In der Tiefe wird’s interessant

Lob vom Landesamt für Denkmalpflege: Die Bereiche (rot) des Alten Rathauses und um den Marienbrunnen sind auf dem Plan des städtischen Tiefbaureferates bereits ausgespart. Plan: Stadtbauamt

Stecken in der Planung für den Umbau des Landsberger Hauptplatzes gravierende Versäumnisse? Ja, zumindest wenn es nach dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege geht. Dort ist der Umfang der Baumaßnahme bislang offiziell nicht bekannt und das gibt jetzt Ärger. Der gesamte Zeitplan droht ins Wanken zu geraten, mit Mehrkosten und Verzögerungen ist auf jeden Fall zu rechnen. „Das wird kein Pappenstiel“, sagt Referatsleiter Dr. Jochen Haberstroh in München auf Nachfrage des KREISBOTEN. Er hat bei der Stadt schriftlich eine Stellungnahme angefordert.

Haberstroh ist für die Bodendenkmalpflege zuständig, bei ihm muss eine solche Baumaßnahme angemeldet werden. Das hat die Stadt Landsberg auch getan, allerdings wurde dabei wohl nicht alles erwähnt, was genau man vorhat. Bei der Behörde jedenfalls geht man davon aus, dass lediglich das Pflaster ausgetauscht wird. „Das hat sich nur nach einer neuen Oberflächengestaltung angehört, von Grabungen oder Bodenaustausch war keine Rede“, sagt Haberstroh. Erst jetzt hat er erfahren, dass für die Erneuerung von rund 50 Hausanschlüssen mehrere Meter tief aufgegraben wird und zudem flächendeckend eine Lehmschicht entfernt werden soll (der KREISBOTE berichtete). „Das verschlägt mir ehrlich gesagt die Sprache“, so der Spitzenbeamte. Von dem Erlaub­- nisbescheid seien ausschließlich oberflächennahe Erdarbeiten abgedeckt. Bei solchen Grabungen im Altstadtbereich geht ohne das Landesamt ohnehin überhaupt nichts, hinzu kommt die „herausragende Bedeutung Landsbergs im Hochmittelalter“. Bei den Arbeiten werde die Oberfläche zunächst maschinell abgetragen, „danach erfolgt die Dokumentation und Vermessung aber von Hand“, erläutert Haberstroh – und das bei jedem Hausanschluss. Dass dabei nichts von Belang gefunden wird, scheint ausgeschlossen, bevor der erste Bagger anrollt. Der Referatsleiter weiter: „Da das Rathaus früher an anderer Stelle stand, die Straße anders verlief und wir auf dem Platz wohl auch Wohnbebauung hatten, ist es mehr als unwahrscheinlich, dass da nichts herauskommt. Man kann mit Befunden ab 80 bis 100 Zentimetern Tiefe rechnen, manchmal aber auch schon ab 40 Zentimetern.“ Pro Hausanschluss werde man für die Dokumentation „minimal zwei Tage brauchen, was mich allerdings überraschen würde. Es kann auch einmal zwei Wochen dauern.“ Die nötigen Archäologen stellt aus Personalmangel schon längst nicht mehr der Freistaat, mit diesen Aufgaben werden externe Firmen betraut, im Fall Landsberg ist das die Augsburger Niederlassung der „Archbau“ aus Essen. Dort hat man für die Baustelle in Landsberg aber wohl lediglich zwei bis drei Mitarbeiter „baubegleitend“ eingeplant. Haberstroh: „Man muss sich da schnell zusammensetzen, das reicht bei diesem Volumen auf keinen Fall aus.“ Bei den Bauarbeiten bei den Marienhöfen in München etwa seien im Schnitt 20 Personen beschäftigt. Es bestehe dringender Gesprächsbedarf, Haberstroh hat bereits nach einem Termin bei der Stadt Landsberg angefragt. „Das liegt in deren Interesse. Der Ball liegt bei der Stadt, nicht bei uns.“ Dass der Erlaubnisantrag so unzureichend gestellt wurde, kann sich Haberstroh nur mit fehlender Erfahrung erklären. „Landsberg ist jungfräulich, was Grabungen angeht, andere Städte wissen längst, was in einem solchen Fall zu tun ist.“ Dass man auf Basis des geltenden Bescheides anfängt, tiefer als unter das Pflaster zu graben, schließt er aus. „Es wäre verantwortungslos, blind in so ein Vorhaben hineinzugehen, das käme einem Schildbürgerstreich gleich.“ Ein Problem: Nachdem bereits in der kommenden Woche die Arbeiten beginnen sollen, drängt die Zeit umso mehr. Dies liegt auch daran, dass der Antrag von der Stadt sehr spät gestellt wurde: Erst im Dezember ging er in München ein. Das sei „ungewöhnlich kurzfristig“, so der Experte. Nun müsse man die gesamte Maßnahme neu aufrollen. „Die Stadt meint vielleicht, dass sie weiter ist, aber wir befinden uns jetzt in der Planungsphase. Das Volumen der Maßnahme muss jetzt zügig festgestellt werden, damit man überhaupt weitermachen kann. Erst dann kann die Stadt auch planen, wieviel finanziellen Mehraufwand sie hat.“ Die Kosten für die archäologische Dokumentation trägt in jedem Fall zu hundert Prozent die Stadt. Haberstroh: „Angesichts dessen und angesichts des Zeitaspektes wird die Stadt vielleicht zum Nachdenken angeregt, ob man auf Lehm nicht doch ganz gut eine Straße bauen kann.“ Lob hat Haberstroh nur an einer Stelle für die Verwaltung: Dass der Standort des Alten Rathauses in der Platzmitte bei den Arbeiten komplett ausgespart werden soll, „gefällt mir ganz gut. Was nicht ausgegraben wird, wird bewahrt.“ Tobias Frage von der neuen Bürgerinitiative zum Hauptplatzumbau (www.bi-LL-hauptplatz.de) sieht in den Proble­- men mit dem Landesamt für Denkmalpflege dagegen „nur einen weiteren Mosaikstein in den Unzulänglichkeiten, Pannen und fehlenden Informationen, wie sie den Umbau von Beginn an prägen. Ständig kommt etwas Neues heraus.“ Dass sich die Sperrung des Platzes nun durch den Einspruch der Behörde und die bislang nicht eingeplanten archäologischen Arbeiten eventuell noch mehr verlängere, sei den Einzelhändlern und Bürgern endgültig nicht mehr zuzumuten. „Wir prüfen jetzt, ob man dagegen vorgehen kann.“

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