken CSK. Allein für die Senioren und die Musik fahre er jedes Jahr 40.000 Kilometer durchs Land, das sei eigentlich ein Fulltime-Job, betont der Nimmermüde.

Mit 71 Jahren will er noch nicht aufhören, obwohl Horst Seehofer vor vier Jahren im Kabinett gesagt hat, mit 60 solle ein Politiker Ruhe geben. Genau daran aber halte sich ausgerechnet „der Seehofer“ mit 69 nicht. Goppel habe ihn schon mehrmals persönlich daran erinnert, obwohl er zu ihm „eigentlich kein Verhältnis“ habe. Denn trotz Zusage habe ihm Seehofer seinerzeit das Ministeramt wegen „60 plus“ weggenommen. Bei der aktuellen Entwicklung in Berlin werde es wohl so kommen, dass „Seehofer und Dobrindt heimgehen müssen“.

Zu seinem ehemaligen Büro­genossen Stoiber hat Thomas Goppel ein gutes Verhältnis. Obwohl er ihm damals übel nahm, Horst Seehofer von der Bundespolitik nach München zu holen. Mit Markus Söder hatte Goppel zunächst Schwierigkeiten, weil er einen anderen Politikansatz habe. Denn Söder sei in die Politik gegangen mit dem Vorsatz, Ministerpräsident zu werden. Der Weg dahin waren für ihn nur „Zeitabschnitte“. Jetzt als Ministerpräsident mache Söder inhaltlich eine gute Figur, wobei ihm und der Partei aber die Kreuzaktion sehr geschadet hätten. Und zu oft sei Söder mehr an der Präsentation seiner Person als an der Sache interessiert. Vor der Landtagswahl habe er soviel zugesagt, das nur mit enormen Tempo und viel Geld zu erreichen sei. Die fehlenden Mittel müssen wohl später als Ausrede herhalten, so Goppel.

Auf seine erneute Kandidatur angesprochen betont Goppel, dass er vor allem wegen seiner Seniorenarbeit nochmals in den Landtag einziehen wollte. Beim Rentenpaket hätte er gerne aktiv mitgearbeitet. Wer nicht Beamter oder Freiberufler sei, komme bei den jetzigen Konzepten zu kurz. Blüm habe damals fest damit gerechnet, dass die Pflege zu zwei Drittel in den eigenen Familien stattfinden wird. Die „heutigen Lebenskonditionen in der Summe“ machen dies aber unmöglich. Die Leute werden immer älter, viele haben keine Kinder und wenn ja, arbeiten sie oft in anderen Regionen. Die Altersarmut sei vorprogrammiert.

Zum Abschluss des Gesprächs zeigt Thomas Goppel stolz einen Stoß von Kladden, in denen fein säuberlich alle seine politischen Aktivitäten notiert sind. Allein 2.000 Anliegen pro Jahr im Stimmkreis und seinen Fachgebieten hat er bearbeitet. Ein Drittel sei gut gegangen, bei einem Drittel habe man Kompromisse gefunden und ein Drittel war leider nicht machbar. Wenn man Unruheständler Goppel so erzählen hört, kann man sicher sein, dass er sich nach wie vor für die Bürger einsetzen und seine vielfältigen Beziehungen nutzen wird.

Dieter Roettig

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