Tiefe Gräben ums Tierheim

Rechtsanwalt Patrick Freutsmiedl (stehend) sowie die aktuellen Vorstandsmitglieder Dr. Daniela Bach (links, verdeckt) und Schriftführerin Petra Gast (vorne) hatten alle Hände voll zu tun, die jüngste Mitgliederversammlung des Tierschutzvereins Landsberg wenigstens einigermaßen in geregelten Bahnen zu halten. Foto: Kruse

Der Tierschutzverein Landsberg ist ja für seine defensive Öffentlichkeitsarbeit bekannt – wie tief aber die Gräben an der Vereinsspitze sind und wie verfahren die Lage im Vorstand ist, überraschte auf der jüngsten Mitgliederversammlung selbst in den eigenen Reihen im überfüllten Nebenraum der Sportzentrumsgaststätte.

Dass sowohl die 1. Vorsitzende Marietta Warschun als auch Schatzmeisterin Anita Sellner vor Wochen bzw. Monaten zurückgetreten waren, war etlichen der Anwesenden offenbar neu. Dementsprechend entfielen auch die Tagesordnungspunkte „Bericht der 1. Vorsitzenden“ und „Bericht der Schatzmeisterin“, die in der Einladung zur Versammlung noch aufgeführt waren – ein folgenschwerer Formfehler. Den Grund dafür nannte Versammlungsleiter Patrick Freutsmiedl in entwaffnender Offenheit: „Sie haben keine Vorsitzende mehr und auch keine Schatzmeisterin mehr. Dementsprechend können die beiden auch nicht berichten.“ Als sich daraufhin Unmut bei den Mitgliedern breit machte, warnte der Landsberger Rechtsanwalt: „Da kommt schon noch mehr.“ So war’s denn auch, keiner der Tagesordnungspunkte konnte beschlossen werden. Die Prüfung der Finanzlage hatten die verbliebenen Vorstandsmitglieder, die 2. Vorsitzende Dr. Daniela Bach und Schriftführerin Petra Gast, im Vorfeld notgedrungen an einen Steuerberater in Augsburg vergeben. Dieser konnte angesichts der Faktenlage allerdings nur eine Gewinn-/Verlustrechnung erstellen. Den Bericht der Kassenprüfer wiederum verlas Gast, da diese erst gar nicht zur Versammlung erschienen waren. Freutsmiedl: „Vermutlich haben sie Besseres zu tun.“ Die vorgesehenen Satzungsänderungen zur Einstellung und Entlassung von Angestellten wurden abgeblasen. Grund: Mehrere Mitglieder beschwerten sich, dass ihnen die aktuelle Satzung (nach vorhergegangenen Änderungen) noch nicht bekannt sei und man nicht einmal wisse, ob die letzten Änderungen beim Registergericht überhaupt eingetragen seien. Rückzug Die Wahl von zwei neuen Beiratsmitgliedern kam ebenfalls nicht zustande. Versammlungsleiter Freutsmiedl: „Die betreffenden Personen haben mir vor der Versammlung erklärt, dass sie angesichts der aktuellen Lage im Verein nicht mehr zur Verfügung stehen. Was ich nachvollziehen kann.“ Bei den Abstimmungen zur Entlastung der Vorstandsmitglieder weiteten sich die Gräben erneut: Während Michaela Zrenner, vor Marietta Warschun 1. Vorsitzende, glatt entlastet wurde, war dies bei Warschun ebenso wenig der Fall wie bei der aktuell kommissarisch führenden Daniela Bach. Der Rest des langen Abends näherte sich einem Zustand an, der nur mit „Chaos“ zutreffend beschrieben werden kann. Persönliche Vorwürfe machten die Runde, in denen sowohl aktuelle als auch ehemalige Vorstandsmitglieder ihr Fett wegbekamen. Die Genannten wa­- ren zum großen Teil anwesend, äußerten sich allerdings nicht zu den Anschuldigungen. Grob unhöflich Auch den ehemaligen stellvertretenden Tierheimleiter, persönlich anwesend, gingen mehreren Mitglieder massiv an. Der Vorwurf: Er habe zwei Azubis „weggemobbt“, die jetzt ihre Ausbildung in anderen Tierheimen beendeten. Zudem habe er sich Besuchern gegenüber „grob unhöflich“ verhalten; einige Mitglieder forderten gar ein amtliches Führungszeugnis und einen Qualifikationsnachweis ein. Der Mann sei inzwischen von „allen Aufgaben, die Personalfragen, Kontakt mit Besuchern oder die Aufnahme von Tieren“ beinhalten, entbunden und nur noch ehrenamtlich tätig, entgegnete Dr. Bach, die ansonsten zu zahlreichen Vorwürfen schwieg. Nach Informationen des KREISBOTEN relativiert sich zumindest eine An­- schuldigung: Bei einer der genannten Auszubildenden wurde offenbar bereits vor längerer Zeit eine psychische Störung diagnostiziert, die zuvor mehrmals zu ähnlichen Problemen geführt hatte. Wie groß die Probleme um den Tierschutzverein Landsberg tatsächlich sind, lässt sich nur erahnen. In sehr polemischer Art und Weise wurden an diesem Abend Fragen nach Todesursachen von drei im Tierheim untergebrachten Hunden genauso aufgeworfen wie nach angeblich absichtlich zu langer Verweildauer von Tieren. Einzelnen Beiratsmitgliedern wird inzwischen das Betretungsrecht im Tierheim verweigert. Begründet wird das mit „Störung des Vereinsfriedens“, „Verstoß gegen Weisungen“ und „Stimmungsmache gegen den Vorstand“. Auf Nachfrage ergaben sich weitere Vorwürfe: „Es sind Passwörter an Computern geändert worden, so dass niemand mehr darauf zugreifen konnte. Tresorschlüssel sind an den Vorstand in seinem eigenen Verein nicht ausgehändigt worden“, so Bach. Als wäre die Lage nicht schon verfahren genug, eskalierte die Sitzung zum Ende. Nachdem ein Vereinsmitglied zum wiederholten Mal lautstark eine Grundsatzerklärung zu den „Rechten der Tiere“ abgab und auch auf den Entzug des Rederechts durch Versammlungsleiter Freutsmiedl nicht reagierte, wurde die Mitgliederversammlung um 22.30 Uhr abgebrochen. Patrick Freutsmiedl, immerhin selbst gestählt als Vorstand und Versammlungsleiter beim EV Landsberg und beim Tierschutzverein, war fassungslos: „Ich habe schon viel mitgemacht, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Meistgelesen

Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"
Herzhaft finstere Lebenslieder
Herzhaft finstere Lebenslieder

Kommentare