Die Kurven zeigen nach unten

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Problemfall Schlossberggarage: Während sich die Zahlen in der Tiegarage Lechstraße einigermaßen stabilisieren, geht es mit Erlösen und Nutzerzahlen in der Kavernengarage offenbar bergab, wie diese Grafik verdeutlicht.

Landsberg – Bekommt man durch die Erhöhung der Parkgebühren das Tiefgaragen-Defizit tatsächlich in den Griff? Oder werden die Mehreinnahmen durch sinkende Nutzerzahlen teilweise wieder „aufgefressen“?

Das ist am heutigen Dienstagabend (nach KREISBOTEN-Redaktionsschluss) einer der Hauptpunkte bei der Verwaltungsratssitzung der Stadtwerke. Nach den Zahlen für die ersten fünf Monate dieses Jahres, scheint klar: Das Ziel wird verfehlt. Das Defizit sinkt trotz mehr als verdoppelter Gebühren voraussichtlich nur um einen geringen Teil. Noch schlechter: Die Einnahmen-Kurve zeigt nach unten.

Rund 800000 Euro betrug das jährliche Defizit, das man mit den Garagen einfuhr – einst politisch durchaus gewollt, da die Besucher der Altstadt günstigen Parkraum zur Verfügung gestellt bekommen sollten. In Zeiten der Finanzkrise sollte dem Minus nun durch kräftige Erhöhungen zu Leibe gerückt werden, doch die Autofahrer machen den Plänen offensichtlich einen Strich durch die Rechnung. Wie sich die neuen Parkgebühren nach und nach auf das Verhalten der Besucher auswirkten, lässt sich an der Schlossberggarage gut ablesen: Um über 4000 Fahrzeuge oder 21 Prozent brach im Februar nach der ersten Gebührenrunde die Zahl der Nutzer pro Monat ein – von 21699 auf 17230. Die Einnahmen dagegen kletterten um 32 Prozent nach oben – von 31000 auf über 41000 Euro.

Dabei scheinen aber viele Nutzer ein „Aha-Erlebnis“ am Kassenautomaten gemacht zu haben, denn in den Folgemonaten änderten sie offenbar ihr Parkverhalten deutlich, um so Geld zu sparen. „Es wird verstärkt genau zur ersten und zweiten halben Stunde ausgefahren“, hatte Stadtwerke-Chef Norbert Köhler vor wenigen Wochen schon verlauten lassen.

Schneller wieder raus

Der kaufmännische Vorstand, Christof Lange, will zum Nutzerverhalten erst nach der Verwaltungsratssitzung Stellung nehmen. Die Zahlen sprechen aber für sich: Während sich die Zahl der Fahrzeuge in beiden Tiefgaragen nach dem Einbruch im Februar stabilisierte, gehen die Einnahmen zurück, weil die Autofahrer schneller wieder ausfahren. Dies entspricht zwar den Wünschen, die Prof. Knoflacher in seinem Verkehrsgutachten formuliert („Langzeitparken unattraktiv machen, Kurzzeitparken fördern“), allerdings sicher nicht den finanziellen Vorstellungen des selbständigen Kommunalunternehmes Stadtwerke und von Kämmerer Peter Jung.

In beiden Tiefgaragen sind die Netto-Erlöse im Vergleich zu den Vorjahren zwar gestiegen, allerdings längst nicht in dem Maße, wie es nötig wäre, um dem Defizit wirklich zu Leibe zu rücken. Nach den aktuellen Zahlen, die dem KREISBOTEN vorliegen, nahmen die Stadtwerke in der Lechstraße in den ersten fünf Monaten dieses Jahres rund 195000 Euro ein (2012: 169000 Euro) und am Schlossberg 175000 Euro (136000).

Den Zenit erreicht?

„Das Ziel des Defizit-Ausgleichs wird damit nicht erreichbar sein“, vermutet Tobias Frage von der AG Innenstadt. „Es ist aber vor allem besorgniserregend, dass wir bei den Einnahmen offenbar schon einen Zenit erreicht haben und die Zahlen inzwischen wieder sinken.“ Tatsächlich sind im Mai die Erlöse in der Schlossberggarage sogar erstmals unter das Niveau vor der Gebührenerhöhung gesunken. Frage hat auch die Beobachtung gemacht, dass der Einzelhandel seit der Erhöhung und trotz der erneuten Anpassung zum 1. April teilweise deutlich weniger fre­quentiert wird. „Die Umsätze bei einigen Händlern passen eindeutig nicht mit den teilweise schöngewaschenen offiziellen Äußerungen zusammen.“

Stadtwerke-Vorstand Christof Lange weist dagegen darauf hin, dass die Statistiken wegen des Hauptplatzumbaus und der zweimaligen Gebührenanpassung „noch mit Vorsicht zu lesen und zu interpretieren“ seien. Erstaunlicherweise scheint sich die große Baumaßnahme im Herzen der Altstadt aber kaum bis gar nicht auf die Nutzer auszuwirken. Weder im vergangenen noch in diesem Jahr haben sich die Parkerzahlen mit Beginn oder Ende der Sperrung nachweislich verändert. Klar scheint aber, dass die zweite Anpassung der Gebühren, die nach heftigen Protesten der Bürger vorgenommen wurde, finanziell ins Kontor schlagen wird, da viele Besucher jetzt ausschließlich die kostenfreie erste halbe Stunde nutzen.

Der Technische Vorstand der Stadtwerke, Norbert Köhler, hatte bereits vor der Einführung befürchtet, dass alleine diese 30 Frei-Minuten 200000 Euro pro Jahr ausmachen könnten. Zudem fiel in den letzten Wochen auf, dass auch bei schönem Wetter die Zahl der Inselbadbesucher (und Parker) im Vergleich zu den Vorjahren zurück­- zugehen scheint; offizielle Zahlen hierzu gibt es von den Stadtwerken allerdings ebenfalls noch nicht.

Christoph Kruse

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